Pflegemaßnahmen in Parchim : Rehaprogramm für die Herzogslinden

<fettakgl>Um das Schadensbild der</fettakgl> Herzogslinden genau diagnostizieren zu können, untersuchte Baumdiagnostiker Eckhard Zemke im Januar 2011  die Linden bis hinauf in die Baumkronen. Zum Einsatz kam damals auch ein Resistograph.<foto>Christiane Großmann</foto>
Um das Schadensbild der Herzogslinden genau diagnostizieren zu können, untersuchte Baumdiagnostiker Eckhard Zemke im Januar 2011 die Linden bis hinauf in die Baumkronen. Zum Einsatz kam damals auch ein Resistograph.Christiane Großmann

In den nächsten Tagen beginnt in Parchim ein umfangreiches Reha-Programm für die mehr als 200 Jahre alte Linden, die das Stadtbild nahe dem Moltkeplatz in besonderer

Weise prägen.

svz.de von
14. Januar 2013, 07:05 Uhr

Parchim | In den nächsten Tagen beginnen Mitarbeiter der Firma Jolitz &amp; Söhne aus Tempzin auf dem Alten Friedhof von Parchim, auf der Grünfläche vor der Parkanlage, an der Baumreihe vor der Polizei sowie an der Ecke Buchholzallee/Wallallee mit Baumpflegearbeiten. Das ist zugleich der Startschuss für eine längerfristig angelegte Reha-Maßnahme für die 22 Herzogslinden, die als prägend für das Stadtbild gelten. Die unter Schutz stehenden Bäume haben seit mittlerweile mehr als 200 Jahren allen Stürmen der Zeit getrotzt und sollen auch wegen ihrer historischen Bedeutung erhalten werden.

Im Rathaus folgt man dabei den Empfehlungen des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für baumgutachterliche Aufgaben Eckhard Zemke. Der Diplomingenieur aus Schwerin nahm vor zwei Jahren den Baumbestand bis hinauf in die Kronen gründlich unter die Lupe (SVZ berichtete). Ihn zog die Stadt, zuständig für die Verkehrssicherheit der grünen Lungen auf kommunalem Boden, damals hinzu, nachdem die Symptome, dass es um die Gesundheit der alten Bäume nicht mehr so gut bestellt sein könnte, immer deutlicher wurden. So fielen Anke Dittrich vom zuständigen "grünen Fachamt" bei ihren regelmäßigen Kontrollgängen immer mehr Höhlungen - Anzeichen von Pilzbefall - ins Auge. Um verlässliche Aussagen über die Restwandstärke im Stamm der Bäume und damit zur Stand- sowie Bruchsicherheit machen zu können, brachte Eckhard Zemke damals auch einen so genannten Resistographen, ein "Bohrgerät" mit integrierter Messtechnik, zum Einsatz.

Die Diagnose des Baumexperten war für die Stadt eine große Erleichterung: Eckhard Zemke konnte die Herzogslinden größtenteils als stand- und bruchsicher einstufen. Deutlich sichtbar waren Vitalitätsschwächen in den Kronen. Der Sachverständige empfahl daraufhin ein dreistufiges Rehaprogramm, das nun langfristig von der Stadt umgesetzt wird: Der erste Schritt erfolgt in wenigen Tagen vor Beginn der Vogelschutzzeit vom Frühjahr bis zum Herbst mit den Baumpflegearbeiten. Sie gehen allerdings zum Teil deutlich über das übliche Maß eines Kronenpflegeschnittes hinaus, wie das zuständige Fachamt in der Stadtverwaltung bereits im Vorfeld vorsorglich mitteilt. Zugleich verweist man im Rathaus darauf, dass die auszuführenden Maßnahmen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim abgestimmt wurden. So müssen ein Baum auf eine Höhe von zehn Metern, zwei weitere um drei bis vier Meter zurück geschnitten werden. Doch bereits im Frühjahr dürften die Linden ihr neues Blattgrün zeigen, sind sich die Fachleute sicher. Als vitalitätssteigernde Maßnahme empfiehlt der Baumsachverständige außerdem eine Flüssigdüngung während der Vegetationszeit, um den Bäumen kurzfristig Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Über einen Zeitraum von ca. fünf Jahren legt er noch eine Anreicherung der Nährstoffvorräte nahe.

Darüber hinaus gibt Eckhard Zemke der Stadt den Rat, den Standort der Herzogslinden zu verbessern, indem die geschlossene Rasenfläche aufgenommen und stattdessen eine Vegetationsfläche mit bodendeckenden Stauden angelegt wird. Bewährt habe sich zum Beispiel Pachysandra terminales (Dickmännchen). Diese Pflanze stelle mit ihren rhizomartigen Wurzeln nur eine geringe Wurzelkonkurrenz dar und gilt als "Laubschlucker". Falllaub könne z. B. auf der Pachysandrafläche verbleiben und unter den Blättern verrotten, sodass der natürliche Nährstoffkreislauf reaktiviert wird.

Die Herzogslinden wurden am 30. August 1809 in der Nähe des Alten Friedhofes von der 33er Gilde eingeweiht. Diese Bäume sollten an den am 21. Oktober 1808 erfolgten Gildebeitritt des Herzogs Friedrich Franz I. erinnern. Von den 33 damals gepflanzten Bäumen sind bis heute 22 erhalten geblieben. 1994 ließ die Stadt zwei neue Linden pflanzen. Am Ort steht auch eine kleine Tafel, die zur Geschichte der 33er Gilde informiert.

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