„Club der toten Dichter“ : Poesie direkt ins Herz der Parchimer

„Der Club der toten Dichter“ in der Parchimer Stadthalle: v.l.n.r Andreas „Spatz“ Sperling (Keyboard), „Max“ Reinhardt Repke (Gitarre/Gesang), Peter Lohmeyer (Gesang), Markus Runzheimer (Bass), Tim Lorenz (Schlagzeug)
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„Der Club der toten Dichter“ in der Parchimer Stadthalle: v.l.n.r Andreas „Spatz“ Sperling (Keyboard), „Max“ Reinhardt Repke (Gitarre/Gesang), Peter Lohmeyer (Gesang), Markus Runzheimer (Bass), Tim Lorenz (Schlagzeug)

Stehende Ovationen für den „Club der toten Dichter“ in der Parchimer Stadthalle

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01. Juni 2016, 08:00 Uhr

So stellt man ihn sich vor, am Schreibtisch sitzend, ein Glas Whisky trinkend, eine Zigarette rauchend, dazu das laute Tippen auf der alten Schreibmaschine: Charles Bukowski. Und so beginnt auch der Konzertsamstagabend in der Parchimer Stadthalle mit dem Geräusch einer Schreibmaschinentastatur, zu dem der „Club der toten Dichter“ seinen Platz auf der Bühne einnimmt und seine Töne um die Texte des bekannten US-amerikanischen Autors webt. „Jede Nacht, wenn ich mit meiner Flasche vor der Schreibmaschine sitze…“ lautet bezeichnender Weise auch die erste Textzeile, die Gastsänger Peter Lohmeyer in einer Kulisse aus hängenden und stehenden Buchstaben, inmitten der vielen Instrumente und im Kreise seiner Musikerkollegen, singt. Das kommt an, der Funke aufs Publikum springt sofort über und es ist gespannt auf das, was in den nächsten hundertfünfzig Minuten passieren wird.

Es geht weiter mit Bukowski in tönender Form: „Die Schattenseite von Hollywood“, „Stilles Viertel“, „Uhu“, „Der Nazitramp“. Vielfältig ist das, was die Band zum Besten gibt. Mal im leichten Country-Stil, wie „Das bringt nichts“, mal rockig wie „Stilles Viertel“ und mal auch ganz leise und mit Spieluhr-Begleitung „Das Genie“. Die vier Musiker Andreas Sperling, Markus Runzheimer, Reinhardt Repke und Tim Lorenz beherrschen ihre Instrumente virtuos, die Spielfreude steht ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben.

Der „Club toten Dichter“ hat im zehnten Jahr seines Bestehens mit Peter Lohmeyer das erste Mal einen Schauspieler in seine Mitte geholt und er beweist, dass sich Projektgründer Reinhardt Repke auf seinen Instinkt verlassen kann. Der sagte ihm nämlich, dass Lohmeyer für die Bukowski-Vertonungen genau der richtige Interpret sei. Der aus Kino, TV und Theater bekannte Mime beeindruckt sowohl mit seinen leisen, eindringlichen Tönen, als auch mit seiner Energie, mit der er mitunter die Bühne geradezu rockt. Lohmeyer lebt in dem Moment, was Bukowski seiner Zeit niederschrieb und bringt durch seine mannigfaltige Interpretation den Autor zu uns ins 21. Jahrhundert. Gilt Bukowski meist als schwierig, werden seine Texte oftmals nur auf Sex, Prostitution und Alkohol reduziert, erlebt man in diesem Programm, wie viel mehr dieser Schriftsteller war, was möglich ist, wenn seine Worte zu Musik werden. Sensibel, melancholisch, kraftvoll und witzig, Texte, dem Leben abgetrotzt, Sinnsuche auf seine fast selbstzerstörerische Art. Nach Heine, Rilke, Busch und Schiller gelingt es dem „Club der toten Dichter“ erneut: Poesie gelangt auf Tönen direkt in den Kopf und vor allem ins Herz. Die vier Zugaben und stehende Ovationen der 250 Zuschauer sind der direkte Beweis.

„Danke, dass Ihr gekommen seid heute Abend, trotz Stadtfest, Champions-League-Finale und anderen Dingen“, sagt Reinhardt Repke zu Beginn des Abends. Danke, dass Ihr in Parchim für uns gespielt und gesungen habt, Ihr alle vom „Club der toten Dichter“!
 

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