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Parchimer entdeckt Zeitungen aus den 30er Jahren : Schätze schlummern unter der Tapete

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Da staunt er nicht schlecht: Bei Renovierungen an seinem Haus entdeckt der Parchimer Gerd Staeck Zeitungen aus den 1930er Jahren und geht auf historische Spurensuche.

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erstellt am 08.Feb.2013 | 10:41 Uhr

Parchim | Es ist der Sommer 1996, als Gerd Staeck gemeinsam mit seiner Frau Gudrun an seinem 1826 erbauten Stadthaus auf dem Alten Markt 9 Renovierungsarbeiten durchführen will. Dabei muss dem Umbau des Ehepaares auch eine alte Durchgangstür vom Flur zum Schlafbereich weichen. Bei den Abrissarbeiten entdecken sie ein altes Oberlicht über der Tür, das durch einen Jute-Stoff abgehangen wurde - vermutlich, um den Schlafbereich zu verdunkeln. Hierzu hatten die früheren Hausbesitzer den Stoff zusätzlich mit Kleister und Zeitungsbögen abgedichtet, um das Fenster anschließend unter der Tapete verschwinden zu lassen.

Gerd Staeck staunt nicht schlecht, als er, auf den ältesten Zeitungsresten, das Datum 11. August 1928 entdeckt. "Die Zeitungen waren noch gut erhalten - wahrscheinlich hat sie der derbe Stoff vor äußeren Einflüssen geschützt. Zumindest war mir klar, dass ich dieses Stück Geschichte nicht wegwerfen würde", erklärt er. Heute, fast 17 Jahre später, lagern die Fundstücke in einem alten Lederkoffer und sie sind nicht die einzigen historischen Stücke in der Sammlung des Parchimers. Seit der 775-Jahrfeier Parchims im Jahr 2001 hat er seine Liebe zur Geschichte entdeckt.

"Damals wurden alle Parchimer dazu aufgerufen historische Dokumente und Fotos zusammenzutragen. Da begann ich zur Geschichte unseres Wohn- und Geschäfts-Hauses zu recherchieren - im Museum und im Bauamt bin ich schließlich fündig geworden. Der erste Besitzer war beispielsweise ein Goldschmied namens Johann Heinrich Michael, der das Haus 1826 baute und 1829 bezog", berichtet der Hobby-Historiker, der gemeinsam mit seiner Frau Gudrun ein Geschäft für Elektro- und Haushaltsgroßgeräte betreibt.

Eine weitere Passion des Sammlers gilt alten Radios und Grammophonen, die er liebevoll eigenhändig restauriert und sogar wieder gängig macht. "Ich habe bestimmt schon über zwanzig dieser Geräte - sie faszinieren mich einfach", sagt er. Einige habe er ersteigert, aber die meisten bekomme er von langjährigen Kunden, die um seine Sammelleidenschaft wissen.

Wieviel ihm die Stücke bedeuten, sieht man im Umgang mit den historischen Geräten. Vorsichtig hebt er das, in den 1930er Jahren hergestellte Grammophon mit dem großen goldfarbenen Schalltrichter aus dem Regal und wechselt die kleine Nadel, noch bevor er die schwarze Schellackplatte auflegt - die Nadel müsse nach dem zweiten Abspielen ausgetauscht werden, sonst zerkratze die Platte, so Gerd Staeck. Ein Knistern erfüllt schließlich das Geschäft auf dem Alten Markt und aus dem glänzenden Trichter dringt der Klang von Agustín Laras "Granada" - ein weiteres Stück Geschichte.

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