zur Navigation springen

Skulpturengruppe COURAGE erneut zerstört : Parchims KORE steht wieder auf

vom

Unglaubliches ist geschehen: Das vom Crivitzer Bildhauer Wieland Schmiedel geschaffene Skulpturenensemble Courage am Fuße des Parchimer Stadthauses wurde zerstört. Dies passierte schon zum dritten Mal.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 10:20 Uhr

Parchim | Unglaubliches ist geschehen: Das vom Crivitzer Bildhauer Wieland Schmiedel geschaffene Skulpturenensemble Courage am Fuße des Parchimer Stadthauses wurde zerstört. Und dies passierte in den zurückliegenden vier Jahren nicht zum ersten, nicht zum zweiten, sondern zum dritten Mal...

Anfang der Woche wurde die Tat entdeckt. Eine von drei Stelen - mit denen der Künstler an den KZ-Todesmarsch von Sachsenhausen und Ravensbrück nach Raben Steinfeld erinnert - wurde gewaltsam umgeworfen. An den ursprünglich dazu gehörende Figurencorso Kore erinnert seit anderthalb Jahren ohnehin nur noch eine Schriftplatte mit den Worten : Rest der KORE, zerstört im August 2012, COURAGE contra Ignoranz - Parchim ist gefordert!

"Mitte nächsten Jahres (2013, d.Red.) werde ich einen dritten und letzten Versuch unternehmen und erneut eine Figur dafür abgießen", hat Wieland Schmiedel, Träger des Landeskulturpreises, im August 2012 klar gestellt (wir berichteten). Vor wenigen Tagen hat der Künstler Kontakt mit der Stadt aufgenommen, um sein Versprechen einzulösen. Die KORE sollte schon bald nach Parchim zurück kehren. "In diese Situation hinein kam die Nachricht der gewaltsam umgestürzten Stele, die mich schon sehr erschüttert hat", so Wieland Schmiedel gegenüber unserer Redaktion. Er geht weiter: "Ich will mich jedoch nicht entmutigen lassen und die dritte KORE aufstellen." In diesem Zusammenhang soll auch die nun umgeworfene Stele wieder aufgerichtet werden. Für Schmiedel steht fest, dass erst die aus drei Stelen heraustretende, mädchenhafte Betonfigur KORE dem Titel des Gesamtkunstwerkes COURAGE "Sinn und Hintergrund" gibt.

Bürgermeister Bernd Rolly und der Erste Stadtrat Detlev Hestermann reagieren unmissverständlich: "Diese nicht zu fassende dritte Zerstörung des Kunstwerkes erschüttert uns und trifft uns wie ein Schlag", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Da es sich keinesfalls um ein Kavaliersdelikt handelt, hat die Stadt umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet. Die früheren Ermittlungen, in die auch der Staatsschutz eingeschaltet war, blieben bis dato ergebnislos. Insbesondere die Suche nach Zeugen, die vor dem jedermann zugänglichen und stark frequentierten Bereich des neuen Stadthauses am Wasserberg etwas beobachtet haben könnten, ging offenbar ins Leere.

Für Prof. Dr. Wolfgang Vogt - der als Chef des Kulturforums Pampin im Frühjahr 2009 im Rahmen des vielbeachteten Buga-Kunstprojektes "Corso der Skulpturen" u.a. auch diese Aktion mit initiiert hat - ist davon überzeugt, dass es sich nicht um zufällige Attacken aus vielleicht jugendlichem Übermut, sondern mutmaßlich um gezielte Angriffe gegen ein Kunstwerk mit hohem Symbolwert handelt.

"Es geht um viel mehr als um die Zerstörung einer Skulptur oder das Umstürzen einer Säule", meint Prof. Vogt, der sich seit Jahrzehnten einen Namen als international anerkannter Friedens forscher macht. "Es geht um einen Angriff auf Symbole und Werte, die für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben in unserer Stadt stehen", gibt der Professor zu bedenken. Der hohe Symbolwert der Skulpturengruppe COURAGE rührt einerseits aus der Tatsache als mahnendes Zeichen der "Erinnerung gegen das Verbrechen" und andererseits als wegweisendes Zeichen für eine lebenswerte Zukunft.

Für Prof. Vogt wirft der "erneute Gewaltakt" eine Reihe von Fragen auf , deren Beantwortung alle Bürgerinnen und Bürger der Kreis- und Kulturstadt Parchim - Bürgermeister, Stadtvertreter, Unternehmer, Lehrer, Senioren und Jugendliche, die Mitglieder des Kommunalen Präventionsrates und andere - herausfordert. "Es bedarf jetzt mehr als wieder nur Worten der Empörung und Verachtung! Polizei und Staatsschutz sind nachdrücklich aufgefordert, eine intensive Fahndung zu betreiben, um die Täter zu ermitteln. Gefordert sind Aktionen der Aufklärung, Signale der Solidarität und Offensiven für mehr Bildung und Kultur", sagt er und könnte sich eine Veranstaltung unter dem Titel "Für Kultur - Gegen Gewalt" vorstellen.

"Wir werden Wieland Schmiedel erneut unterstützen, die KORE an diesem Standort vor dem Stadthaus wieder aufzustellen. Wir bedanken uns hierfür ausdrücklich beim Künstler und rufen alle Parchimer zum Schutz aller (ihrer) Kunstwerke auf", appelliert Bernd Rolly.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen