Kiekindemark : Parchimer Douglasien geadelt

Auf rund drei Hektar nahe Slate werden im Frühjahr 900 Douglasien fürs deutsche Klonarchiv angepflanzt. Fotos: Wolfried Pätzold
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Auf rund drei Hektar nahe Slate werden im Frühjahr 900 Douglasien fürs deutsche Klonarchiv angepflanzt. Fotos: Wolfried Pätzold

Landesforst und Kreisstadt besiegeln wissenschaftliche Kooperation im Stadtwald

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02. Februar 2018, 21:00 Uhr

Eine Baumart, die bis heute den Nordwesten der USA nahe Washington prägt, gedeiht auch am legendären Sonnenberg in Parchims Stadtwald seit nunmehr rund 120 Jahren prächtig. Forstsenator Wilhelm Evers war durch seinen Kontakt mit dem Hamburger Baumschulbesitzer John Booth um 1882 auf die amerikanische Douglasie aufmerksam geworden. Der kluge Forstmann hatte eine Vision: Forstwirtschaft im Everschen Sinne bedeutete vor allem, nachhaltig hochwertiges Holz entsprechend dem Bedarf zu produzieren. In dieser Tradition arbeiten die Mitarbeiter der Parchimer Stadtforst seit Anfang der 1990er Jahre weiter. Und ihr Engagement für den Douglasienbestand – der rund sieben Prozent der knapp 3000 Hektar großen Parchimer grünen Lunge ausmacht und damit vor Ort dritthäufigste Baumart ist – hat sich in der Forstwirtschaft deutschlandweit herumgesprochen.


Alternative für Wald im Klimawandel

Gestern unterzeichneten Jörn Luboeinsky – Bereichsleiter in der Landesforst MV für Forstplanung, Versuchswesen und Informationssysteme – und Parchims Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) eine Kooperationsvereinbarung zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt steht ein rund drei Hektar großes Areal im Stadtwald nahe Slate, in dem in Kürze mit der Aufforstung von insgesamt 900 genetisch hochwertiger Douglasien begonnen wird. Es sind Veredelungen von etwa 300 Mutterbäumen, die jeweils in dreifacher Wiederholung ausgeplanzt werden. Sie sollen die Grundlage für den Aufbau einer hochkarätigen Samenplantage und eines Klonarchivs bilden. Die Forstwissenschaftler haben neben Parchim zwei weitere Douglasienstandorte in Deutschland ausgewählt. „Nur so wird es gelingen, hochwertiges und anpassungsfähiges forstliches Vermehrungsgut zu entwickeln und den Waldbesitzern damit ökonomisch und ökologisch interessante Alternativen zu herkömmlichen Samen in Zeiten des Klimawandels anbieten zu können“, stellt Dr. Mirco Liesebach vom Thünen-Institut für Forstgenetik bei seinem Besuch in Parchim klar.

Premiere für Klonarchiv in einem Kommualwald

Bürgermeister Dirk Flörke lobt die jahrelange Zusammenarbeit zwischen Landes- und Parchimer Stadtforst und versichert: „Wir gehen mit unserem Douglasienschatz verantwortungsvoll um“. Dass ein so genanntes Klonarchiv zum ersten Mal bundesweit in einem Kommunal-Wald aufgebaut wird, sei für die Kreisstadt eine besondere Anerkennung.

„Die wirtschaftlichen Chancen sind nicht zu unterschätzen. Saatgut aus der neuen Plantage werden wir später als ,Wipfel-Platin’ zu guten Preisen verkaufen können“, ist sich Stadtforstchef Danilo Klaus sicher. Er plant bereits, den Douglasienanbau rund um Parchim bis auf rund zehn Prozent Anteil am Gesamtstadtwald auszuweiten. Die Fläche für die Klon-Plantage wird mit einem rund zwei Meter hohen Zaun streng geschützt. Der Munitionsbergungsdienst hatte hier zuvor Blindgänger beseitigt. Viele der Altholzkiefern, die 2016 komplett gerodet wurden, wiesen Metallsplitter auf, denn in unmittelbarer Nachbarschaft hatten die sowjetischen Streitkräfte einen Schießplatz betrieben.

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