Verkehr : „Rufbus-System hat es schwer ohne attraktives Verkehrsnetz“

In anderen Regionen  wird das Rufbus-System praktiziert. Unterschiedlich erfolgreich.
In anderen Regionen wird das Rufbus-System praktiziert. Unterschiedlich erfolgreich.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller mischt sich in die Diskussion um Verkehrsmittel ein.

von
18. Januar 2016, 08:00 Uhr

„Der Rufbus kann die Südbahn nicht ersetzen und ist nur ein schwaches Trostpflaster“, betont CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller im gestrigen Gespräch mit der SVZ ganz deutlich. Waldmüller mischt sich damit in die Diskussion um Vor- und Nachteile des Rufbusses als Südbahn-Ersatz ein (wir berichteten).

Die Südbahn habe bislang Regionen verbunden und war eine tatsächliche Komponente für die gewünschte vernetzte Mobilität in unserem Landkreis, was besonders für unsere Pendler und auch den Tourismus von großer Bedeutung sei. Waldmüller: „Der Rufbus dagegen ist eher ein Mittel, um beispielsweise unsere älteren Bürger ohne Auto vor der Haustür abzuholen und dem normalen Linienverkehr und damit dem Hausarzt ein Stück näher zu bringen.“

Ihn und seine Fraktion schmerzt es noch sehr, dass SPD und Linke auf dem jüngsten Kreistag mit ihrem Antrag die rote Laterne für die Südbahn ausgeknipst hätten. Die Einbindung von Plau am See sei eine gute Lösung, die allerdings längst notwendig gewesen wäre, um von einem vernetzten Verkehr sprechen zu können. Der CDU-Fraktionschef plädiert für ein Dreiergespann: „Die Kombination von Bus, Bahn mit Rufbussystem ist die Variante, die ein nutzenorientiertes Angebot darstellt und den Bürgern und Touristen eine Alternative zum Auto bietet, aber vor allen Dingen das Angebot im ländlichem Raum stärkt. Wir müssen nicht von Lösungen gegen Demographie reden, wenn wir Strukturen abbauen.“ Natürlich wolle auch die CDU die Kreisumlage nicht über Gebühr strapazieren. Doch entstehe der Eindruck, dass man gar nicht nach möglichen Spielräumen im Haushalt suchen wollte. Waldmüller: „Warum sonst wurden zahlreiche Einsparvorschläge unserer Fraktion rigoros abgebügelt, ohne auch nur im Ansatz darüber sachlich zu diskutieren? Wir als CDU haben den Landrat zudem aufgefordert, sich beim Minister für ein integriertes Verkehrspilotprojekt Bus-Bahn-Rufbus in der Region Parchim bis Karow/Plau am See und damit den Erhalt der Schiene für zunächst zwei Jahre einzusetzen und um die entsprechende zusätzliche Finanzausstattung zu bitten. Der Bus allein ist für uns kein Kompromiss.“

Alles habe seinen Preis, auch der Rufbus. Ohne ein entsprechendes Verkehrsnetz werde er es schwer haben, ein attraktives Angebot zu leisten, ohne auf eine dauerhafte Unterstützung des Kreishaushalts angewiesen zu sein.

Die Grundidee: Der Rufbus fährt tatsächlich nur dann, wenn er gewünscht wird. Der Fahrer aber müsse natürlich trotzdem bezahlt werden. Ob es nun alle paar hundert Meter feste Haltestellen gebe oder der Fahrgast direkt an der eigenen Haustür abgeholt werde, ob der Rufbus auch vor 8.30 Uhr und bis nach 20 Uhr zum Einsatz kommen könnte, ob Kindergarten- und Schulkinder ihn nutzen und auch Berufstätige darauf zurückgreifen könnten – letztlich sei alles eine Frage des Geldes, wie auch bei der Südbahn, so der Fraktionsvorsitzende.

Weiter: „Wir werden uns außerdem entscheiden müssen, ob wir jenseits von Parchim und Ludwigslust abgelegene Region sein wollen, die lediglich per Rufbus grundversorgt wird oder aber der gesamte Landkreis eine tatsächliche Vernetzung bis in die Metropolregion hinein erfährt.“

Für ihn und seine Fraktion lohne es sich immer noch und wieder über den vollständigen Streckenerhalt zu diskutieren, gerne auch kontrovers – dafür sei der Kreistag genau der richtige Ort.

Landrat Rolf Christiansen (SPD) hatte zuletzt in der Rufbus-Diskussion gesagt: „Die Bahn ist Landessache. Ich habe immer betont, dass Kreisengagement auch Kreisgeld erfordert. Aber die große Mehrheit im Kreistag war nicht bereit, notwendige Summen einzuplanen. Zuletzt hat der Kreistag im Dezember 2015 mit großer Mehrheit für den Start des Modellprojekts gestimmt.“ Der Rufbus sei ein Beispiel dafür, wie in abgelegene Regionen ohne Bahnanschluss die Grundversorgung der Menschen ohne Auto kostengünstig verbessert werden könne.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen