Parchim : Ohne Parteibuch in die Wahl

Treten gemeinsam als Wählergruppe für die Parchimer Stadtvertretung  an: Pierre Niezurawski (v.l.), Andreas Scharfschwert, Christian Hermann und Andreas Steuck.

Treten gemeinsam als Wählergruppe für die Parchimer Stadtvertretung  an: Pierre Niezurawski (v.l.), Andreas Scharfschwert, Christian Hermann und Andreas Steuck.

Vier junge Männer treten als „Unabhängige Bürger für Parchim“ bei der Kommunalwahl zur Stadtvertretung an

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27. Februar 2019, 14:40 Uhr

„Wir sehen es bei uns und im Freundeskreis: Viele wollen bauen, finden in der Stadt aber kein Bauland“, sagt Christian Hermann. Ein praktisches Problem, das junge Familien umtreibt. Nur eines der Probleme, das vier Freunde zum Anlass genommen haben, die Wählergruppe „Unabhängige Bürger für Parchim“ (UBfP) zu gründen und sich bei der Kommunalwahl im Mai für die Parchimer Stadtvertretung aufzustellen. Christian Hermann, Andreas Steuck, Pierre Niezurawski und Andreas Scharfschwerdt sind zwischen 29 und 37 Jahre alt, kommen beruflich alle aus dem Verwaltungsbereich.

Ausgangspunkt für die Gründung sei gewesen, dass viele Entscheidungen in der Stadtpolitik zu lange bräuchten, nicht weitsichtig genug seien oder zu intransparent zustande kämen. Dass etwa am Thema Bauland vieles hängt, unterfüttern die jungen Männer mit einigen Argumenten. „Wenn wir Fachkräfte suchen und wollen, dass große Unternehmen ihren Mitarbeitern gute Bedingungen bieten können, brauchen wir mehr Bauflächen“, so Christian Hermann. In den letzten fünf Jahren habe sich da in der Stadt kaum etwas bewegt.

Aber es gehe auch anders, so Andreas Scharfschwerdt mit Verweis auf das Beispiel Ludwigslust. „Die Stadt wartet nicht auf Entwicklungen, sondern geht in Vorleistung.“ Dort habe man bereits das zweite Baugebiet in der Entwicklung, während Parchim in Sachen Regimentsvorstadt nicht genug Platz für alle Interessenten bieten könnte.

Mehr Weitsicht in der Planung: Der Wunsch danach umfasst auch die Kindertagesstätten. Pierre Niezurawski dazu: „Es ist unattraktiv für junge Familien, nach Parchim zu ziehen, wenn man sich etwa ansieht, dass Kitas bis ins nächste Jahr restlos ausgebucht sind.“ Eine solche Belegung lasse keinen Spielraum mehr für ungeplante Mehrbedarfe.

Wichtig, so die Mitglieder der Wählergruppe, sei für die Stadtgesellschaft besonders das rege Vereinsleben. Allerdings ist auch dieses räumlich manchmal limitiert, zeigt das Beispiel Sporthalle am Fischerdamm. „Die Situation ist desolat. Als Verein bekommt man unter der Woche kaum eine Hallenzeit“, merkt Scharfschwerdt an. Andreas Steuck ergänzt, dass diese Situation mit einem Hallenneubau in der Regimentsvorstadt abgemildert werden könnte. Dass nach der einst zersplitterten Vereinslandschaft nun die Ehrenamtler weiter zusammenrücken, könnte von Seiten der Stadt zum Beispiel durch einen Vereinskoordinator unterstützt werden. „Denn schließlich haben die Vereine etwa bei Fördermitteln und Abrechnungen alle die selben Fragen“, so Scharfschwerdt.

Die Frage nach einer Schwimmhalle sehen sie eher kritisch. Beispiele für Einrichtungen, die sich rechnen, wie etwa in Bad Wilsnack, seien nicht kommunal finanziert. „Man sollte die Gestaltungsspielräume über die Kommunalfinanzen eher anders nutzen“, sagt Andreas Scharfschwerdt. Allein das Theater, so Christian Hermann, werde in den nächsten Jahrzehnten viel Geld brauchen. Auch eine leistungsfähige Kommune sollte sich nicht zu viel auf einmal aufhalsen.

Heiß diskutiert ist die Stadtentwicklung und die Frage, wie sich die verschiedenen Verkehrsarten verbinden lassen. „Unser Eindruck ist, dass bei Fragen der Verkehrsführung die Unfallschwerpunkte ausgeblendet werden“, so Andreas Steuck. Zudem würde zu isoliert nach einzelnen Stadtteilen gedacht. Ideen, wie sich Verkehr und Stadtplanung so verbinden lassen, dass der Durchgangsverkehr um die Stadt geführt und die Altstadt für Fußgänger besser erlebbar wird, gebe es genug. Allerdings müsse man dafür die althergebrachte Stadtplanung neu denken.

Den Anspruch der Unabhängigkeit wollen die vier jungen Männer aus Parchim und dem Ortsteil Slate selbstbewusst leben. Um Verbesserungen im Kleinen zu erreichen, gehöre es dazu, mit allen Parteien in der Stadtvertretung zu reden. „Aber die Stadt Parchim steht dabei für uns im Vordergrund und nicht das Parteibuch“, sagt Christian Hermann. Die Unterlagen, die bis zum 12. März bei der Wahlleitung vorliegen müssen, haben sie zusammen, jetzt müssen sie nur noch eingereicht werden. Auf Listenplatz 1 steht Christian Hermann, aber die Platzierung sei nicht entscheidend. Egal, wer in die Stadtvertretung gewählt wird, die Mitglieder wollen sich gegenseitig tatkräftig unterstützen.

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