"Pinselquäler" Walter Schreiber : Ostseemotive in Redlins Kunstscheune

Hobbymaler Walter Schreiber ist in der Scheunengalerie ein gefragter Gesprächspartner.Bernd Möschl
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Hobbymaler Walter Schreiber ist in der Scheunengalerie ein gefragter Gesprächspartner.Bernd Möschl

Trotz oder gerade wegen des total verregneten Samstags kamen Besucher zur aktuellen Vernissage sogar aus der Landeshauptstadt in die die urige Kunstscheune, denn Walter Schreiber ist unter Schwerinern kein Unbekannter.

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28. Mai 2013, 11:30 Uhr

Redlin | Dass die urige Kunstscheune der Familie Puhlmann immer mal einen Besuch wert ist, hat sich nicht nur bei den Nachbarn des kleinen Siggelkower Ortsteils an der Landesgrenze zu Brandenburg herumgesprochen. Trotz oder gerade wegen des total verregneten Samstags kamen Besucher zur aktuellen Vernissage sogar aus der Landeshauptstadt in das abgelegene Dörfchen.

Das mag zum einen sicher mit der Person und dem Wirken des ausstellenden Künstlers zu tun haben - schließlich ist Walter Schreiber unter Schwerinern kein Unbekannter. Andererseits erscheinen die ausgestellten Bilder des ambitionierten Hobbymalers in dem ländlich rustikalen Ambiente nicht nur den freundlichen Gastgebern besonders reizvoll. Seine in "handlichen" Formaten gemalten Landschaften entwickeln geradezu Strahlkraft vor dem Hintergrund der getünchten Lehmwände, die überwiegend vom Tageslicht der beinahe raumhohen Fenster beleuchtet werden.

In der Tat haben sich Helga und Hans Joachim Puhlmann nebst Töchtern Frauke und Silke sowie Freunden und Bekannten eine Menge einfallen lassen und ausschließlich mit bescheidenen eigenen Kräften und Mitteln realisiert, um das "geräumige Nebengelass" ihrer mecklenburger Wahlheimat als sympathisch einladendes Refugium für Kunst und Kunstgenuss in ländlicher Gemütlichkeit herzurichten. So haben sie jüngst beispielsweise einen Teil der Decke mit hellen Tüchern abgehängt und über der längsten Galeriewand eine schmale, transparente Überdachung als Schutz vor eventuell herab fallendem Vogelkot angebracht.

"Wir wollen die Tiere ja auch nicht aussperren, die hier mit uns leben, wo wir uns so unendlich wohl fühlen", sagte Helga Puhlman dazu. Die gebürtige Hamburgerin meinte nebenbei, dass ihre Liebe zu dem in den 1990er Jahren auf Urlaub kennengelernten Landstrich und seinen Bewohnern wohl auch familiäre Wurzeln habe, denn erst kürzlich habe sie erfahren, dass ihre Großmutter aus Mecklenburg stammte.

Walter Schreiber (Jahrgang 1946) - der künstlerische Gast und gefragteste Gesprächspartner der heutigen Vernissage - hingegen war, ist und bleibt Mecklenburger, selbst wenn es ihn oft und gern in die Ferne zieht. Ein mitgebrachter Minikatalog zeigt wie zum Beleg u.a. Motive aus Norwegen, Italien, von der Nordseeinsel Sylt, aus Serbien und Kroatien oder Bayern, die er zumeist nach Fotos daheim malte, wie er gestand.

Am liebsten male er aber direkt vor Ort - jedoch jedes (dem Schweriner noch so nahe liegende) Motiv wie etwa das Schloss jeweils "nur ein einziges Mal aus demselben Blickwinkel", betonte der Autodidakt, der allerdings in seinem jahrzehntelang ausgeübten Beruf als Graveur bereits mehr als einen Berührungspunkt zur Malerei hatte, die im Rentenalter sein Lebensinhalt wurde.

Die Begeisterung für sein kreatives Hobby - am liebsten umrahmt von schwungvoller Musik - gibt Walter Schreiber auch geradezu leidenschaftlich weiter, wie in den anregenden Gesprächen dieser Vernissage bzw. seit inzwischen vier Jahren in der von ihm gegründeten und ehrenamtlich geleiteten Malgruppe "Die Pinselquäler" im Freizeittreff , Wuppertaler Str. 53, unweit des Zoos von Schwerin. Freimütig und freudig gibt er den Interessierten Maltipps, wie man beispielsweise sein Werk aus Acrylfarben draußen gegenüber Witterungseinflüssen konserviert. Er warte damit nicht, bis es fertig ist, sondern bevorzuge das zeitnahe Besprühen mit transparentem Schutz auf kleineren Flecken gleich während der Arbeit gegenüber einer vollflächigen Nachbehandlung.

Walter Schreiber erläuterte auch gern seine selbst entwickelte Maltechniken anhand der ausgestellten Ostseemotive etwa vom Darß oder Rügen. Dabei war ihm besonders wichtig, die vor Ort erlebte und gefühlte Stimmung der Landschaft "in Struktur, Licht und Farben" möglichst authentisch "einzufangen".

Wie überzeugend ihm das gelang, kann jedermann noch bis zum 30. Juni in der Kunstscheune Redlin selbst beurteilen. Familie Puhlmann nebst ihren neugierigen Haustieren ist täglich außer dienstags und mittwochs (auf telefonische Anfrage 03872420696 aber auch dann) empfangsbereit und erfüllt bei Gelegenheit die aktuelle Ausstellung sogar mit Livemusik wie z.B. am kommenden Samstag, wenn ab 15 Uhr der junge Ziegendorfer Organist Johann Degel ein kleines Konzert in Redlin gibt.

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