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Offen für die Ganze Welt : Sambaklänge im Drenkower Wald

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Internationales Jugendprojekt baut symbolträchtiges WeltwärtsHaus im Wald hinter dem SiebenGiebelHof / Feldsteinfundament gelegt

Seine Grundsteine – mitgebracht aus aller Welt und multikonfessionell „gesegnet“ – liegen schon seit drei Jahren an Ort und Stelle. Nun endlich soll das so genannte WeltwärtsHaus nach dem Motto „Gemeinsam denken und lokal handeln“ Gestalt annehmen. Die Bio-Bauernfamilie Sabine Wohlfahrt, Jörg Grigat, die gemeinsamen Kinder Antonie und Imrick sowie ihre Mitstreiter vom bekannten SiebenGiebelHof erwarteten Dutzende Helfer aus nah und fern, um am Wochenende die Gruben für ein Fundament aus Feldsteinen auszuheben.

Die relativ lange Zeit zwischen Grundsteinlegung und Baustart erklärt Jörg Grigat als letztlich sehr fruchtbare „Reifezeit“ für die Unterstützung u.a. durch das Land MV, den Landkreis Ludwigslust-Parchim, die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung, sowie die Stiftung „Nord-Süd-Brücke“, Treuhandstelle Hamburg und schließlich den Aufbruch in ein noch weit anspruchsvolleres Zukunftsprojekt – einen Lehrpfad nämlich.

Wo? Im Wald hinter dem SiebenGiebelHof, einem weitestgehend naturbelassenen Buchenmischwald auf dem insgesamt 90 Hektar großen, Demeter zertifizierten Landhof. Hier blieb nach dem Willen seiner Besitzer bislang eine Nutzung auf Brennholzsammeln und gelegentliche Workshops etwa für Baumkletterer beschränkt.

Der urwüchsig anmutende Charme des kleinen Areals mit seiner inzwischen hier nahezu einzigartigen Vielfalt an pflanzlichem und tierischem Wild-Leben habe laut Grigat alle möglichen Ideen der Nachhaltigkeit inspiriert. Eine davon sei eben das symbolträchtige WeltwärtsHaus, welches jetzt als Schutzhütte ohne Aufenthaltsraum entstehen soll, und zwar ausschließlich aus natürlichen Materialien - am Liebsten gleich hier gewachsen.

Auf 3 Meter Länge gesägte, rohe Robinienstämme mit Gabelung liegen schon als künftig tragende Pfosten bereit. Auch die notwendige Grundfläche wurde bereits ermittelt, verrät Jörg Grigat. Mit der ganzen Familie, Freunden, Stammkunden und dem achtköpfigen Team des SiebenGiebelHofs war es ein Leichtes, die Kapazität von 30 Personen darzustellen, welche unter dem geplanten Holzschindeldach aus Eichen- und Birkenrinde Platz finden sollen. „Das wird quasi unser grünes Klassenzimmer, welches der jeweiligen Gruppe das Gefühl gemeinsamen Suchens und Handelns näher bringt.“

Die an ein Mandala (indisches Kreismuster) erinnernde Sechseck-Konstruktion – hier mit Kantenlängen von je 4 Metern – hat sich laut Aussagen der Planer schon weltweit bestens bewährt. Gestandene Handwerker aus der Prignitz, wie der Bildhauer und Tischler Jost Löber und der Lehmbau-Praktiker Michael Fritsch begleiten den Entstehungsprozess.

In Drenkow passiert die Vollendung des weltwärts in alle Himmelsrichtungen offenen Hauses nach dem Setzenlassen der Fundamente (was ohnehin seine Zeit braucht) schließlich im Sommer zwischen dem 23. Juni und 12. Juli. In dieser Spanne erwartet der SiebenGiebelHof nämlich Gäste, darunter acht Jugendliche aus Brasilien – dem südamerikanischen Land, in dem Sabine Wohlfahrt, Jörg Grigat und ihre beiden Sprösslinge Antonie und Imrick zwischen 1998 und 2001 lebten und u.a. eine deutsch-brasilianische „Kulturwoche“ ins Leben gerufen hatten, die mit über 6000 Teilnehmern praktisch zum Selbstläufer geworden und nach zehn erfolgreichen Jahren mit „über den großen Teich“ (Atlantik) nach Deutschland gekommen ist.

Den Drenkower Kuhstall des SiebenGiebelHofs schmücken noch immer Grafitti des Austausch-Projekts von 2011 in Portugiesisch, der Sprache der jungen Brasilianer, welche sich mit ihren deutschen Altersgefährten problemlos verständigten, weil man in ihrer Heimat sowieso meist „mit Händen und Füßen spricht“. Chady Seubert, die hiesige Projektleiterin, sieht daher auch ganz gelassen ihrem portugiesisch-sprachigen Umwelttheaterstück entgegen, welches sie im Sommer in gemischter Besetzung zur Tournee-Reife führen möchte.

Das zweite Workshop-Modul vermittelt interessierten Jugendlichen unter den Stichworten „Agroforst & Permakultur“ Selbsterfahrung in punkto nachhaltiger Landwirtschaft. Ein drittes Team werde unter kundiger Anleitung des Dokumentarfilmers Drago Hari alles auf Video verewigen, kündigt Jörg Grigat an und freut sich schon sichtlich auf das Abschlussfestival, bei dem das dann fertige „WeltwärtsHaus“ feierlich eingeweiht wird, und zwar mit zünftiger Sambamusik.

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