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Paukenschlag zum Jahresstart : Rückendeckung für (Geistes)-Blitz

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Vorschlag des Bürgermeisters in aller Munde / Verkehrsberuhigung bleibt ein wichtiges Thema / Kritiker befürchten „Abzocke“

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 15:34 Uhr

Der Vorschlag von Bürgermeister Bernd Rolly (SPD), in der Langen Straße womöglich einen stationären Blitzer zu installieren, ist in der Kreisstadt der Paukenschlag an der Schwelle zum neuen Jahr. Nur wenige Tage, nachdem die Stadtvertreter die Umwidmung der früheren Fußgängerzone in einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mehrheitlich beschlossen haben (wir berichteten), gibt es damit aus der Stadtverwaltung ein deutliches Signal, dass die mit der Wiederbelebung der Straße einhergehenden Probleme ohne Zeitverzug angepackt werden sollen. Bernd Rolly hat schließlich erst kürzlich zugesichert: „Die Lange Straße bleibt im Fokus“.

Mit dem neuen Jahr hat sich in diesem Bereich der Altstadt wenig geändert. Wer sich beispielsweise gestern Morgen ein Bild von der Situation im „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ machte, wurde mit den alltäglichen Realitäten konfrontiert. Die Verkehrsströme halten sich in Grenzen. Nur wenige Radfahrer, Fußgänger und Fahrzeuge sind unterwegs. Doch auch die Probleme sind nicht zu übersehen. Kaum zu glauben, aber wahr, selbst ein Taxi fährt vom Neuen Markt kommend trotz des übergroßen Verkehrsschildes „Verbot der Einfahrt“ in die Einbahnstraße. Minuten später nährt sich ein Pkw – zwar in richtiger Fahrtrichtung, aber schneller als mit den erlaubten 20 km/h – dem Neuen Markt. Eine Radfahrerin weicht – wohl sicherheitshalber – auf den Fußweg aus. Das verärgert einen älteren Herrn, der kopfschüttelnd der Frau hinterher schaut...

Die Momentaufnahme stellt eins klar: Bei aller Freude über die Befahrbarkeit der Straße, ist das Gefahrenpotenzial weiterhin groß. Cordula Hohmann, die in der Langen Straße eine Werbeagentur betreibt und sich seit Jahren für die Verkehrsöffnung eingesetzt hat, ist schon länger besorgt. „Hier fahren viele längst wieder zu schnell. Da bleiben Schikanen und die vielfach geforderte nächtliche Schließung der Straße ein Dauerthema“, hat sie sich gegenüber unserer Redaktion geäußert. Und die Geschäftsleute bekommen deutliche Rückendeckung auch vom federführenden Wirtschaftsausschuss in der Stadtvertretung. „Eine Verkehrsberuhigung ist in der Langen Straße ebenso notwendig wie der Einbau von Schikanen und regelmäßige Kontrollen“, so Ausschussvorsitzender Nico Skiba.

Nachdem der Chef des örtlichen Polizeihauptreviers Waldemar Skrocki wiederholt kritisiert hat, dass mit den Verkehrsproblemen in der Langen Straße lange Zeit „lax“ umgegangen worden sei und einige die Sache durch die „rosa-rote Brille“ betrachtet haben, kann er der neuen Idee des Bürgermeister Gutes abgewinnen. „Endlich werden die Probleme angepackt. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, die Einhaltung der Verkehrsregeln mit einem stationären Blitzer zu unterstützen“, sagt er. Die massiven Verkehrskontrollen, die von Geschäftsleuten und Bürgern gefordert worden waren, hatten vorübergehend durchaus zu einer Beruhigung der Verkehrsströme geführt. Der Polizeichef hat aber auch mehrfach betont, dass eine Dauerpräsenz seiner Beamten schon aufgrund der personellen Möglichkeiten illusorisch wäre.

Auf wenig Gegenliebe stößt der (Geistes)-Blitz des Bürgermeisters dagegen bei vielen Parchimern. „Ein Blitzer in der Einkaufsstraße ist totaler Käse. Da kann man doch in der Putlitzer Straße deutlich mehr Kohle machen“, schreibt Heidi Maaß im Facebook-Forum. „Das Geld sollte lieber investiert werden, um die Stadt zu beleben. Das Autos durch die Stadt fahren, bringt eh nix“, meint Alex Proft. In der Tat dürfte ein mobiler Blitzer einige zehntausend Euro kosten. Uwe Golleck gibt zu bedenken: „Abzocke ist das doch nur für die Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Wo ist das Problem?“. Anna Wahl erinnert sich: „Früher konnte man hier von 8 bis 10 und von 18 bis 20 Uhr fahren. Das war doch top“. André Ahrens plädiert für Schikanen. „Die wären sinnvoller. Hinterm Blitzer wird ohnehin wieder Vollgas gegeben“, meint der Geschäftsmann.

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