zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

25. November 2017 | 09:07 Uhr

Ehrenamt : Parchimer bringen Licht ins Dunkel

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ehrenamtliche THW-Helfer verfügen über Spezialtechnik. Zweimal im Monat ist Ausbildung. Truppe sucht Verstärkung.

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Sie bringen Licht in das Dunkel. Wenn im Ernstfall größere Flächen als ein Fußballfeld beleuchtet werden müssen, ist das ein Fall für die ehrenamtlichen THW-Helfer aus Parchim. Ob nun bei der Flut an der Elbe, bei großen Unfällen, Flüchtlingshilfe oder Brückenbau – immer wieder waren die Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren gefordert. Denn auf ihren Fahrzeugen ist Spezialtechnik für Licht.

Sven Rudzik ist seit 2007 dabei. Sein Anreiz: Die Freizeit anders gestalten, Menschen helfen. Ihm gefallen die Kameradschaft, die Zusammenarbeit in der Truppe. Gerade mit Rückblick auf den Einsatz bei Hochwasser. Sechs Jahre später stieß auch seine Frau Christiane zur Truppe. Sie erzählt: „Die Kinder sind aus dem Haus. Mir war langweilig.“

Fast der ganze Ortsverband Parchim war 2013 beim Hochwasser an der Elbe gefragt. Die Truppe war die erste, die anrückte, um in Dömitz den Platz zu beleuchten, wo Sandsäcke gefüllt werden, erzählt Zugführer Carlo Schonda. Und sie war die letzte, die wieder abrückte.

Schonda engagiert sich seit acht Jahren beim THW. Die Technik und die Vielfalt haben ihn gereizt, sagt er. Er spricht vom Baukastenprinzip Technisches Hilfswerk. Für jede Situation gebe es spezielle Einsatzfahrzeuge. Parchim hat neben der üblichen Bergungstechnik die Fachgruppe Beleuchtung. Als gelernter Schlosser „bastelt“ Schonda hauptberuflich in einer Parchimer Firma an Feuerwehrfahrzeugen.

Auch seine Frau gehört zu den Ehrenamtlichen, die am Sonnabend eine Übung am Wiesenring in Parchim absolvierten. Doreen Warnecke hatte sich in Blievenstorf für die Jugendfeuerwehr stark gemacht und will jetzt eine Nachwuchsgruppe beim THW aufbauen. Ein Anfang ist gemacht. Sohn Fabio (9) ist der jüngste Helfer.

Nachwuchs kann die Truppe gebrauchen. Denn in den Bergungsgruppen sind derzeit gerade einmal halb so viele Ehrenamtliche wie eigentlich gebraucht würden.

Michael Teuber, Bereichsgeschäftsführer für das THW in Mecklenburg und Ortsbeauftragter in Parchim, meint: „Wer zum THW kommt, muss nicht handwerklich begabt sein.“ Selbst wer zwei linke Hände hat, erlange hier Geschick. Denn für Erwachsene gebe es 75 Stunden- Grundausbildung, die von Erste Hilfe bis Holzbearbeitung reiche.

Zweimal im Monat ist Ausbildung. Die Einsätze sind zwar nicht so häufig wie bei der Feuerwehr, gehen zuweilen aber länger. Die Hilfe bei der Flut ist nur ein Beispiel. Die Spezialisten aus Parchim haben beispielsweise beim Flüchtlingsansturm im Herbst 2015 die Zeltunterkünfte in Horst und in Mühlengeez beleuchtet. Sie waren im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Banzkow im Einsatz, als in der Nacht schnellstmöglich an der Zugbrücke gearbeitet werden musste, weil die Schifffahrt zum Erliegen gekommen war.

Ältere Helfer haben natürlich diese dramatischen Einsätze in Erinnerung: Schuleinsturz im Sommer 2004 in Goldberg, bei dem fünf Bauarbeiter ihr Leben verloren und fünf weitere schwer verletzt wurden. Zugunglück in Eschede im Jahr 1998, bei dem 101 Menschen ums Leben kamen und 88 schwer verletzt wurden.

Immer wieder gibt es auch Einsätze zusammen mit der Feuerwehr – beispielsweise bei Bränden auf Mülldeponien. „Es ist gut, die Kameradschaft zu pflegen“, sagt Carlo Schonda. Deshalb übernehme das THW Parchim auch jedes Jahr die Beleuchtung beim Flutlichtpokal der Feuerwehren in Spornitz.


Hintergrund: THW-Ortsverband Parchim


• Der Ortsverband Parchim hat seinen Sitz in der Ziegendorfer Chaussee 89 auf dem Gelände einer Spedition.

Kontakt für Interessenten über E-Mail:

ov-parchim@thw.de

Telefon: 03871-251505

• Jeden ersten und dritten Samstag im Monat leisten die Ehrenamtlichen Dienst. Allein im Vorjahr kamen dadurch 2500 Stunden zusammen.

• Ein Technischer Zug des THW ist in Parchim stationiert. Dazu gehört eine Bergungsgruppe zur Menschen- und Tierrettung und Bergung von Sachgütern. Diese Gruppe kann u.a. Verschüttete suchen und retten, erste Hilfe leisten, Entstehungsbrände löschen, Ufer befestigen, Dämme und Deiche sichern, behelfsmäßig Stege und Brücken bauen, aber auch Unglücksorte ausleuchten. Eine zweite Bergungsgruppe in Parchim hat zusätzlich eine weitere Aufgabe. Sie leuchtet großflächig Schadensstellen aus. Diese Fachgruppe Beleuchtung leistet auch Amtshilfe für Polizei, Zoll, Rettungsdienst und Feuerwehr.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen