zur Navigation springen

Wolfgang v. Rechenberg : Politik-Abschied: „Ich wollte es so“

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Konflikt zwischen Beruf und Politik: Wolfgang v. Rechenberg verlässt nach 25 Jahren die politische Bühne / „Es war eine schöne Zeit“

Begeistern, überraschen und ein gutes Gefühl nach politischen Entscheidungen hinterlassen: Das kann Wolfgang v. Rechenberg wie kein anderer, einer der herausragenden Gestalter der Parchimer Wende und Sozialdemokrat. Nun haben ihn die Wähler in die Wüste geschickt, v. Rechenberg verfehlte nur knapp ein Kreistagsmandat. Die Parchimer Zeitung sprach nach der Wahl als erste mit dem 55-Jährigen darüber.

Das kam überraschend, hat doch „Wolle“, wie ihn sogar einige politische Konkurrenten kollegial nennen, für sein Parchim mehr geackert als manch anderer. Das Gedächtnis scheint kurz: Die Rettung des Parchimer Theaters, die Kreisstadtfrage, Elternzuschüsse für Schulbusse trotz freier Schulwahl sind nur einige der menschenfreundlichen Kreispolitik-Entscheidungen, hinter denen Wolfgang v. Rechenberg steckte.

Aber – da ist er ganz bei sich – keine Spur von Groll liegt in der Luft, als wir ihn mit Frau Sonnhild und einem Bekannten am Sonntagabend auf dessen Boot im Parchimer Stadthafen besuchen. „Damit das klar ist, es war mein Vorschlag, Christian Brade und Detlev Hestermann auf der Liste über mir zu platzieren“, rückt Wolfgang v. Rechenberg Gerüchte zurecht, die Partei habe ihn kaltgestellt. „Ich möchte, dass Christian Brade in den Landtag gewählt wird und dass Detlev Hestermann Parchims Bürgermeister wird.“ Und die Dominanz des Landrates gegenüber der Fraktion? Wolfgang v. Rechenberg lacht: „Meinen guten Draht zu Rolf Christiansen lasse ich mir gern vorhalten.“ Der Landrat tue sehr viel für diesen Kreis.

Es war primär der Druck, den Beruf bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschlandund die immer komplexere Politik in Einklang zu bringen, der den Rückzug bewirkte. Seit der Fusion der Landeskirchen ist v. Rechenberg viel mehr im ganzen Norden auf Achse, das kostet Zeit und Kraft. „Da habe ich mir gesagt: 25 Jahre Politik, nun ist es wirklich genug. Es war eine schöne Zeit.“

Das Vierteljahrhundert Kommunalpolitik in der ersten Reihe hätte „allergrößten Respekt“ vor den ehrenamtlichen Mitstreitern aufgebaut. Wolfgang v. Rechenberg: „Man sieht das nicht, was sie machen. Die öffentliche Meinung nimmt vieles nur sehr punktuell wahr. Es ist ein Knochenjob.“ Dabei hätten viele Entscheidungen auf der politischen Bühne direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen.

„Es gehört ein hohes Maß an Diszipliniertheit dazu. Ohne sich manche Abend- und Nachtstunden ans Bein zu binden, würde das nicht laufen.“ Nicht immer sei sich v. Rechenberg sicher gewesen, das Richtige getan zu haben: „Wenn ich die maroden Kreisstraßen sehe... Aber wir haben uns nun mal für übergeordnete Ziele entschieden. Runter mit den Schulden ist eines davon.“

Zu den guten Erfahrungen gehöre, dass auf Kreisebene die Sachargumente Priorität hätten, nicht die Parteiräson. „Wir haben uns im Kreistag sicher bei manchen Kleinigkeiten gezofft, aber vom ersten bis zum letzten Tag haben wir die verfassungsfeindliche NPD vorgeführt.“

Wars das nun mit der Öffentlichkeit? „Es gibt zwei Organisationen, aus denen ich nicht austrete“, sagt Wolfgang v. Rechenberg, „die Kirche und die SPD“. Das klingt so, als würden wir noch von ihm hören. Gut so.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Jun.2014 | 09:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen