Rekord verfehlt : Petrus hält sich an den Kalender

Egal wie Petrus sich entscheidet, auf der Parchimer Eisbahn gehen Winterträume in Erfüllung. Fotos: Wolfried Pätzold
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Egal wie Petrus sich entscheidet, auf der Parchimer Eisbahn gehen Winterträume in Erfüllung. Fotos: Wolfried Pätzold

Nach deutlich zu warmen Herbst startet meteorologischer Winter zünftig kalt / Chancen für Weiße Weihnacht stehen statisch schlecht

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03. Dezember 2014, 11:06 Uhr

Parchim Sicher nicht ganz ernst gemeint, macht in der Kreisstadt dieser Tage wieder die Runde: Kaum ist die Kunsteisbahn auf dem Schuhmarkt  installiert, gehen die Temperaturen auf Sinkflug. Dass dieses Mikroklima Einfluss auf das Wetter der in Region hat, ist allerdings ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil, die von den Parchimer Stadtwerken zum zwölften Mal in Folge spendierte Eiszeit garantiert Winterspaß bei Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius. „Petrus hält sich an den Kalender“, sind sich die Meteorologen einig. Werner Schulz, der mehr als 45 Jahre als Experte beim Deutschen Wetterdienst tätig war, hat die Wetterdaten der vergangenen drei Monate noch einmal genau unter die Lupe genommen. Am 30. November ist für die Wetterprofis der meteorologische Herbst Geschichte. „Er war diesmal auch in der Region zwischen Schweriner, Sternberger und Plauer See deutlich zu warm und zu trocken“, resümiert Werner Schulz. Doch der gefühlte „Frühling im Herbst“ brachte es mit seinen angenehmen Temperaturen insgesamt nur auf Platz Drei der vergangenen  66 Jahre.  Die Mitteltemperatur von September, Oktober und November lag diesmal bei 11,4 Grad Celsius. 1969 waren im gleichen Zeitraum 12,3 Grad Celsius und 1948    mit 12,2 Grad Celsius ähnliche Werte gemessen worden.    Der  5. und 6. September   gehen in die Statistik sogar als Sommertage ein. Mit 26,1 und 26,8 Grad Celsius lagen sie über dem amtlichen Grenzwert von 25 Grad Celsius. Dass diese milde Witterung bis zum 24. November erhalten blieb, ist sicher eine angenehme Ausnahme. Erst am 25. November erreichte die Region deutlich kältere Luft aus Osteuropa. Kurz vor der Ziellinie des meteorologischen Herbstes führte dies am 29. und 30. November mit Temperaturen unter Null Grad Celsius zu zwei Eistagen.

Für ein Wechselspiel sorgte die Wetterküche beim Niederschlag. Im September wurden nur 41 Millimeter Regen (77 Prozent der Normalwerte), im Oktober 69 Millimeter (159 Prozent) und im November 10 Millimeter (17 Prozent) gemessen. „Der Herbst war recht friedlich. Es gab zu mindestens bei uns keine Starkniederschläge und keine Stürme. Dafür schien die Sonne 305 Stunden, was den Erwartungen für diese Jahreszeit entspricht“, ist Werner Schulz zufrieden.

Der erfahrene Wetterstatistiker wollte es genau wissen und hat in den Langzeitaufzeichnungen gestöbert. „Wenn man die Schweriner Messreihe seit 1890 betrachtet, ist keine katastrophale Temperaturentwicklung zu mindestens in unserer Region zu erkennen“, so das Fazit von Werner Schulz.

Derweilen steigt die Spannung, wie das Wetter diesmal zu den Feiertagen ausfallen wird. Einig sind sich fast alle Profis, dass seriöse Aussagen drei Wochen vor dem Fest nicht möglich sind. Rein statistisch betrachtet, stehen die Chancen für Weiße Weihnachten schlecht. In den zurückliegenden mehr als 120 Jahren war Schnee an allen drei Weihnachtsfeiertagen eher die Ausnahme. Zu 15 Prozent gingen diese Träume auf. 

Hintergrund:

Der Traum von der Weißen Weihnacht
• In den zurückliegenden mehr 120 Jahren lag die Quote „Weiße Weihnachten“ (durchgehend an allen drei Tagen) in der Region bei rund 15 Prozent.

• In den 60er Jahren gab es gleich sechs Mal zum Fest eine Schneedecke.

• Auch das gab es zum Fest:
- 1910: Zehn Grad Celsius und regnerisch
- 1961: Minus 21 Grad Celsius über der Schneedecke
- 1977:15 Grad Celsius
- 1997: bis 10 Grad Celsius und ziemlich viel Wind
- 2009: Am Heiligabend wurden in Marnitz fünf Zentimeter Schnee und am ersten Feiertag vier Zentimeter Schnee gemessen.
- 2012: Bei Temperaturen bis 8 Grad Celsius und Regenschauern fiel  die Weiße Weihnacht ebenso ins Wasser wie im Vorjahr.

Quelle: Archiv/Schulz

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