Flüchtlinge in MV : Polizei kontert Gerüchteküche

Der Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust Hans-Peter Günzel (r.) und der stellvertretende Kripochef beim gestrigen Pressegespräch.
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Der Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust Hans-Peter Günzel (r.) und der stellvertretende Kripochef beim gestrigen Pressegespräch.

Flüchtlinge sind in der Kriminalstatistik bislang kaum auffällig. Die meisten Delikte werden von Deutschen und EU-Bürgern begangen.

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14. November 2015, 07:15 Uhr

„Hast Du schon gehört, im Supermarkt haben Flüchtlinge volle Einkaufswagen rausgeschoben ohne zu bezahlen?“ – Solche und ähnliche Gerüchte sind derzeit im Umlauf, befeuert von einschlägigen Meldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook. „An all diesen Gerüchten ist absolut nichts dran, wir haben in den betreffenden Märkten nachgehakt, es wurde nichts bestätigt und es liegen somit keine Anzeigen vor“, betonte gestern der Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust, Hans-Peter Günzel.

Weiter ergänzte er, dass es auch keinerlei Vergewaltigungen seitens der Asylbewerber im Landkreis gab. Keine andere Sachlage gibt es bei den Eigentumsdelikten. So wurde nicht ein einziges Auto von Flüchtlingen gestohlen; bei den bislang 43 bekannten Fällen kommen Deutsche oder EU-Bürger als Täter in Frage. Bei den Hauseinbrüchen sind es ebenfalls meist Täter aus dem örtlichen Umfeld oder Osteuropa, so die bisherigen Erkenntnisse der Polizei.

„Und wenn Delikte bekannt werden, dann wird ohne Ansehen der Person, des Alters oder der Herkunft ermittelt und da werden keine Unterschiede gemacht“, betont der Polizeichef. So gab es in der Asylbewerberunterkunft in Parchim im vergangenen November einen Brand in einem Zimmer, das vorsätzlich angezündet wurde, weil der Bewohner verlegt werden wollte. Entsprechende Ermittlungen wurden eingeleitet, der Staatsanwalt ist an der Sache dran.

Ansonsten sollte man, so Günzel, auch die Mentalität der Zuwanderer berücksichtigen. „Wenn es bei ihnen zu Auseinandersetzungen wie in dieser Woche in Horst kommt, ist das meist schnell wieder abgehakt, während es bei den Einheimischen oft in handfeste Schlägereien ausartet“, hieß es.

Das schlimme sei, dass Gerüchte ungefiltert weiter gegeben und mitunter noch verschlimmert werden. Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion, erinnerte an den Parchimer Fall vor rund einem Jahr, als von „vergifteten Hunden“ berichtet wurde. Angeblich hatten Ausländer in der Weststadt mit Angelhaken versehene Wurst ausgelegt. Weder das Veterinäramt, Tierarzt oder Polizei konnten dies nach aufwändigen SVZ-Recherchen bestätigen und es gab auch keinerlei Anzeigen – trotz mehrerer ähnlich lautender Beiträge auf Facebook. Derartige Gerüchte würden bewusst gestreut und sollen Unruhe in die Bevölkerung bringen. „Dabei ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim einer der sichersten Landkreise der Bundesrepublik“, so Günzel. Das durchaus Unterschiede existieren und es in anderen Gegenden andere Erfahrungen gibt, streitet niemand ab und „wir nehmen die Sicherheitsbedenken der Menschen sehr ernst.“ Deshalb sei die Polizei seit einiger Zeit auch im sozialen Netzwerk Facebook präsent.

Dort gebe sie aktuelle Meldungen bekannt und dort könne sich jeder informieren, dem seriöse Meldungen und Informationen wichtiger seien als Gerüchte.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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