Parchim: Müllentsorgung wird teurer

<fettakgl>Pro  Tonnenentleerung  </fettakgl>zahlen   Haushalte  im Altkreis  Parchim  zurzeit 4,50 Euro. Eine Erhöhung  wird   zum  nächsten Jahr  kommen. Wie hoch die   wird - Fragezeichen. <foto> Foto: zvs</foto>
Pro Tonnenentleerung zahlen Haushalte im Altkreis Parchim zurzeit 4,50 Euro. Eine Erhöhung wird zum nächsten Jahr kommen. Wie hoch die wird - Fragezeichen. Foto: zvs

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07. Juni 2012, 10:25 Uhr

Parchim | Nichts bleibt wie es ist: Für die Abfallwirtschaft im Altkreis Parchim könnte sich das ziemlich bald, nämlich noch in diesem Jahr bewahrheiten. Steffen Gründwaldt, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Ludwigslust, sprach jetzt von deutlichen, sogar erheblichen Gebührenerhöhungen, ohne Zahlen zu nennen. Ab 2013, für dann vielleicht zwei, drei Jahre.

Dazu muss man wissen, dass die Strukturen in der Abfallwirtschaft in beiden Altkreisen viel unterschiedlicher nicht sein könnten. Während etwa im Raum Ludwigslust und Hagenow seit Jahren die Papierentsorgung gewinnbringend durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises organisiert ist, gibt es in der Parchimer Region lediglich private Entsorger, die ihrerseits den Gewinn abschöpfen. Wegen entsprechender Konzessionen war der Landkreis Ludwigslust vor Gericht gegangen und hatte nach langen Auseinandersetzungen Recht und den Alleinentsorgerstatus bekommen. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim werde voraussichtlich wieder den Rechtsweg beschreiten, um dieses "Geschäft" nicht zu verlieren, kündigt Landrat Rolf Christiansen an.

Worin seinerseits der Altkreis Parchim die Nase deutlich vorne hätte und wegen der Dauer bestehender Ausschreibungsverträge noch bis Ende 2013 haben werde, ist der Sektor Grünschnitt. Hier sei vor Jahren ein Holsystem installiert worden, das mehr Kosten verursacht als es Nutzen bringt. Grünwaldt, dessen eigenständiger Betrieb schon jetzt die Aufgaben der Abfallwirtschaft im Altkreis Parchim wahrnimmt: "Da hat man sich in Parchim seinerzeit komplett verkalkuliert, was letztlich zu hohen Defiziten geführt hat." Ob das System beibehalten oder das flächendeckende Netz von Grünschnitt-Containern drastisch zurückgeschraubt werde, müsse die Politik entscheiden. Fest stehe, im Zusammenhang mit einer neuen Ausschreibung müssen Möglichkeiten aufgetan werden, die Verluste zu senken. Gleiches gelte für den Sektor Altpapier.

Wo die Müllgebühren 2013 liegen werden, wird von der Umsetzung jüngster Kreistagsbeschlüsse abhängen, die durch Neustrukturierung auf lange Sicht die Angleichung der bis heute grundverschiedenen Systeme verfolgt. In Vorbereitung ist die europaweite Ausschreibung der Leistungen der kreiseigenen Parchimer Entsorgungs GmbH (PEG), die jährlich etwa 11 000 Tonnen Haus- und Sperrmüll transportiert bzw. umschlägt. Das Verfahren werde Wochen dauern, sagt Grünwaldt, und rechnet mit neuer Auftragsvergabe Ende August/Anfang September. "Ziel ist eine schnelle Vertragsunterzeichnung, damit wir schnell von den Kosten in diesem Bereich runterkommen." Die derzeit hohen Preise würden hier vor allem aus einem überholten Umschlagsverfahren herrühren.

Kostenreduzierung, auch das sagt der Fachmann aus Ludwigslust, sei das Stichwort bei der Neustrukturierung der "Müllentsorgung" in Parchim, die mit Leistungsausschreibungen im kommenden Jahr bzw. nach 2016 einhergehen wird. Hier klaffe derzeit ein 770 000 Euro-Loch. 300 000 Euro könnten aus Rücklagen beglichen werden, die bis 2006 in Höhe von 2,8 Mio aufgelaufen waren, noch in diesem Jahr aber aufgebraucht sein werden. "Bleibt also ein tatsächliches Defizit von 440 000 Euro", rechnet Grünwaldt vor. "Für 2013 wollen wir eine so hohe Kostenunterdeckung verhindern, da die ansonsten komplett auf die Bürger umgelegt werden müsste." Und das täte dann richtig weh.

Um wieviel die Gebühren in Parchim ab 2013 aber steigen werden, ist noch unklar. Kalkulationen werden frühestens zum Kreistag im September vorliegen, sagt Grünwaldt. Momentan zahlen die Bürger in beiden Altkreisen annähernd gleich viel: z.B. für einen 120 Liter Behälter in Ludwigslust 38,40 Euro Grundgebühr/Jahr plus 5,60 Euro Entleerungsgebühr pro Tonne; in Parchim sind es 49,40 Euro plus 4,50 Euro. Politik und Verwaltung in Parchim hätten gewusst, dass sich die Müllentsorgungskosten nicht endlos aus Rücklagen subventionieren ließen. "Trotzdem hat man sich Jahre zurückgelehnt und nichts unternommen, um neue Strukturen zu schaffen", so Grünwaldt. Was sowohl er als auch Landrat Christiansen den damals Verantwortlichen vorwerfen, dass noch vor der Kreisfusion zum 31. Dezember 2011 auslaufende Verträge auf Jahre neu ausgeschrieben wurden. "Schon damals hätte man die Weichen für neue Verträge und kostenreduzierte Möglichkeiten nutzen können und müssen", so Grünwaldt. "Stattdessen erfahren wir nach andersgelagerten Gesprächen im Vorfeld aus Blättern von langfristigen Ausschreibungen", so Christiansen.

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