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Sommermuseum : Parchim mit Dörfern eine Macht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Recherchen für Sommermuseum bringen neue Erkenntnisse / Sonderschau öffnet am 7. Juli im Zinnhaus die Türen

Obwohl Wolfgang Kaelcke bereits zum zwölften Mal ein thematisches Sommermuseum vorbereitet, ist dieses aufwändige Projekt auch für den leidenschaftlichen Stadthistoriker immer wieder etwas Besonderes. „Zum Titel ,Parchims Kämmereigüter‘ gibt es diesmal den Zusatz ,Teil 1‘. Die Fülle des Materials macht es einfach unmöglich, das Thema in einer Sonderausstellung zu beleuchten“, sagt der Museumschef. Die Dimension der Problematik wird schon beim Blick auf eine Karte, die den Eingangsbereich des Sommermuseums zieren wird, deutlich.

Parchim hatte noch zum Ende des 19. Jahrhunderts eine räumliche Ausdehnung von 27 Kilometern in der Breite und zwölf Kilometern in der Tiefe und damit fast zweimal so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Zur Stadt Parchim gehörten seinerzeit auch die Kämmereigüter Damm, Gischow, Neu Gischow, Kiekindemark, Malchow, Damm, Matzlow, Neuburg, Paarsch, Rom, Schaltentiner Mühle, Slate, Stralendorf, Bergrade, Klockower Feld und später auch die Markower Mühle sowie die Stadtgüter Brunnen, Ziegelei, Trotzenburg, Frohnerei und Neuklokow. Die stattliche Parchimer Feldmark mit seiner Kämmerei erstreckte sich von den Großen Wiesen hinter Matzlow im Westen bis Gischow im Osten, Stralendorf im Norden und Slater Tannen im Süden. Wolfgang Kaelcke hat in den zurückliegenden Monaten nicht nur historische Dokumente studiert, sondern sich auch vor Ort umgesehen und umgehört. „Die einstige Zugehörigkeit zu Parchim ist im Bewusstsein der Menschen in den betreffenden Dörfern noch wach. Man hört nichts Negatives. Und vielfach ist nachzulesen, dass der Rat der Stadt seine Dörfer hoch geschätzt hat“, weiß Wolfgang Kaelcke zu berichten.

Für ihn uns seine Mitstreiter ist wichtig, dieses bis in die jüngsten Tage aktuelle Thema – gerade erst haben sich die Dammer für die Wiedereingliederung nach Parchim entschieden mit historischen Belegen interessant zu gestalten. „Dafür konnten wir zahlreiche Partner gewinnen. Als Beispiele seien der Ortschronist von Gischow, die Leiterin des Parchimer Stadtarchivs, die Mitarbeiter der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) Parchim oder die Museumsführerin des Pingelhofes in Alt Damerow genannt“, so der Museumschef.

Bemerkenswerte Erkenntnisse konnten über die wirtschaftliche Bedeutung der Kämmereigüter für die Stadt Parchim gesammelt werden. So war selbst für die Experten neu, dass es sich bei Stralendorf um eine „Kämmerei der Torfstecher“ gehandelt hat. Eine Original-Ortstafel von Stralendorf mit dem Zusatz „Stadt Parchim“ ist ebenso in der Sonderschau zu sehen wie Exponate der Tonindustrie und Fotos der einstigen Schalentiner Mühle, die bis vor wenigen Jahren einer bekannten Parchimer Familie gehört hat. Obwohl die Mühle unter Denkmalschutz gestellt worden war, konnte sie vor dem Verfall nicht gerettet werden.

Seit Wochen wird am Aufbau der Sonderschau gearbeitet. „Bis zum Eröffnungstag am 7. Juli um 11 Uhr ist auf jeden Fall alles fertig“, gibt sich Wolfgang Kaelcke zuversichtlich. Bis zum 31. August kann das Sommermuseum dann mit Unterstützung der Freunde des Heimatbundes und Parchimer Schüler täglich im Zinnhaus besucht werden. „Das dürfte für Parchimer und Bewohner der umliegenden Dörfer gleichermaßen interessant sein“, meint der Stadthistoriker. Er lädt insbesondere Schulklassen ein, die Woche vor und nach den Sommerferien für einen gemeinsamen Besuch zu nutzen. Und eins steht schon vor Beginn des seit Jahren erfolgreichen Museumsprojektes fest: Auf die Ausstellung „Parchimer Kämmereigüter / Teil I“ folgt in den kommenden Jahren auf jeden Fall „Teil II“. Vielleicht gehören dann schon weitere Dörfer im Parchimer Umland wie nun Damm wieder wie vor Jahrhunderten zur Kreisstadt.



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erstellt am 04.Jun.2014 | 14:14 Uhr

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