Bevölkerungsprognose bis 2030 : Parchim gehen die Bürger verloren

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Die reizvolle Kulisse der Kreisstadt kann nicht über schwerwiegende Probleme hinwegtäuschen.Wolfried Pätzold

Nun haben die Kreisstädter es schwarz auf weiß: Die Zahl der Parchimer wird in den kommenden Jahren weiter schrumpfen. Bis 2030 wird das Durchschnittsalter steigen und weiterhin Abwanderungen geben.

svz.de von
05. Januar 2013, 02:02 Uhr

Nun haben die Kreisstädter es schwarz auf weiß: Die Zahl der Parchimer wird in den kommenden Jahren weiter schrumpfen. Treten die Prognosen der Experten des Institutes für Stadtplanung und Sozialforschung ein, die im Auftrag der Stadtverwaltung die Entwicklung seit Jahren untersuchen, werden im Jahr 2030 womöglich nur noch 13 650 Einwohner in der heutigen Kreisstadt leben. Nachdem in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten bereits ein Einwohnerschwund von rund zehn Prozent (etwa 1500 Menschen) zu verkraften waren, soll der Abwärtstrend an Geschwindigkeit noch einmal zulegen. Die düstere Prognose geht sogar bis 2030 von einem Einwohnerverlust von bis zu 4350 Menschen (minus 24 Prozent) aus. Dabei ist Parchim kein Ausnahmefall für den Nordosten Deutschlands. Die Forscher haben für Mecklenburg-Vorpommern bei einem "mittleren Szenario", das den Namen "Stabilisierung" kaum verdient, einen Bevölkerungsrückgang von durchschnittlich 25 Prozent vorausgesagt.

Und es gibt weitere besorgniserregende Nachrichten: Parchim gehen nicht nur die Bürger verloren, sondern die verbleibenden werden auch altern. "Die Zahl der Kinder und Jugendlichen wird wieder zurückgehen. Die Gruppe der älteren Menschen wird die einzige Gruppe sein, die wächst. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird zudem auch fast 40 Prozent steigen", stellen die Forscher des Institutes fest.

Diese Entwicklung wird sich auf alle Bereiche des tägliches Lebens aus. Für den Arbeitsmarkt bedeutet es eine Entspannung. Auf Grund der sinkenden Zahl von Erwerbstätigen - die derzeit besonders stark besetzten Jahrgänge treten in den kommenden Jahren ins Rentenalter ein - wird es in Parchim zunehmend freie Arbeitsplätze geben. Die Experten fürchten sogar, dass dieser Trend später zu Engpässen bei der Besetzung freier Stellen führen könnte.

Schwer zu prognostizieren ist derzeit, ob die dadurch entstehenden Möglichkeiten für Zuwanderung auch zu einer wirtschaftlichen Belebung der Kreisstadt führen wird.

Ziemlich sicher sind sich die Forscher, dass wie in den zurückliegenden Jahren seit der Wende auch in Parchim weniger Menschen geboren werden als sterben. "2030 wird die Müttergeneration deutlich kleiner ausfallen. Auch wenn sich die Geburtenraten stabilisieren bzw. sogar leicht wachsen, werden die aktuellen Geburtenzahlen künftig immer seltener erreicht", sind sich die Mitarbeiter des Institutes sicher. Schließlich sei die Geburtenrate von 2,2 Kindern pro Frau, die bundesweit in den 70er Jahren galt, nie mehr erreicht worden. Im Moment liegt sie bei 1,5 Kindern pro Frau.

Eine wichtige Rolle wird auch künftig das Wanderungsverhalten spielen. Obwohl sich die Forscher überwiegend einig sind, dass Parchim pro Jahr weiterhin rund 100 Einwohner durch Abwanderung verlieren wird, gehen sie von zwei Möglichkeiten aus: Die Zahl der Umzüge wird geringer oder wird sogar durch Zuwanderung aufgefangen.

Die wenig erfreuliche Prognose, die auch viele Stadtvertreter keinesfalls überrascht haben dürfte, ist nun eine Art Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre. Auswirkungen sind für die Finanzausstattung der Kreisstadt, für den Wirtschafts- und Wohnungsmarkt und die passende Infrastruktur sind zu berücksichtigen.

Bürgermeister Bernd Rolly will gegenzusteuern. Er hat zum Jahresbeginn angekündigt, der Gemeinde Damm ein Eingemeindungsangebot zu unterbreiten (wir berichteten). Damit könnte sich die Einwohnerzahl der Kreisstadt auf einen Schlag um 533 Personen erhöhen. Nach ersten Gesprächen vor Ort ist sich Rolly sicher, dass nach fairen Verhandlungen beide Seiten profitieren werden. Und der Parchimer Bürgermeister stimmt mit den Stadtplanern überein, dass die vorgeschlagenen Kooperationen und Fusionen im Umland Vorteile, Chancen und Impulse für die Kreisstadt und die Region bringen. Bleibt abzuwarten wie sich das im nächsten Bericht zur Bevölkerungsentwicklung in rund drei Jahren widerspiegelt.

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