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Prüfungsergebnisse werden besser : Parchims Handwerk bildet mehr aus

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Die Prüfungsergebnisse werden besser und die Innungen bieten mehr Ausbildungsplätze an. Allerdings beklagt das Parchimer Handwerk, dass zu wenig gebaut wird.

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erstellt am 17.Dez.2012 | 09:53 Uhr

PARCHIM | Die Prüfungsergebnisse der Auszubildenden im Handwerk werden besser - und die Innungen bilden trotz zurückgehender Schülerzahlen mehr aus. Das ist die Bilanz, die der stellvertretende Kreiswerksmeister der Region Westmecklenburg-Süd Karl-Heinz Bahr vor den Senioren zog. Auch in diesem Jahr hatte die Kreishandwerkerschaft des Altkreises Parchim alle Senioren ihrer Innungen zur Weihnachtsfeier eingeladen - "eine Tradition, die wir uns nicht nehmen lassen", bekräftigte Karl-Heinz Bahr. Dort werden in 18 Innungen 530 Betriebe betreut.

"Das Handwerk als Wirtschaftsmacht von nebenan" lautete das Motto, mit dem sich zur Feier des 450-jährigen Bestehens der Parchimer Tischler-Innung viele Betrieb erstmals am bundesweiten Tag des Handwerk beteiligten. Gesellige Veranstaltungen wie der Handwerkerball in Banzkow und das Gänsebratenessen sorgten dafür, dass die Kontakte nicht abrissen.

Im Frühjahr 2012 wurden 98 Auszubildende geprüft, von denen 81 bestanden: Nur 7 Prozent mit der Note gut, 53 Prozent mit befriedigenden und 40 Prozent mit ausreichenden Leistungen. "Das liegt nicht an den Ausbildern, sondern am schlechten Niveau der Schulabgänger", kritisierte Karl-Heinz Bahr. Oft genug sei es laut Bahr so, dass Lehrlinge erst ausbildungsreif gemacht werden müssen, damit sie den Anforderungen genügen.

Wenig förderlich sei auch das derzeitige Berufsschulsystem, in dem es kaum noch Fachklassen, sondern meist Mischverbände gebe. Etwas besser schnitten die 93 Herbst-Prüflinge ab, von denen 76 zu Gesellen freigesprochen wurden: ein Auszubildender mit der Note "Sehr gut", 19 Prozent mit guten, 45 mit befriedigenden und 36 Prozent mit ausreichenden Leistungen.

Im Altkreis Parchim wurden in diesem Jahr 101, im Altkreis Ludwigslust 144 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. "Damit liegen wir trotz sinkender Schülerzahlen insgesamt um 23 Lehrverträge über dem Ergebnis des Vorjahres." Bahr ist zugleich auch Obermeister der Bau-Innung und macht sich Sorgen um diese Branche: "2012 haben die Baugenehmigungen kaum die Hälfte des Vorjahres erreicht." Es gebe kaum noch öffentliche Aufträge, "wie sie 2010 dem Handwerk gut getan haben".

Zu den Senioren der Kreishandwerkerschaft zählt unter anderem Wilhelm Pahnke. Der Parchimer Bäckermeister hatte den von seinem Vater 1931 gegründeten Betrieb übernommen und mit zeitweise mit bis zu zehn Angestellten geführt. Ehefrau Sigrid fungierte als mithelfende Kraft. "Zu DDR-Zeiten waren einige Rohstoffe wie Mandeln oder Rosinen Mangelware", erinnerte sich Pahnke. 1997 verkaufte er seinen Betrieb an den Hamburger Thomas Eickhorst, der ihn unter dem alteingesessenen Namen weiterführt und inzwischen um zwei Filialen vergrößerte.

Von den Mängeln der Planwirtschaft weiß auch der Fotograf Karl Greve aus der Baadestraße zu berichten. "Wenn man sich damals vorsorglich Chemikalien, Filme oder Fotopapier auf Vorrat anschaffte, musste man aufpassen, dass man nicht wegen der Hortung von wichtigen Wirtschaftsgütern belangt wurde." 2002, im Alter von 70 Jahren, löste Greve sein Fotostudio und das Labor auf. Etliche Fotoplatten und historische Aufnahmen vermachte er dem Heimatmuseum. Ärgerlich: "Kaum hatte ich meine Materialien für teures Geld als Sondermüll entsorgt, stand ein Interessent auf der Matte, der sie gern käuflich erworben hätte." Aber wenigstens eine alte Plattenkamera hat Greve bis heute aufbewahren können.

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