Parchim : PaNAk wurde zur Feuerwehr-Uni

Karl-Heinz Sauerbaum zeigte, was alles in einem modernen Löschauto steckt.
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Karl-Heinz Sauerbaum zeigte, was alles in einem modernen Löschauto steckt.

Parchims Wehrführer klärte vor der Nachwuchsakademie über Segen und Fluch des Feuers auf

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10. März 2016, 05:00 Uhr

„Feuer ist für die Menschen seit Jahrtausenden Fluch und Segen zugleich“, sagte Parchims Feuerwehrchef Bernd Schröder vor den Teilnehmern der Parchimer Nachwuchsakademie PaNAk. Im Atrium des Friedrich-Franz-Gymnasiums saßen die Mädchen und Jungen dicht gedrängt und lauschten den Worten Schröders.

„Erst mit dem Feuer konnten die Urmenschen vor rund 700 000 Jahren vor Christus sich wärmen, Nahrung kochen und damit das Leben lebenswerter machen – aber Feuer brachte auch Leid und Schaden“, erzählte der Wehrchef. Eine Feuerwehr gab es nicht und so vernichteten die Flammen das Hab und Gut.

Mit dem Entstehen von Siedlungen wurden die Schäden größer und Stadtbrände im Mittelalter vernichteten ganze Stadtteile. Damals entstand auch die Verordnung, dass ein Jedermann Löschwasser in Eimern bereit zu halten habe. Im Ernstfall wurden lange Menschenketten gebildet und das Löschwasser eimerweise an die Brandstelle gebracht. Dass das nicht effektiv sein konnte, war klar und so entstanden erste Feuerwehren. Allerdings waren diese noch sehr primitiv ausgestattet. Auf Bildern zeigte Schröder den PaNAk-Teilnehmern die damalige Ausrüstung wie die ersten Handdruckspritzen, die von Menschenhand und später von Pferden gezogen wurden. Die Nacht- und Turmwärter waren damals mit Fahnen und Laternen erste Feuermelder.

Auch in Parchim war dies nicht anders. Im 19. Jahrhundert gab es eine erste Pflichtfeuerwehr, die jedoch wieder einging. Erst der Großbrand 1893/94 führte zur Gründung der heutigen Freiwilligen Feuerwehr in der Kreisstadt. Auch wenn heute die Freiwilligen Feuerwehren den Grundstock der Brandbekämpfungseinheiten bilden, so gibt es in Mecklenburg-Vorpommern in den großen Städten Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Stralsund, Greifswald und Wismar Berufsfeuerwehren. In besonders großen Firmen kann es auch Werksfeuerwehren geben wie sie annähernd auf dem Parchimer Flughafen stationiert ist. Bei den Freiwilligen Feuerwehren allerdings besteht stets Bedarf an Menschen, die sich dieser Aufgaben widmen. „Deutschlandweit sind 1,3 Prozent der Bevölkerung in einer Feuerwehr aktiv. Das heißt, dass ein Kamerad für 74 Bürger zuständig ist. In Parchim sind es nur 0,3 Prozent und auf jeden Feuerwehrkameraden kommen 317 Einwohner – wir haben also noch viel Platz“, warb Schröder um Nachwuchs.

Nach dem ersten Teil der Vorlesung folgte der praktische Teil auf dem Hof des Gymnasiums. Feuerwehrmann Karl-Heinz Sauerbaum erläuterte die moderne Ausrüstung am Beispiel des neuen Hilfeleistungslöschfahrzeugs (HLF), das umfangreiche Technik zum Löschen, zur Hilfe nach Unfällen und für weitere Einsatzmöglichkeiten an Bord hat.

Derweil hatte Andy Geschinsky die praktischen Vorführungen vorbereitet. „Eine völlige falsche Annahme ist es, Feuer mit Wasser zu bekämpfen. Deshalb präsentieren wir einen Fettbrand und zeigen den Einsatz mit Feuerlöschern“, erzählt der Feuerwehrmann.

Geschinsky setzte einen Behälter mit Fett in Flammen und ließ dann mittels eines langen Sicherheitsseils Wasser auf das brennende Fett laufen. Im Bruchteil von einer Sekunde entstand eine riesige Stichflamme, die im Ernstfall die Küche und mitunter die gesamte Wohnung vernichtet. „Solche Fettbrände machen einen Großteil der Wohnungsbrände aus. Wasser ist das Gefährliche daran und wenn es auf dem Herd brennt, dann nehmt immer nur eine Decke und damit erstickt ihr die Flammen“, mahnte der Feuerwehrchef. Abschließend konnten etliche Teilnehmer die Feuerlöscher ausprobieren und merkten, dass man damit zwar schnell löschen kann, sich durchaus aber auch mit der Handhabung vertraut machen muss.

An dieser Veranstaltung der Parchimer Nachwuchsakademie nahmen indirekt auch die allerjüngsten Parchimer teil. Von der gegenüberliegenden DRK-Kita Kinderland gab es etliche Zaungäste, die das Geschehen auf dem Schulhof verfolgten.

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