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Naturerlebnis : Pilzsammler in den Startlöchern

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Chancen für ein gutes Pilzjahr stehen gut. Sammler bislang nur mit bescheidener Ausbeute. Im Zweifelsfall den Berater konsultieren

von
erstellt am 05.Aug.2014 | 13:27 Uhr

Auch an diesem Sommermorgen kann es Jürgen Gärtner nicht lassen. Bei einem Spaziergang auf seinem Datschenareal an der Elde entdeckt er tatsächlich einige Pfifferlinge und auch Rüblinge. Die Ausbeute ist allerdings bescheiden und wird als Zugabe in den Bratkartoffeln  landen. „Das kann sich aber bald ändern. Da bin ich zuversichtlich“, meint der Experte. Schließlich sei das derzeitige Wetter mit viel Regen und hohen Temperaturen ein hervorragender Mix für ein gutes Pilzjahr. Ob er damit wieder richtig liegt, wird sich aber erst in einigen Wochen herausstellen.

Jürgen Gärtner ist vielen Pilzfans einen Schritt voraus. Schließlich beschäftigt ihn das Thema  schon mehr als vier Jahrzehnte. Für Jürgen Gärtner war seinerzeit ein Pilzfund das Schlüsselerlebnis. Bei einem Campingurlaub hätte er fast eine Pfanne mit Hexenröhrlingen zubereitet. Zweifel und der Gang zum Experten bewahrten ihn und die Familie vor einem folgenreichen Abendessen. Danach wollte er es genau wissen und  wurde  selbst Pilzberater.  Das sollte sich gleich doppelt auszahlen. „Ich habe mich damals für einen Dauercampingplatz am Rätzsee beworben, doch zu DDR-Zeiten war es nicht so einfach auf den beliebten Plätzen unterzukommen. Da habe ich einen Winter lang Pilze gepaukt und machte schließlich meinen Pilzberater-Schein in Schwerin. Das hob mich von den anderen Bewerbern ab und so bekam ich meinen Lieblingsplatz“, erzählt Jürgen Gärtner.

Auch wenn Waldspaziergänger in diesem Jahr womöglich erfolglos nach Pilzen gesucht haben, gibt es sie schon. Täublinge, Rüblinge und Pfifferlinge sowie vereinzelt Steinpilze hat Jürgen Gärtner bereits entdeckt. Für den Beginn der Pilzsaison spricht auch, dass er in diesem Jahr bereits zehn Beratungen in seiner Statistik vermerkt hat. Dabei konnte er u.a. den Winter-Rübling, einen Spitz-Morchel und einen Riesen-Porling eindeutig identifizieren. „Gelegentlich werde ich auch auf der Straße angesprochen, denn viele kennen mich als Pilzberater“, so Jürgen Gärtner.

Jürgen Gärtner gehört zu den 45 Pilzberatern, die aufgrund einer Vereinbarung mit den Gesundheits- bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämtern in Mecklenburg-Vorpommern tätig sind. Sie haben 2013 bei rund 5300 Beratungen rund 340 stark giftige Pilze, darunter 43 Grüne Knollenblätterpilze, 142 Pantherpilze, 19 Ziegelrote Risspilze, sechs Frühjahrsmorcheln und 130 Gifthäublinge, aussortiert.

„Die  meisten Sammler sind keineswegs leichtfertig und kennen sich  auch gut aus“, weiß  Jürgen Gärtner. Bei ihm gab es in letzter Zeit nur einzelne Funde mit ungenießbaren Pilzen, die für Übelkeit und Erbrechen  sorgen.

Einen wichtigen Stellenwert nimmt auch in diesem Jahr die Pilzaufklärung ein. „Wer als kleine oder größere  Gruppe den Wald und die Pilzlandschaft erkunden will, kann sich bei mir melden. Das Interesse ist erfahrungsgemäß sehr groß“, freut sich der Parchimer. Gefragt ist er als Experte auch bei akuten Vergiftungsfällen. Dann rufen Krankenhäuser an, um giftige Pilze genau zu bestimmen.

Pilzberatung

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das die Pilzberatung als  Aufgabe im Rahmen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes definiert.

Im Land sind etwa 45 ehrenamtlich arbeitende Pilzberater für die örtlichen Gesundheits- bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter tätig.

Neben den Pilzberatungen führen sie Pilzexkursionen und Ausstellungen durch, halten Vorträge, betreiben Öffentlichkeitsarbeit und helfen im Bedarfsfall bei der Aufklärung von Pilzvergiftungen. Besondere Bedeutung kommt den Beratern in den Urlaubsregionen des Landes zu.

Jürgen Gärtner ist in der Parchimer Region tätig und unter 0173/975 52 80 erreichbar.

 

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