Parchim : Rendezvous mit neuen Jobs

Firmen stellten sich vor: Auch Hydraulik Nord in Parchim sucht Fachkräfte
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Firmen stellten sich vor: Auch Hydraulik Nord in Parchim sucht Fachkräfte

Aktionstag Arbeit erstmals in der Kreisstadt Parchim: Mobilität ist das große Problem für Firmen und Beschäftigte

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16. April 2018, 05:00 Uhr

Erstmals hatten die Agentur für Arbeit und das Jobcenter des Landkreises nach dreimal Wittenburg die Kreisstadt als Veranstaltungsort für den „Aktionstag Arbeit“ ausgesucht. Die Belohnung: Mehr als tausend Arbeitssuchende nahmen die Gelegenheit wahr, sich in der Stadthalle direkt bei 42 Unternehmen über Beschäftigungsmöglichkeiten zu informieren – von der AMC AG bis zur Personalgesellschaft Wullweber.

Die Arbeitgeber in der Region werden vom Team um Veronika Sohra betreut. „Die Arbeitslosigkeit im Landkreis liegt mit gerade einmal 6,2 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit der Wende“, ließ sie wissen. „Entsprechend schwer ist es, geeignete Bewerber für die freien Arbeitsplätze zu finden.“ Ein augenscheinlicher Trend stimmte die Teamleiterin jedoch hoffnungsfroh. „Offenbar kommen zunehmend jüngere Arbeitnehmer, die ihre Ausbildung und Arbeit außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern fanden, wieder in unser Bundesland zurück.“

Die Beraterinnen rund um den großen Tisch im Foyer hatten gut zu tun. Hier konnten Stellensuchende ihre Bewerbungsschreiben prüfen lassen. Darunter auch eine Sachbearbeiterin, die (noch) in Schwerin arbeitet. Sie zieht es näher nach Parchim. Im Obergeschoss verpassten eine Friseurstube und ein Schminkservice den Arbeitssuchenden auf Wunsch ein neues Äußeres, das sogleich in einem Bewerbungsfoto festgehalten wurde.

Von diesem kostenlosen Angebot machte auch Andrea Dahlke aus Ganzlin Gebrauch. Die 48-Jährige hatte sich noch zu DDR-Zeiten als Textilfacharbeiterin ausbilden lassen. Jetzt sucht sie eine Anstellung in der Gastronomie. Ihr Handicap: „Ich habe zwar einen Führerschein, aber kein Auto.“ Inga Kinz (34) ist in Grabow zu Hause. Die diplomierte Sozialassistentin hat drei Kinder und würde gern Erzieherin werden. „Doch wie lassen sich Berufswunsch, Arbeit und Familienleben unter einen Hut bekommen?“

Über Mängel bei der Mobilität von Arbeitnehmern klagte der Fahrzeugbauer Brüggen. Zum Stammwerk in Lübtheen fährt kein Bus. „Der nächstgelegene Bahnhof ist vier Kilometer entfernt“, erzählte Ulrike Schweidt von der Personalabteilung. „Die Anbindung von Vellahn an den öffentlichen Personennahverkehr ist ähnlich schlecht.“

Landtagsmitglied Christian Brade (SPD) wusste das als arbeitspolitischer Sprecher seiner Fraktion längst, hatte er davon doch im persönlichen Gespräch erfahren. „Mindestens hundert Arbeitsplätze bleiben deshalb unbesetzt.“ Das Fahrzeugwerk erhielt immerhin vier Bewerbungsmappen. Gewerblich-technische Arbeitsuchende rennen bei Hydraulik Nord in Parchim offene Türen ein. Der Spezialist für elektrische Lenksysteme für langsam fahrende Fahrzeuge wie Gabelstapler sucht händeringend Werkzeug- und Zerspanungsmechaniker. Als Auszubildende kommen bereits gute Realschüler in Betracht. Es müsse und könne nicht jeder Schüler das Abitur und ein Studium anstreben, ließen die Berater verlauten.

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