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Parchimer Zeitung

12. Dezember 2017 | 11:36 Uhr

Parchim : Ratten wandern durch die Stadt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

SVZ-Leserin wünscht sich stärkeres Vorgehen gegen die Schädlinge / Grundstückseigentümer sind für Bekämpfung zuständig

von
erstellt am 29.Apr.2014 | 16:07 Uhr

„Wir sind verrattet“, äußert eine Parchimerin ihre Sorgen an unserem heißen Draht. Ob am Färbergrabenweg, Auf dem Brook oder in der Bleicherstraße - vielerorts mitten in der Kreisstadt laufen ihr Ratten über den Weg. „Ich habe noch den zweiten Weltkrieg mitgemacht, so die Seniorin. „Die Viecher sind mir verhasst.“

Ratten gehören zum Parchimer Alltag. Das sei ganz normal, bestätigt eine andere Frau aus der Kreisstadt. „In der Apothekenstraße lief mir eine Ratte am helllichten Tag kurz vor dem Fahrrad über die Straße“, berichtet sie. Sorgen macht sie sich darüber nicht.

Ein weiterer Parchimer hat in seiner Nachbarschaft mitten in der Altstadt schon mehrfach beobachtet, dass Katzen Ratten als Beute vor die Tür legten. Er vermutet, dass die Schädlinge zusätzlich angezogen werden, weil manche Nachbarn ihre Küchenabfälle auf dem Kompost ablagern. Das ist gefundenes Fressen für die Ratten.

Die Parchimerin an unserem heißen Draht erinnert an die nach ihren Worten bewährte Praxis zu Vorwende-Zeiten. Damals seien Schädlingsbekämpfer von Haus zu Haus gezogen und gegen Ratten und Mäuse vorgegangen, sagt sie. Warum kann man das nicht wieder einführen?

Das ist 25 Jahre her. Damals habe der Staat für die Bekämpfung des Ungeziefers bezahlt, erklärt Sylvia Kraeplin, Hygieneingenieurin im Gesundheitsamt des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Heute müssen laut Schädlingsbekämpfungsgesetz Grundstückseigentümer oder -nutzer dafür aufkommen. Und das ist bekanntlich mit Geld verbunden. Grundstückseigentümer sind verpflichtet, bei Rattenbefällen zu handeln. Man kann eine Firma damit beauftragen oder auch selbst mit Ködern dagegen vorgehen. Wenn ganze Straßenzüge betroffen sind, ist das ein Fall für den Profi. Das Gesundheitsamt berät Betroffene, wie sie auf ihrem Grundstück am besten handeln und z. B. auch das Nest finden.

Es gibt Fälle, wo Grundstückseigner erst dann aktiv werden, wenn es eine Anzeige beim Gesundheitsamt gab und dieses den Grundstückseigner dazu aufgefordert hat. In ganz seltenen Fällen musste das Amt sogar zwangsweise mit polizeilicher Unterstützung eine Rattenbekämpfung durchführen lassen. Diese sogenannten Ersatzvornahmen wurden den Unbelehrbaren im Anschluss in Rechnung gestellt.

Für Sylvia Kraeplin gibt es indes keine Hinweise, dass der Rattenbefall in Parchim zugenommen haben könnte. „Wo Wasser ist, wie an der Elde, sind auch die Wasserratten“, sagt sie. Die Sauberkeit in der Stadt spiele eine entscheidende Rolle. Wenn Essensreste in der Kanalisation oder im Garten landen, finden die Ratten Nahrung.

Das weiß auch Kerstin Ostermann, Leiterin des Parchimer Ordnungsamtes. Es sei leider zu beobachten, dass Ratten auf dem einen Grundstück fressen, aber auf dem anderen ihr Nest bauen. „Ratten sind schlau“, weiß sie. Die Tiere können sogar Abfallbehälter öffnen. Vor mehreren Jahren gab es eine durch Menschen verursachte Rattenplage in der Parchimer Weststadt. Hier haben die Vermieter mit Veränderungen bei den Abfallbehältern reagiert.

„Es gibt Ratten in Parchim, aber die gab es schon immer“, so Ostermann. Gerne halten sich die Tiere beispielsweise auch in alten Rohrleitungen auf. Aber es gebe keine Plage, erklärte sie am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Der Parchimer Abwasserbetrieb führe regelmäßig Kontrollen durch. Bei den jüngsten musste er weniger Gift ausbringen als erwartet.

Der Abwasserbetrieb gibt pro Jahr rund 5000 Euro für die Rattenbekämpfung aus. Die Ratte sitzt nur im Kanal, weil Essen vorbei kommt, so Joachim Stark vom Abwasserentsorgungsbetrieb. Jeder könne selbst beeinflussen, wieviel Reste in den Abfluss gelangen und wie sich Ratten vermehren.

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