Parchim : Rund um die Uhr auf der Wache

Notfallsanitäter Maximilian Krey im Rettungswagen in Parchim.
Notfallsanitäter Maximilian Krey im Rettungswagen in Parchim.

Ob Fest- oder Wochentage – Mitarbeiter auf den Rettungswachen haben immer Dienst. Maximilian Krey ist einer von ihnen.

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26. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Urlaub unterm Tannenbaum! Ganze Betriebe machen dicht. Viele Menschen genießen über die Feiertage sowie zwischen Heiligabend und Neujahr ihre freie Zeit. Für andere ist Weihnachten ein Arbeitstag wie jeder andere. Dazu gehören die Besatzungen auf den Rettungswagen.

Einer von den Rettern heißt Maximilian Krey. Von Heiligabend am Morgen übernahm er einen 24-Stunden-Dienst in der Rettungswache in Parchim. Er wollte ungern am 24. Dezember zuhause sitzen, wenn stattdessen ein Familienvater im Einsatz wäre, erzählt der 22-jährige Parchimer. Und er hofft, dass dann, wenn er einmal Kinder hat, sich auch junge Leute finden, die an diesem Tag einspringen. Deshalb hatte er sich freiwillig für den Feiertagsdienst eingetragen.

24 Stunden zu Weihnachten auf der Rettungswache. Die Kollegen machen es sich hier alle Jahre wieder so heimelig wie möglich – mit Tannenbaum und oft auch mit Bescherung. Begonnen wurde der Tag mit einem Frühstück in großer Runde - mit der alten und der neuen Besatzung der Rettungswache. „Insgesamt hatten wir sechs Einsätze, davon drei in der Nacht“, berichtet Maximilian Krey. „Von Kreislaufproblemen bis zu einem relativ schweren Unfall war alles vertreten.“ Bis auf die Besonderheit, dass es Heiligabend war, ein normaler Dienst, sagt der Parchimer. „Zum Mittag gab es Bratkartoffeln mit Schnitzel, ansonsten viele Süßigkeiten – wie es sich für Weihnachten gehört!“

Maximilian Krey ist einer von vielen, die über die Feiertage unterwegs waren, um Menschen in Not zu retten. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim gibt es vier Wachbereiche, die von DRK, ASB und einem Eigenbetrieb des Kreises besetzt werden. Allein im Wachbereich Parchim sind rund um die Uhr zehn Mitarbeiter des DRK Kreisverbandes im Dienst, erklärt Leiter Sylvio Kelm: Jeweils zwei sind es in den Rettungswachen in Parchim, Groß Godems, Lübz und Plau, jeweils einer kommt hinzu als Fahrer der Notarztwagen, die an den Krankenhäusern in Parchim und Plau am See stationiert sind.

Der Notruf läuft in der Leitstelle in Schwerin auf. Die dortigen Kollegen entscheiden, welcher Rettungswagen wohin fährt. Dabei wird die schnellste Hilfe geordert. Die Parchimer Rettungswache, die im Durchschnitt dieses Jahres sechsmal innerhalb von 24 Stunden ausgerückt ist, versorgt vor allem die Kreisstadt und Dörfer in der Umgebung.

Wenn er früh zur Arbeit geht, weiß er nicht, was ihn erwartet, erzählt Maximilian Krey. Doch gerade diese täglich wechselnden Aufgaben machen für ihn auch den Reiz der Tätigkeit des Notfallsanitäters aus. Man sollte den Drang haben, dass man Menschen helfen will, sieht er als eine Voraussetzung für diesen Beruf.

Die Helfer auf den Rettungswagen kommen immer wieder mit dramatischen Situationen in Berührung – im Spannungsfeld zwischen Leben und Tod. Jeder habe seine Art, damit fertig zu werden, sagt Krey. Allein im stillen Kämmerlein ist das für ihn nicht möglich. Wichtig sei der Verbund mit den Kollegen, darüber zu sprechen, wenn man von einem schweren Einsatz kommt. Nach der Ablösung am frühen Morgen sitzt die alte Crew noch bei einer Tasse Kaffee mit der neuen Schicht zusammen. Dann werde ganz offen erzählt, was man erlebt hat. Egal wie man sich sonst mit den Kollegen versteht. „In der Situation sind wir uns alle nah“, so Krey. Besonders betroffen ist der junge Notfallsanitäter, wenn er an die Menschen denkt, denen er nicht helfen kann – den Angehörigen. Beispielsweise, wenn ein Familienvater mit dem Auto gegen eine Baum fährt und Frau und Kinder hinterlässt. Oder wenn eine ältere Dame, die sehr lange mit ihrem Mann zusammengelebt hat, plötzlich alleine dasteht. „Da stehen oft große Schicksale dahinter“, sagt Maximilian Krey.

Es gibt aber auch sehr schöne Situationen. Der allerschönste Moment in seinem bisherigen Berufsleben ist erst wenige Monate her. Ein Mann mittleren Alters hatte Herz-Kreislauf-Stillstand, eine Nachbarin sofort Erste Hilfe geleistet. „Wir haben sie abgelöst. Wir haben den Patienten wiederbekommen“, berichtet Krey. Der Mann kam ins Krankenhaus.

Wenige Wochen später stand er mit seinem Sohn, einem Päckchen Kaffee und einer Dankeschönkarte vor der Tür der Rettungswache. Er bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn er daran zurückdenkt, sagt Maximilian Krey. Hier klappte in der Rettungskette alles wie am Schnürchen. Leider komme es nicht oft vor, dass Leute Erste Hilfe leisten. Dabei könne jeder selbst in eine Notsituation kommen. Jeder habe die Pflicht zu helfen, sagt der junge Mann aus der Rettungswache. „Nichts zu machen ist das Schlimmste.“


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