Parchim : Ohne Rausch geht’s doch auch

Leonie und Telsa mixten Alkoholfreies
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Leonie und Telsa mixten Alkoholfreies

Suchtpräventionsabend an der Goetheschule / Trockener Alkoholiker spricht von seinen Erfahrungen

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24. November 2017, 21:00 Uhr

Es gehört schon was dazu, ein alkoholfreies Mixgetränk „Spring-Break“ zu nennen: Immerhin werden bei dieser freizügigen Semesterferienparty an den Stränden der USA die Tage oft im Vollrausch verbracht und auch die ein oder andere Schwangerschaft geht auf das Konto dieser Woche… Aber nicht heute! Der jungfräuliche und verdammt leckere Cocktail u.a. aus Maracujasaft wurde von Leonie und Telsa aus der Goetheschule zubereitet und verziert mit Zuckerperlen und garantiert fuselfreien Obstspießen. Der Themenabend „Suchtprävention für SchülerInnen und Eltern“, von den Schülern der achten Klassen aktiv mitgestaltet, hatte eine unmissverständliche Botschaft mit im Gepäck: Alkohol – kenn dein Limit. Umso erstaunlicher, dass die Aula nicht aus allen Nähten platzte. „Ich bin etwas traurig über die Resonanz“, gestand Lehrerin und Präventionsbeauftragte Silvia Frick. „Es hatten doch deutlich mehr zugesagt, als heute hier erschienen sind.“ So wurde es eben ein wenig gemütlicher für die anwesenden Eltern und deren Kinder.

Auch dabei Christin Tiedtke und ihre 13-jährige Tochter Lara aus der 7b. Diese hatte schon Präventionserfahrungen: „Wir haben uns einen Film im Unterricht angeguckt über einen Teenager, der sehr viel geraucht hat.“ Und das kann teuer werden. Auf den selbstgebastelten Wandzeitungen auch ein Plakat mit der Mitteilung, dass sich bis zu 1 500 Euro jährlich sprichwörtlich „ in Rauch auflösen“. Mutter Christin ist sich sicher, die Sache mit der Sucht werde „hier ganz anders rübergebracht, als wenn wir es zu Hause zum Thema machen würden.“

Eine ähnliche Sicht teilt auch Katja Ossenbrink, die für das Diakoniewerk Beratungs- und Therapiezentrum (gefördert durch den Europäischen Sozialfonds) heute hier war. „Es ist wichtig, auf einer Wellenlänge mit den Jugendlichen zu sein. Deswegen machen wir manche Gespräche alleine – ohne Eltern und Lehrer – denn so öffnen sie sich schneller. Da kommt dann auch mal rüber, dass z.B Nikotin ausprobiert wurde.“

Mithilfe von Rauschbrillen, die einen Alkoholgenuss von jeweils 0,8 und 1,5 Promille simulierten, durfte dann die gespielte Trunkenheit getestet werden. Da drehte sich bei manch einem der Kopf, doch der ein oder andere Hartgesottene schaffte das gerade Gehen auf der Linie problemlos.

Dass es im wirklichen Leben auch mal weniger glimpflich ausgehen kann, zeigte der Gast des Abends. Während die Eltern in einen separaten Raum geleitet wurden, erzählte Frank Plamp den Schülerinnen und Schülern von seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Alkohol. Er nahm sie mit auf die einzelnen Stationen seines früheren, gewaltvollen und von der Sucht geprägten Lebens. „Ich war ein hasserfüllter, rachsüchtiger Mensch“ warf er ein, der selber zwanzig Jahre im Gefängnis verbracht hatte. Mit 28 lernte er erst richtig lesen und schreiben. Im Rückblick ist er sich sicher: „Wenn man nicht gebildet ist, ist man leichter manipulierbar. Dann finden andere Leute den Weg für euch. Also: „Bildung, Bildung, Bildung!“ Die Jugendlichen beeindruckte er mit seinen lebensnahen Schilderungen: „Ich war richtig baff“, so Anja kurz nach dem Gespräch, in dem die Anwesenden auch Fragen stellen konnten. Mitschüler Colin sieht es so: „Er hat es locker und ehrlich rübergebracht.“ Mit diesen Eindrücken entließen Frank Plamp, Silvia Frick und Schulsozialarbeiterin Karin Hoffelner Jugendliche und Erwachsene in eine dunkle, garantiert stocknüchterne Nacht.

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