Aufbruch : Schells „Wende-Lied“ hat Parchimern Mut gemacht

Am 18. Oktober 1989 sang Herbert Schell (r.) erstmals vor rund 200 Zuhörern in der St. Marienkirche sein „Lied zur Wende“, das die Bürgerbewegung in Parchim noch lange begleitete..
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Am 18. Oktober 1989 sang Herbert Schell (r.) erstmals vor rund 200 Zuhörern in der St. Marienkirche sein „Lied zur Wende“, das die Bürgerbewegung in Parchim noch lange begleitete..

Singender Arbeiter wird im Herbst 1989 in der Eldestadt zur Symbolfigur / Nicht alle Träume haben sich erfüllt

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09. November 2014, 12:48 Uhr

„Der Text und die Melodie geht mir einfach nicht mehr aus dem Sinn“, sagt Herbert Schell, greift zur Gitarre und stimmt die erste Strophe vom legendären „Lied zur Wende“ an. „Arbeiter, Christen und Marxisten sind dabei hier mal auszumisten...“, hat der damals 40-Jährige am 18. Oktober 1989 erstmals vor rund 200 Menschen in der Parchimer St. Marienkirche gesungen. Eingeladen hatte das noch nicht zugelassene Neuen Forum. „Ich war zwar schon lange unzufrieden mit den Zuständen in der DDR, aber ein Schlüsselerlebnis brachte bei mir das Fass zum überlaufen“, erzählt er. Kurz vor dem 40. DDR-Geburtstag hatte einer seiner Kollegen im VEB Hoch- und Tiefbau mit dem Fluch „Die Partei muss weg!“ den linientreuen Chef gegen sich aufgebracht. Der wollte den aufmüpfigen Mann daraufhin sofort rausschmeißen. „Mein Kollege hatte sechs Kinder. Da wollte ich ihm zur Seite stehen“, erinnert sich Herbert Schell noch sehr genau. Sein Protest hatte Erfolg. Kurz danach ging ihm bei einer Autofahrt die Idee durch den Kopf, ein Protestlied zu schreiben. Das Gitarrenspielen hatte er sich schon im Alter von 15 Jahren als Fan der Beatles selbst beigebracht. „Mir kam die französische Marseillaise in den Sinn und die Textzeilen kamen wie aus der Pistole. Ich habe mir einfach die Seele frei geschrieben.“

In den Herbsttagen 1989 hat Herbert Schell den Kirchenmann Wolfgang von Rechenberg kennen gelernt. Er ermutigte Herbert Schell sein Lied– wie der 1976 ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann – öffentlich zu machen.

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