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Kreistag lehnt Verwaltungsvorschlag ab : Parchim wird Kreis-Berufsschul-Stadt

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Parchim wird Sitz des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums. Das beschlossen die Abgeordneten des Kreistages am späten Donnerstagabend. Damit ist Ludwigslust endgültig aus dem Rennen.

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erstellt am 21.Jun.2013 | 06:19 Uhr

parchim | Parchim statt - wie von der Verwaltung geplant - Ludwigslust wird Sitz des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums (RBB). Das beschlossen die Abgeordneten des Kreistages am späten Donnerstagabend mit Mehrheit (29 Stimmen für Parchim, 23 Ludwigslust). Die Beruflichen Schulen Parchim und Ludwigslust/Hagenow werden zum Ende des Schuljahres 2012/2013 organisatorisch zum Regionalen Beruflichen Bildungszentrum des Landkreises zusammengefasst. Das bisherige Ausbildungsprofil der jeweiligen Standorte bleibt unverändert. Damit wird der Standort mit der höchsten Schülerzahl auch Sitz der Verwaltung. Parchim zählt 616 Schüler, Ludwigslust 590 und Hagenow 347.

Die Diskussion um den Sitz des RBB entwickelte sich zur hoch emotional geführten Debatte um die gefühlte Demontage der Kreisstadt. Landrat Rolf Christiansen (SPD) mochte nicht verstehen, warum "das Wohl und Wehe an dieser Frage hängt". Jörgen Fuchs (Bündnis 90/Grüne, Cambs) pflichtete dem Landrat bei: "Wo der Verwaltungssitz ist, ist relativ zweitrangig." Fuchs nutzte seinen Redebeitrag zur überschwänglichen Laudatio für den Landrat: "Meine Hochachtung und Anerkennung für Rolf Christiansen. Sie bringen mit gerechten und ausgewogenen Entscheidungen den Kreis voran." Christiansen sei ein wahrer "Landesvater auf Kreisebene".

Den attackierte allerdings umgehend Parchims Stadtvater und Bürgermeister Bernd Rolly (SPD): "Herr Landrat, Sie sagen, Sie sehen die Entscheidung des Berufsschulsitzes emotionslos. Jeder Abgeordnete muss aber emotional denken. Wir machen doch nicht Politik nach Mathematik." Das Problem Parchims sei, dass es keine Definition gebe, was eine Kreisstadt ausmache. Rolly: "Es ist ein Titel, der hinten runterfällt, ein Titel, der Parchim zum Verlierer macht." Eine Frage wie den Sitz des Schulzentrums könne man nicht emotionslos entscheiden: "Stärken Sie die Kreisstadt! Gucken Sie genau hin, was schon weg ist."

Ute Frehse (CDU, Lübz) attestierte allen Berufsschulen im Landkreis hervorragende Arbeit, aber der Sitz gehöre fraglos in die Kreisstadt. Wolfgang Bohnstedt, Fraktionschef Die Linke (Lewitzrand) findet, die Frage des RBB-Verwaltungsortes an sich sei es nicht wert, diskutiert zu werden. Aber die Emotionalität der Debatte habe Ursachen: "Es ist in Parchim das Gefühl, dass hier etwas wegbricht." Werner Brockmüller (FDP, Parchim) formulierte es so: "Wäre Parchim ein Huhn, es würde nur noch mit der Schwanzfeder rumlaufen, so wurde es schon gerupft." Matthias Zwerschke (CDU, Siggelkow) fragte selbstkritisch: "Warum fühlen die Bürger so? Was haben wir nicht kommuniziert?" Es gehe um eine Fusion auf Augenhöhe, bei der alle mitzunehmen seien. Barbara Borchardt (Die Linke, Barnin) verknüpfte den Sitz des Schulzentrums mit der Zukunft. Bei sinkenden Schülerzahlen könnten nicht alle drei Standorte zu halten sein. Borchardt: "Der Sitz entscheidet über das Überleben." Und da sei die Kreisstadt zu stärken. SPD-Fraktionschef Wolfgang v. Rechenberg (Parchim) hatte zuvor dafür plädiert, lieber den Wettbewerb mit Wismar, Schwerin und Nordwestmecklenburg aufzunehmen, dennoch Sensibilität und Respekt vor den Emotionen an den Tag zu legen.

Am Ende der Debatte wertete Landrat Rolf Christiansen die Diskussion als "sehr fruchtbar", wies aber darauf hin, dass "nicht alles in die Kreisstadt" müsse.

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