Bundestagswahl für unter 18-Jährige : Parchim wählt den Bundestag zweimal

<strong>U 18, die Bundestagswahl </strong>nur für Jugendliche: Mit diesem Projekt warb der Kreisjugendring dafür, sich einzumischen.
U 18, die Bundestagswahl nur für Jugendliche: Mit diesem Projekt warb der Kreisjugendring dafür, sich einzumischen.

Vorbereitungen zur U 18: Mit einer eigenen Bundestagswahl für unter 18-Jährige will der Kreisjugendring Ludwigslust-Parchim junge Leute für Politik begeistern. Die Aktivitäten werden auf das Großkreisgebiet ausgedehnt.

svz.de von
10. Januar 2013, 10:55 Uhr

parchim | Schwarz-Grün, Ampelkoalition, Merkel oder Millionen-Steinbrück? Im Spätsommer wählen wir den Bundestag, im Landkreis Ludwigslust-Parchim gleich zweimal. Denn der Kreisjugendring wird von Plau bis Boizenburg einen extra Urnengang für junge Leute unter 18 Jahren organisieren - mit echten Wahllokalen im gesamten Kreisgebiet und richtigem Wahlstudio. Die Jugendlichen dürfen neun Tage vor der Bundestagswahl im September ihr Kreuz machen. Mit der Aktion demonstriert der bisher nur im Altkreis Parchim aktive Kreisjugendring gleichzeitig, dass sein Wirkungsbereich nun den gesamten Landkreis umfasst.

"Wer Demokratie mitgestalten will, muss sich auskennen."

Geschäftsführer Ralf Westendorf kann zu Recht stolz darauf sein, dass der Parchimer Kreisjugendring in MV eine Vorreiterrolle bei der U 18 Wahl spielt. Westendorf hatte Anfang 2009 von der Aktion erfahren und sie sofort nach Parchim geholt: "Wir als Kreisjugendring Parchim haben bei der Wahl 2009 die Aufgabe der Koordinierungsstelle übernommen. Wir wollen mit diesem Projekt erreichen, dass sich die Kinder und Jugendlichen, die noch nicht wahlberechtigt sind, mit Politik auseinander setzen. Sie sollen lernen, die richtigen Fragen zu stellen, oder sich mit den Wahlprogrammen der Parteien beschäftigen. Nur wer sich einbringt, kann auch verändern."

Wenn die künftigen Wähler vor der Bundestagswahl ihr Kreuz machen, ist das zwar der Höhepunkt der U 18 Wahl, aber noch längst nicht alles. Ralf Westendorf: "Wir sprechen gerade mit dem Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Hacker, ob wir eine Fahrt für die Aktiven nach Berlin zum Bundestag organisieren können." Die so mit Politikwissen gerüsteten Helfer bereiten dann im gesamten Kreisgebiet die U 18 Wahl vor. Als Wahllokale können Jugendtreffs oder Schulen mitmachen. Vor dem Entscheid gibt es Aktionen und Diskussionsrunden rund um den Bundestag. Jugendliche können auch eine eigene Partei gründen und Politiker zu Sprechstunden einladen.

Neun Tage vor der Bundestagswahl öffnen die U 18 Wahllokale. Exakt wie beim "richtigen" Urnengang bekommen die Mädchen und Jungen einen Stimmzettel für ihren Wahlkreis, suchen die Kabine auf, machen ihre Kreuze für Erst- und Zweitstimme und werfen den Zettel in eine Wahlurne. Auszählung, Meldung der Stimmen an die Zentrale bis zum Gesamtergebnis und Wahlpartys - U 18 bietet alle Zutaten der "echten" Bundestagswahl. Für die Parchimer Zeitung werden Jugendliche berichten.

Bei der U 18 Premiere 2009 hatte die Jugendwahl Politikbeobachtern teils erstaunliche Erkenntnisse beschert. Die Piraten sammelten damals vor dem Boom der Medienaufmerksamkeit in der Parchimer Region schon 10,76 Prozent der Stimmen ein und überholten die FDP. Die Zukunftswähler ließen die NPD mit nur drei Prozent der Stimmen alt aussehen. Die CDU lag in der Gunst der Jugendlichen vorn (26,6 Prozent), die SPD (17,8 Prozent), Die Linke (15,9 Prozent) und die Grünen (13,6 Prozent) folgten.

Die Auswertung der Aktion korrigierte übrigens die weit verbreitete Auffassung, Jugendliche hätten mit Politik nichts am Hut. Die Hertie School of Governance und das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragten bundesweit rund 1000 U 18-Wähler. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Interesse an Politik durch U 18 zugenommen habe. 67 Prozent sagten, dass sie durch das Projekt viel bzw. etwas mehr über Politik wissen als vorher.

Da passt es, dass aktive Politiker die Wahl vor der Wahl sehr genau beobachten, mitspielen und Interviews geben. Das tut auch Landrat Rolf Christiansen (SPD): "Wer Demokratie leben und mitgestalten will, muss sich auskennen. Deshalb halte ich es für wichtig, junge Leute als die Wähler von morgen frühzeitig an die Politik heranzuführen. In der U18-Wahl sehe ich einen guten Ansatz, Interesse für politische Zusammenhänge und Strukturen zu wecken."

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