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Parchimer Zeitung

24. November 2017 | 23:22 Uhr

Parchim : Pflegen ist auch Männersache

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nachwuchs in Pflegeberufen: Ein Viertel der Azubis in der Asklepios Klinik ist männlich

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Einst lernte er einen klassischen „Männerberuf“, heute strebt er den Abschluss in einem Bereich an, der lange Zeit als „Frauendomäne“ galt. Ein Mechaniker, der im Krankenhaus arbeitet, wie passt das zusammen? Ganz einfach. Peter Piotrowski absolviert bis Ende August die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in der Parchimer Asklepios Klinik.

„Ich habe KfZ-Mechniker gelernt und war dann für acht Jahre bei der Marine, dort habe ich im Sanitätsbereich mitgeholfen“, erklärt der 34-Jährige seinen früheren Werdegang. In der Werkstatt hätte er die Autos heil gemacht, heute tue er dies für Menschen, scherzt Piotrowski. Bei Letzterem seien die Erfolgserlebnisse schöner mitanzusehen, gibt er zu: „Die entgegengebrachte Dankbarkeit von Patienten, die genesen sind, die gibt einem mehr.“

Der Lehrling ist einer von fünf Männern, bei insgesamt 22 Nachwuchskräften, die die Parchimer Klinik im stationärem Gesundheitswesen ausbildet. Während Peter Piotrowski kurz vor den Prüfungen steht, begann sein Kollege Eric Wittenburg vor einem halben Jahr mit der Ausbildung. Der 19-Jährige lernt den Beruf des Operationstechnischen Assistenten (OTA). Beide Berufsstarter sagten im SVZ-Gespräch, sie sähen sich heutzutage nicht mehr als „Exoten“ in ihrem Arbeitsumfeld. „Warum sollten sich nur Frauen verantwortlich für die Genesung von kranken Menschen fühlen? Ich interessierte mich schon immer für Medizin und habe bisher nicht das Gefühl gehabt, als Mann besonders herauszustechen“, so Wittenburg.

Dass es im Parchimer Krankenhaus nicht an männlichen Mitarbeitern mangelt, fällt bei einem Stationsrundgang auf. Gerlinde Block, Praxisanleiterin des Hauses, dazu: „In den letzten sechs Jahren nahm die Zahl an männlichen Azubis, sowie an männlichen Kollegen als Gesundheits- und Krankenpfleger zu.“ Auffällig sei der Zuwachs im operationstechnischen und intensivstationären Bereich. Junge Männer fänden u.a. an den technischen Aspekten der Pflege ihren Gefallen. „Operationstechnische Assistenten haben viel mit Instrumenten, also Werkzeugen zu tun. Außerdem herrscht im OP eine festere Struktur. Viele Männer mögen es, gut organisiert zu sein“, so Block weiter.

Im Zuge des medizinischen Fortschritts ist der Pflegeberuf vielschichtiger geworden. Die frühere Grundversorgung macht lediglich die Basis der heutigen Ausbildung aus. Stationäre Pflege greift zunehmend in medizinische Spezialgebiete wie Kardiologie und Neurochirurgie über. Zunahme an Anspruch, Aufstiegschancen und Löhnen seien für männliche Anwärter attraktiver den je. Die Ausbildungsleiterin meint außerdem: „Vor Ort sind auffällig viele männliche Kollegen. Ich denke, dass liegt damit zusammen, dass typische Männerberufe im Handwerk nicht mehr so häufig vertreten sind.“

Die bundesweite Tendenz zu mehr Männern in Pflegeberufen ist in der öffentlichen Wahrnehmung kaum merkbar. Pfleger bleiben unterrepräsentiert. Daten des Statistischen Bundesamtes für 2015 belegen, es sind 18, 9 Prozent Männer im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege, des Rettungsdienstes und der Geburtshilfe beschäftigt. Weitere Zahlen für 2014 ergeben, dass von 61 800 jungen Jobeinsteigern in die Pflege (u.a. auch Altenpflege), 21 Prozent Männer sind.

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