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Parchimer Zeitung

20. November 2017 | 18:34 Uhr

Grosses Kino : Riesendank an Parchimer Freunde

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Film „Notaufnahme – Wenn Fremde sich näher kommen“ im MovieStar gezeigt

Filmreife Szene zum Flüchtlingsfilm: Spontan dankt der 11-jährige Syrer Twana nach der Vorführung seinen Parchimer Mitschülern für die freundliche Aufnahme.

September 2015: Das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Horst ist hoffnungslos überfüllt. In der Gemeinde Zahrensdorf bei Boizenburg richtet der Landkreis deshalb ein Notaufnahmelager ein. Im Eiltempo wird eine Turnhalle mit Feldbetten bestückt. Dann kommt der erste Bus. 56 Flüchtlinge bringt er mit, hauptsächlich aus Pakistan, Afghanistan, Eritrea, Syrien.

Regisseur Dieter Schumann fackelt nicht lange: Seinen Kameramann Michael Kockot lässt er von der ersten Stunde an Bilder einfangen, die große Aussagekraft in sich tragen. „Notaufnahme – Wenn Fremde sich näher kommen“, heißt sein Film, der am Donnerstag im Parchimer MovieStar aufgeführt wurde. Vor laufender Kamera räumt Landrat Rolf Christiansen ein, dass er die Gemeinde erst spät informieren ließ. Bürgermeister, Stellvertreter, Feuerwehr und die Pastorin lamentieren aber nicht groß, sondern sind von Beginn an dabei, als die Zahrensdorfer zupacken und helfen. Sie lernen die Flüchtlinge als Menschen in Not kennen. „Ich hätte nichts gegen eine syrische Familie als neue Nachbarn“, sagt der Bürgermeister. Szenenbeifall brandet auf.

Alexander kommt zu Wort, der Tischler, der mit Frau und sieben Kindern aus der Ukraine geflohen ist, weil er zum Armeedienst eingezogen werden sollte. „Unsere Heimat hat uns verlassen“, klagt er. Eine traumatisierte Familie aus Tschetschenien wagte die Flucht zum zweiten Mal. In einfühlsamen Gesprächen kommt Regisseur Schumann den Flüchtlingen sehr nahe, ohne sie zu entblößen. Im Filmpublikum macht sich spürbar Beklemmung breit, als Syrer in dem Dokumentarfilm über die Rolle von Präsident Assad in heftigen Streit geraten und sich anschreien.

Wer nicht zu Wort kommt, sind die Gegner der Flüchtlingspolitik. „Sie wollten sich nicht vor der Kamera äußern“, erklärt Regisseur Schumann und weiß: „Es herrschen viele Ängste und Vorurteile.“ Das habe er mit seinem Film abbauen wollen.

Die Klasse 6 b der Parchimer Reuterschule hat mit Flüchtlingen überhaupt kein Problem. Seit über einem Jahr ist dort Twana (11) als Mitschüler integriert. Er schnappt sich an diesem Abend kurzerhand das Mikrofon und bedankt sich öffentlich bei seinen Klassenkameraden. Twana hofft, seinen Vater wiederzusehen, der immer noch in Syrien ist.

Der syrische Flüchtling Moha – den unsere Zeitung bereits seit September vergangenen Jahres begleitet – ist einer der Protagonisten in Schumanns Film. Danach brachte er seine und die Zukunftspläne seiner Landsleute auf den Punkt: „Die deutsche Sprache lernen, Ausbildung machen oder Studium beenden und in Deutschland arbeiten.“ Dazu bedürfe es ausreichender Integrations- und Sprachkurse. „Und die Anerkennungsverfahren müssten deutlich kürzer sein als jetzt.“ Im Landkreis leben mit Stand gestern 1396 Asylbewerber, davon 1063 dezentral in Wohnungen, 333 in den Gemeinschaftsunterkünften.

 




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