Verkehrsgesellschaft steht zum Wettbewerb : Privatbahnen unter Druck

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Das Land sucht für die Bahnstrecken Lübeck-Bützow-Neubrandenburg-Pasewalk-Stettin, die Linie Rehna-Schwerin-Parchim und die Strecke Hagenow-Land-Ludwigslust-Parchim-Neustrelitz-Mirow neue Betreiber.

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17. Dezember 2010, 09:54 Uhr

Schwerin | Es ist das größte Geschäft im Nahverkehr auf der Schiene in Mecklenburg-Vorpommern: Das Land sucht für die Bahnstrecken Lübeck-Bützow-Neubrandenburg-Pasewalk-Stettin, die Linie Rehna-Schwerin-Parchim und die Strecke Hagenow-Land-Ludwigslust-Parchim-Neustrelitz-Mirow neue Betreiber. Das so genannte Ost-West-Netz soll 2011 ausgeschrieben werden, bestätigte Detlef Lindemann, Geschäftsführer der landeseigenen Verkehrsgesellschaft (VMV) in Schwerin. Damit wird fast ein Drittel des insgesamt 17,6 Millionen Zugkilometer umfassenden Nahverkehrsnetzes in MV neu vergeben.

Mit dem für 2011 erwarteten Vergabeverfahren wird das vorletzte große Netz in MV ausgeschrieben. Für mehr als 170 Millionen Euro bestellt das Land jährlich bei den Nachverkehrsleistungen. Das lohnt: Die Vergabe des Ost-West-Netzes sichert dem künftigen Betreiber ab 2014 für 15 Jahre ein Millionengeschäft. Bislang verkehrten im Ost-West-Netz neben der Deutschen Bahn auch die Ostseeland Verkehr (Ola) und die Ostdeutsche Eisenbahn in dem Streckennetz. Doch jetzt wird der Markt neu gemischt. Vor allem die Privatbahnen geraten unter Druck.

Dabei setzt das Land auf Wettbewerb: Konkurrenz belebt das Geschäft, wirbt die Verkehrsgesellschaft dafür, auch neuen Bewerbern den Markteintritt zu ermöglichen. "Wir stehen zum Wettbewerb", meint VMV-Chef Lindemann. Doch erst Ende Juni hatte das Land das lukrative Warnownetz rund um Rostock mit vier Millionen Zugkilometern neu vergeben. Den Zuschlag erhielt seinerzeit der Branchenprimus Deutsche Bahn, der in den nächsten zwölf Jahren u. a. die Züge zwischen Warnemünde und Rostock sowie Güstrow und Warnemünde, zwischen Wismar-Rostock-Tessin, Rostock-Graal-Müritz und Wismar-Ludwigslust auf die Schiene bringt. Dabei hatte das Land erstmals bei der Vergabe der lukrativen Nahverkehrsaufträge eine Tariftreueerklärung durchgesetzt. Damit verliert aber die ebenfalls in dem Teilnetz fahrende Ola einen Teil ihrer Aufträge. "Wir waren zwar Außenseiter, haben aber bei der Ausschreibung nur knapp verloren", meinte Ola-Chef Dirk Fischer.

Nur: Mit dem Zuschlag an den Branchenriesen Deutsche Bahn wurde der Wettbewerb auf der Schiene in MV eingeschränkt. Zwar schicken im insgesamt knapp 1700 Kilometer langen Schienennetz in MV mittlerweile sechs Bahngesellschaften Nahverkehrszüge auf die Strecke. Noch immer beherrscht die Deutsche Bahn mit einem Anteil von 66 Prozent unangefochten den Markt. Das DB-Tochterunternehmen Usedomer Bäderbahn eingerechnet, kommen die Staatsbahner sogar auf drei Viertel. Den Rest müssen sich die Privatbahnen Ostseeland Verkehr (Ola) mit einem Anteil von knapp 16 Prozent, die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) mit 7,3, der Betreiber des Rasenden Rolands auf Rügen, die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mit 1,3 und die Mecklenburgische Bäderbahn Molli mit 0,5 Prozent teilen.

Jetzt stehen selbst die Minimalanteile der Privaten auf dem Spiel. Denn erst vor wenigen Jahren hatte die Deutsche Bahn schon den Zuschlag für das lukrative Ostseenetz entlang der Küste bekommen. Natürlich werde man sich um das Ost-West-Netz bewerben, teilte das Unternehmen jetzt mit. Wie auch die Konkurrenz: "Wir werden uns bewerben", sagte auch Ola-Chef Fischer. "Es geht um unser Stammgeschäft und die Existenz des Unternehmens." Derzeit zähle die Ola noch 170 Beschäftigte. Doch bereits in Brandenburg habe das gemeinsame Unternehmen des Bahn- und Busunternehmens Viola und der Stadtwerke Schwerin Marktanteile verloren. Dadurch müsse der Personalbestand Ende 2011 um 40 Beschäftigte reduziert werden, so Fischer. "Jetzt geht es um die Wurst." Die Voraussetzungen stehen nicht schlecht. Dem Internet-Portal ÖPNV-Wettbewerb zufolge plant das Land offenbar, das Ost-West-Netz in zwei Losen auszuschreiben. "Das verdoppelt die Chancen", meint Fischer.

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