Altstadtsanierung : Parchim reizt Lage am Wasser aus

Archäologe Rolf Schulze (l.), Sachgebietsleiterin Heike Bleich und Bauleiter Klaus Hackbusch arbeiten Hand in Hand.
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Archäologe Rolf Schulze (l.), Sachgebietsleiterin Heike Bleich und Bauleiter Klaus Hackbusch arbeiten Hand in Hand.

Sanierung in der Altstadt kommt voran / Quartier am Wasser stärker erlebbar / Archäologische Funde überraschen selbst Experten

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21. August 2016, 12:25 Uhr

Die Kraftfahrer müssen derzeit einen weiten Bogen um die Straßen Auf dem Brook und die Hafenstraße machen. Vor allem die  Anwohner dieses Teils der Parchimer Altstadt erleben seit Wochen hautnah mit, dass hier im großen Maßstab gebaut wird. „Eins steht fest, mit diesem Projekt bekommt Parchim einen weiteren Mosaikstein als reizvolle Stadt am Wasser“, blickt Sachgebietsleiterin Heike Bleich zuversichtlich in die Zukunft. Schon vor rund elf Jahren haben die Stadtplaner die Weichen für die Gestaltung Auf dem Brook und in der Hafenstraße gestellt. Acht weitere Jahre sind ins Land gegangen, bevor 2013 die technische Planung in  Angriff genommen werden konnte.

Schon im Vorjahr bekamen die Parchimer einen Vorgeschmack, wie alles einmal aussehen wird. Die maroden Ufer sind nun  mit Stahlbohlen befestigt und stilvoll mit Naturstein verkleidet. Seit dem Frühjahr werden  die Verkehrswege in drei Teilabschnitten für 1,8 Millionen Euro grundlegend saniert. Mitarbeiter der Grabower Firma „Tief- und Straßenbau Haack“, die bereits in der Langen Straße überzeugten, bekamen nach Ausschreibung den Zuschlag. Noch gehört etwas Fantasie dazu, um sich das Areal im neuen Outfit vorstellen zu können. „Es ist ein Kompromiss zwischen zeitgemäßen Erfordernissen und dem historischen Vorbild“, gibt Heike Bleich zu bedenken . So wird die Straße Auf dem Brook als Asphaltfahrbahn erneuert, aber eine angrenzende Stichstraße mit Granitkleinpflaster belegt. Die Gehwege bekommen rotbunte Klinker. Im Teilabschnitt der Uferbefestigung ist ein Highlight vorgesehen. „Hier wird ein historisch belegter Waschplatz nachempfunden und zwei Sitzbänke dürften ein beliebter Rastplatz auf dem Weg vom Burgdamm in das Zentrum werden“, ist sich die Baufachfrau sicher. Beim Ausbau der Hafenstraße wird Granitpflaster favorisiert. Vor den eigentlichen Straßenbauarbeiten haben die Stadtwerke und der Eigenbetrieb für Abwasserentsorgung die Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert. Auch eine neue Beleuchtung wird installiert.

Die Arbeiten sind nicht so schnell vorangekommen wie erhofft. Aber, das hat einen gewichtigen Grund. „Die Parchimer Altstadt ist als Flächendenkmal ausgewiesen. Damit ist eine archäologische Begleitung zwingend vorgeschrieben“, gibt Heike Bleich zu bedenken. Und Rolf Schulze vom Landesamt für Denkmalpflege war von Anfang an mit im Boot. „Dass wir hier in so großem Maßstab fündig werden, war nicht vorauszusehen. Der Torfboden ist für die Konservierung  von historischen Holzteilen optimal“, sagt der Experte. Nachdem er auf der Baustelle am Färbergraben sechs interessante Holzreste gefunden hat (wir berichteten), sind es Auf dem Brook inzwischen etwa 400 geworden. Die Eichenpfähle sind um die 800 Jahre alt. Darüber hinaus hat Rolf Schulze Pilgerzeichen, Silber- und Bronzeschmuck, Münzen, Reste einer Trinkwasserleitung und eines slawischen Bohlenweges (vor dem 13. Jahrhundert) und jede Menge alte Keramik geborgen. „Parchims Geschichte ist hoch interessant und wir werden jetzt alles gründlich aufarbeiten und später auch öffentlich präsentieren“, macht der Archäologe schon malneugierig.

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