Parchim : Schimmel-Alarm in der Wohnung

Schimmel am Fenster. Dieses Bild machte ein Parchimer Mieter .
1 von 2

Schimmel am Fenster. Dieses Bild machte ein Parchimer Mieter .

Mieter aus Parchim befürchtet gesundheitliche Probleme. Vermieter sieht Problem im unzureichenden Heizen

von
26. Januar 2016, 07:30 Uhr

„Ich hab soviel Schimmel, das geht gar nicht“, sagt ein junger Mieter von Parchimer Westring. Und der Vermieter mache nichts. In dem Wohnblock würden noch mehr Menschen damit Probleme haben, so der Parchimer.

Laut Vermieter, der Wohnungsbau GmbH Parchim (Wobau), betrifft das Schimmel-Problem in diesem Gebäude Westring 24-29 nur zwei von 54 Mietern. Die Wobau sieht in diesem Fall die Ursache in einem nicht ausreichenden „Heiz/Lüftungsverhalten“. Sie gibt also dem Mieter selbst die Schuld.

Er lüfte regelmäßig, erklärt der junge Mann. Dennoch habe sich nicht zum ersten Mal Schimmel gebildet. Der Vermieter hatte zwischenzeitlich im Dezember eine Schimmel-Bekämpfung im Bad veranlasst. Dennoch seien wieder Pilze gewachsen. Der Mann zeigt zum Beweis Bilder aus dem Schlafzimmer. Seine Mutter erklärt, sie fürchte um die Gesundheit ihres Sohns. Der Vermieter hatte ein Hygrometer zur Feuchtigkeitsmessung übergeben. Doch das gab der junge Parchimer schnell wieder zurück. Schon fünf Minuten, nachdem er gelüftet hatte, piepte das Gerät wieder und signalisierte ihm, er solle erneut das Fenster aufmachen, berichtet der Parchimer.

Das zeigt, dass die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist in dem Raum, erklärt Wobau-Chefin Gerda Behrend. In dem speziellen Fall des Parchimers sieht das Wohnungsunternehmen als Grund für den Schimmel, dass der betroffene Raum entsprechend der intensiven Nutzung nicht ausreichend geheizt wird, so dass die Oberflächentemperatur zu stark absinkt und die Luftfeuchtigkeit an den kalten Wänden kondensiert. Es sei notwendig, eine konstante Raumtemperatur von 20 Grad zu gewährleisten, rät die Wobau dem Mieter.

Ein Schimmel-Problem trete im Winter bei vielen Wohnungen, insbesondere auch in der Altstadt, auf, sagt Gerda Behrend. Weil das Heizen teuer ist, wird die Temperatur hinunter gedreht.

Die Wobau verweist auf ein Gutachten des Parchimer Bausachverständigen Dipl. Ing. Fritz Fromm. Schimmelpilzbefall tritt demnach dann auf, wenn Pilzsporen, die sich ohnehin in der Atmosphäre befinden, zu keimen beginnen. Dafür brauchen sie Nährstoffe und ausreichend Feuchtigkeit. Organisches Material befinde sich in den Häusern in mannigfaltiger Form – u.a. Holz, Tapeten, Tapetenleim, Textilien, verschiedene Anstriche. Wichtig für die Aktivität der Pilze sei die Feuchtigkeit. Das Auftreten von Schimmelpilzen in Gebäuden sei ein Zeichen für eine erhöhte Feuchtigkeit. Ursachen dafür können u.a. Mängel am Bau sein. Fehlende Sperrungen, undichte Regenrinnen, Risse in der Außenfassade, eine unzureichende Wärmedämmung sind nur einige von vielen möglichen Ursachen. Als weitere kommt das Verhalten der Bewohner ins Spiel. Problematisch ist u.a. unzueichendes Lüften und Heizen oder ein unzulässiges Befeuchten von Wänden.

„Bauliche Mängel können wir definitiv ausschließen. Wenn vernünftig geheizt und gelüftet wird, dann kommt es auch nicht zu Schimmel-Bildung“, erklärt die Wobau zu besagter Wohnung am Westring. Sie geht im Fall des jungen Mannes von falschem Nutzungsverhalten als Ursache für die Schimmelpilzbildung aus.

In den Wintermonaten gebe es schon häufig auch von anderen Mietern den Hinweis auf Schimmel, erklärt das kommunale Wohnungsunternehmen. Aber in fast allen Fällen sei falsches Heizen oder Lüften die Ursache, schreibt die Wobau auf Nachfrage unserer Zeitung: „Auch wenn die Mieter das nicht einsehen.“

Der junge Parchimer denkt übrigens darüber nach, sich wegen des Schimmelbefalls eine andere Wohnung zu suchen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen