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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 02:59 Uhr

Parchim : Sagenhafter Vortrag mit Räuber

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Heimatforscher Burghard Keuthe erzählte bei der Parchimer Nachwuchsakademie PaNAk Wissenswertes über regionale Sagen

„Sagenhaft“ fand Parchims Vorzeige-Räuber Vieting den Vortrag bei der Parchimer Nachwuchsakademie (Panak). Das Urgestein war eigens zur allerletzten Vorlesung im Herbstsemester der Akademie eingeladen worden, die erstmals in der Aula der Reuterschule stattfand. Mit dem Thema „Hexen, Steine und Barone“ schlug dort Burghard Keuthe als Referent das junge Publikum gekonnt in seinen Bann. „Die Sage vom Räuber Vieting wurde 1682 aufgeschrieben“, wusste Keuthe.

Lange bevor der Buchdruck erfunden war, gab es bereits die Sagen. Mündlich wurden sie von Generation zu Generation überliefert. In der Fortsetzung von Märchen erweckten sie einen höherwertigen Anschein von Wirklichkeit. Götter-, Helden-, Volkssagen durchwirkten den Lebensalltag. Keuthe gilt als profunder Kenner dieser Welt, hat er doch gleich drei Buchbände mit rund 1200 Sagen aus dem Altkreis Parchim veröffentlicht. Keuthe trug allerdings keine dieser Sagen vor, sondern berichtet über deren Wahrheitsgehalt.

Von der roten Ilse aus Parchim hatte er in Erfahrung gebracht, dass sie an Bord eines Fischerbootes die Elde überquerte, niemals ein Stadttor passierte und deshalb ins Gerede geriet. In der so genannten Dagekuhle in der Nähe des Vietingbergs soll sie heimlich gehext ind sich dabei in einen dreibeinigen Hasen verwandelt haben. In einem Rostocker Archiv fand Keuthe Aktenvermerke, in der die Existenz einer gewissen Ilse Quade bestätigt wurde. Sie wurde 1607 auf dem Parchimer Gerichtsplatz an der Ecke Buchholz-Allee/Südring hingerichtet. Auch die Mutter Hanksch endete als Hexe. Sie wohnte am Alten Markt unweit des Wockertors, wurde in den Fangelturm am Fischerdamm eingesperrt und soll ertränkt worden sein.

Auch die Dargelützer Windmühle soll ein verwunschener Ort gewesen sein. Dort soll ein Müllergeselle in einem mit Holzkohle gezogenen Kreis nachts auf die Mühlenhexe gewartet haben. Als eine Katze den Kreis betreten wollte, schlug ihr der Geselle eine Vorderpfote ab. Am frühen Morgen wurde die Müllersgattin todkrank in ihrem Bett aufgefunden – mit nur einer Hand. Keuthes Nachforschungen ergaben, dass es die Mühle tatsächlich bis 1861 gab.

Die Sage von den Stresendorfer Glocken hatte 1911 erstmals der Heimatforscher Johann Gosselck aufgeschrieben. Die Glocken waren angeblich auf freiem Feld gefunden worden. Ein Pferdegespann sollte sie nach Herzfeld bringen, kam aber nicht voran, weil der Kutscher fluchte. Stattdessen kamen die gottesfürchtigen Stresendorfer zum Zug. Der Glockenturm wurde in einer derartigen Eile errichtet, dass er schief geriet. Der konkrete Bezug zu tatsächlichen Bauten und Familiennamen machte den Vortrag lebendig und authentisch. Auch die so genannten Brautsteine in Barkow, Frauenmark, Wulfsahl, Meiersdorf oder Karrenzin waren vielen Kindern bekannt. Sie bedankten sich bei Burghard Keuthe mit lautstarker Beifall, Panak-Initiator Professor Bernd Klausch mit einem Referenten-Taler. 



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