Marnitz : Powerfrau rettet Bäckerei fürs Dorf

Die 51-jährige Bäckerin Lorena Heilborn (Mitte) will mit ihrem Team, zu dem auch Sandra Krüger (l.) und Franziska Tilk gehören, am Rande der Ruhner Berge mit solider Handwerksarbeit bei ihren Kunden punkten.  Fotos: Wolfried Pätzold
Die 51-jährige Bäckerin Lorena Heilborn (Mitte) will mit ihrem Team, zu dem auch Sandra Krüger (l.) und Franziska Tilk gehören, am Rande der Ruhner Berge mit solider Handwerksarbeit bei ihren Kunden punkten.

Lorena Heilborn startet mit Backstube „Der Marnitzer“ neu durch. Bürgermeister: Infrastruktur hat Priorität

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24. September 2015, 13:58 Uhr

„Das ist doch wie ein Wunder. Welches Dorf hat denn heute noch einen eigenen Bäcker?“, meint ein älterer Herr, der sich fast täglich seine Brötchen für das Frühstück beim „Marnitzer“ holt. Noch vor drei Monaten sah es auch hier so aus, als ob die Geschichte der Dorfbäckerei ein jähes Ende findet. Nach nur gut fünf Jahren hatte der bisherige Eigentümer das Handtuch geworfen. „Wir hatten  es befürchtet, waren dann aber doch überrascht, dass wir quasi über Nacht unseren Job verlieren würden“, erinnert sich Lorena Heilborn, die für die Leitung der Backstube und die Logistik verantwortlich war, noch gut. Als das Licht im  „Marnitzer“ erloschen war, standen zehn Mitarbeiter auf der Straße.

Lorena Heilbron wollte sich damit auf keinen Fall abfinden. Die fünffache Mutter, seit rund drei Jahrzehnten Bäckerin aus Leidenschaft, hatte früher  bereits als Selbstständige Erfahrungen gesammelt und in einer anderen Bäckerei gearbeitet. Mit dem Insolvenzverwalter wurde sie sich schließlich einig, den Betrieb in eigene Regie zu übernehmen. „Ich wusste genau, was auf mich zukommt. Die Lage der Bäckerei in der ehemaligen Molkerei ist nicht schlecht, alle Maschinen waren vorhanden und ein engagiertes Team sollte sich finden lassen“, sagt die 51-Jährige. „Schließlich muss ich noch einige Jahre arbeiten und will auch meinen Enkelkindern etwas bieten.“

Für den Neuanfang wollte Lorena Heilbron vor allem den Verkaufsraum aufwerten. Zusammen mit der Familie wurde renoviert. „Man muss den Kunden etwas bieten“, meint die Chefin. Dazu gehört aus ihrer Sicht auch die kleine Spielecke, die den Kleinsten die Wartezeit ihrer Eltern am Verkaufstresen verkürzen soll.

Zum neuen Team gehören nun auch Sandra Krüger aus dem nahe liegenden Drenkow. Für die 30-Jährige ist der Job als Verkäuferin in Marnitz optimal. Ab mittags ist sie dann wieder ganz für ihre Kinder da. Auch die 21-jährige Franziska Tilk ist froh, dass sie als Verkäuferin im Betrieb ihrer Mutter einen Job gefunden hat, der ihr viel Spaß macht. „Wir ziehen alle an einem Strang“, freut sich Lorena Heilbron.

Die Kunden, die längst nicht nur aus dem Dorf stammen, sind zufrieden. Seit der Wiedereröffnung vor wenigen Tagen kommen die ersten bereits um 6.30 Uhr, um sich auf dem Weg zur Arbeit mit backfrischen Brötchen und dem einen oder anderen Stück Kuchen einzudecken. „Wir wollen mit solider Handwerksarbeit überzeugen. Bei uns kommen keine Halbfertigprodukte aus der Tiefkühlung zu Einsatz“, ist der Chefin wichtig. Dafür geht in der Backstube das Licht bereits um 23.30 Uhr an. Bis gegen 7 Uhr am Morgen wird gebacken, damit die Regale mit Brot, Brötchen und Kuchen gefüllt sind. Für Lorena Heilbron steht vor der Ruhepause die Buchhaltung auf dem Tagesplan. „An diesen Arbeitsrythmus ist man nach 30 Jahren gewöhnt.

Bürgermeister Hans-Jürgen Buchholz ist mit der Wiedereröffnung der Bäckerei ein  großer Brocken vom Herzen gefallen. „Eine funktionierende Infrastruktur ist für ein Dorf das A und O. Dazu gehört im besten Falle auch eine  traditionelle Bäckerei“, ist er sich mit den Mitbürgern einig. „Bei unserem Bürgermeister bekommt man stets Unterstützung“, freut sich die Geschäftsfrau. Im Gegenzug will sie sich mit ihrem Team auch in der Zukunft ins Dorfleben einbringen. Beim jüngsten Erntefest war sie mit leckerem Kuchen, darunter den legendären Marnitzer Bienenstich, vertreten. „Da haben wir viel Lob bekommen“, freut sie sich.

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