Mieterverein Parchim-Lübz : Schimmel sorgt oft für Streit

Ein Schimmelfleck neben der Balkontür kann durch falsches Lüften oder Risse in der Außenwand entstehen. Oft streiten Mieter und Vermieter, wer für den Schaden verantwortlich ist
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Ein Schimmelfleck neben der Balkontür kann durch falsches Lüften oder Risse in der Außenwand entstehen. Oft streiten Mieter und Vermieter, wer für den Schaden verantwortlich ist

Mieterverein Parchim-Lübz beobachtet Unsicherheit mit Mietminderung. Manche Vermieter drohen mit Kündigung .

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04. April 2017, 05:00 Uhr

Schimmel in der Wohnung - damit haben einige Mieter Probleme. Doch viele haben Angst, ihr Recht auf Mietminderung durchzusetzen. Das sagt Catharina Möller-Federau, Geschäftsführerin im Mieterverein Parchim-Lübz und Umgebung.

In den Sprechstunden des Vereins merkte die Beraterin, dass sowohl Mieter als auch einige Vermieter mit dem Thema Mietminderung Unsicherheiten haben. Einige Mitglieder, die sich beim Verein Rat holen, haben die Eigentümer bereits auf den Mangel hingewiesen, so Möller-Federau. Manche private Vermieter reagieren damit, dass ihnen der Schimmel am Fenster egal sei. Und wenn der Mieter seine monatlichen Überweisungen mindert, betrachten das einige Eigentümer als Mietschulden. Sie drohen sogar mit Kündigungen.

Die Frau vom Mieterverein erklärt: Wenn der Wohnungsnutzer den Mangel angezeigt hat, dann ist er berechtigt, die Mieter um einen angemessen Teil zu reduzieren. Es gibt eine Tabelle, an die sich auch der Mieterverein bei seinen Beratungen orientiert. Das kann bei Schimmel 20 bis 30 Prozent der Bruttomiete, im extremsten Fall aber auch die gesamte Summe sein, erklärt Möller-Federau. Um auf der sicheren Seite zu sein, setzten die Parchimer die einbehaltene Miete unter der in der Tabelle genannten Prozentzahl an. Denn wer zuviel mindert, kann wirklich in Gefahr kommen, dass sich Mietschulden ansammeln.

Oft gibt es Streit darum, wer für den Schimmel verantwortlich ist. Immer wieder werfen Vermieter ihren Mietern mangelnde Heizung und Belüftung vor. Auch wenn die Schuldfrage nicht geklärt ist, sei der Vermieter dafür verantwortlich, den Schimmel erst einmal zu beseitigen, erklärt die Geschäftsführerin vom Mieterverein. Er kann sich das Geld aber, wenn der Mieter verantwortlich ist, wieder zurückholen. Das ist dann oft eine Streitfrage mit Gutachten auf beiden Seiten, die vor dem Gericht landet.

Ein Streitobjekt, das den Mieterverein seit Jahren beschäftigt, steht in einem Dorf bei Lübz. Es handelt sich um ein Einfamilienhaus, bei dem es in den vergangenen Jahren bereits fünf Fälle gab, in denen sich der Vermieter mit immer wieder neuen Mietern über Probleme mit dem Schimmel stritt, so Möller-Federau. Teilweise sei der Schimmel halb hoch an der Wand gewesen, erklärt die Geschäftsführerin. „Jetzt geht der dritte Fall vor Gericht.“ Bisher habe es zweimal Vergleiche gegeben – das heißt sowohl Mieter auch als Vermieter übernahmen einen Teil des Schadens.

Ein Extremfall, so der Mieterverein. Was allerdings oft vorkommt: Viele private Mieter wissen nicht, wie sie mit der Mietminderung umgehen und manche wollen die Beschwerdeführer los werden. Ein Vermieter habe erklärt, er möchte nur fröhliche Mieter. Und Nachbarn hätten sich auch nicht beschwert. „Die Kündigung war natürlich unwirksam“, so die Geschäftsführerin. Letztlich seien die Mieter aber doch ausgezogen.

Aber auch das gibt es: Beleidigte Vermieter. Möller-Federau berichtet von einem Fall, als Fliesen hoch kamen. Die Vermieterin erklärte, sie sei doch schließlich nicht daran schuld. Sie fand es ungerecht, dass sie zum einen für die Reparatur des Schadens aufkommen muss und dann noch zeitweise weniger Miete erhielt. Aber so sei das gesetzlich geregelt, erklärt Möller-Federau. Im Idealfall einigen sich Mieter und Vermieter selbst über eine Mietminderung, bis der Schaden behoben ist.


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