Mestlin : Offen, spekulativ, subjektiv

Die aktuelle „Kunstlandschaft 7“ wird selbst zur Kunstlandschaft.
Die aktuelle „Kunstlandschaft 7“ wird selbst zur Kunstlandschaft.

Die „Kunstlandschaft7“: Aktuelle Ausstellung im Mestliner Kulturhaus zum Thema Landschaft wird selbst zur Kunstlandschaft.

svz.de von
23. Mai 2017, 12:00 Uhr

Mestlin baut auf. Seit Samstag ist das Kulturhaus Anlaufstelle von insgesamt zwanzig bildenden Künstlern aus Mecklenburg Vorpommern und aller Welt. Kurator der nun zum siebten Mal in Kontinuität stattfindenden Ausstellung “Kunstlandschaft” ist wie in den Jahren zuvor Andre van Uehm.

Die Handschrift des kuratierenden Künstlers, der in diesem Jahr drei eigene großformatige Fotowerke in Mestlin hängen wird, ist bereits im Stadium des Ausstellungsaufbaus heute klar erkennbar. Die erwählten Werke sind zumeist progressiv, unbekümmert setzen sie sich über die Klischees der hergebrachten Bildsprachen hinweg, muten an wie hochsubjektive Suchbewegungen nach einem ästhetischen Äquivalent zu unserer Zeit . Sie sind „progressiv”, das bedeutet meistens auch: ohne Netz und Rückversicherung. Mutig.

Die Werke, so weit sie jetzt, ein paar Tage noch vor der Vernissage, die von der Zeit bereits flächig und fleckig grundierten Wände des alten Kulturhauses ergänzen, sind meist gegenständlich, aber manchmal bis hart an die Grenze des noch Identifizierbaren abstrahiert. Zwischen der Fast-Auflösung des Gegenständlichen, wie in den großformatigen Landschaftsbildern von Karin Camara, und einer pseudorealistischen Überhöhung in den betont plakativen, konstruierten Landschaftsausschnitten von Martin Koroscha erstreckt sich das Spektrum zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit in dieser Schau. Wer dargestellt haben möchte, wie Landschaft real irgendwo aussieht, sollte in Fotobänden blättern, dies zu zeigen, ist nicht mehr der Sinn von Kunst.

Van Uehm hatte seine Mestliner Ausstellungen zuletzt unter spezielle Themen gestellt. In den beiden vergangenen Jahren waren es Nachhaltigkeit und Verschwendung. In diesem Jahr lautet das Thema bloß „Landschaft”. Als „Kunstlandschaft” meint der Begriff natürlich auch die Geographie des gegenwärtigen Kunstschaffens vornehmlich – aber nicht nur – in unserer Region.

Nicht alle Kunstwerke, die sich in der Schau präsentieren, sind so eindeutig wie rätselhaft Spiegelungen subjektiver Empfindungen wie Camaras bereits erwähnte, ganz zart angedeutete Landschaften. Oder wie die in der Mitte des Ausstellungsbereichs direkt gegenüber von Camara hängenden, im Ausdruck hochemotionalen Bilder von Jürgen Weber aus Rostock. Denn wieder stellt sich die „Forschungsgruppe Kunst” mit einer Installation vor, die, eindeutig umweltpolitisch orientiert, gegen Überlegungen auftritt, nunmehr auch das Element Wasser in ein verkäufliches Gut zu verwandeln. „OCEAN TO HOME” zeigt auf einer Art Verkaufstisch beispielhaft die Ware Wasser aus den fünf Ozeanen der Erde. Frei nach Wahl dürfen Anteile gekauft werden. Auch Angela Preusz` große Installation „Vegetation 2017” arbeitet umweltpolitische Aussagen heraus. Jetzt geht es um das Element Erde. Bodenversiegelung und mithin die „Verinselung von Landschaften” sind Thema der sinnigerweise auf dem Boden ausgebreiteten Anlage der Künstlerin aus Jülchendorf.

Und ansonsten: Es kann hier nur angedeutet werden, was die Kunstlandschaft an Formen, Techniken, Inhalten alles bereithält. Da sind noch die vielschichtig verwobenen Email-Arbeiten von Takwe Kaenders aus Augzin, gegenüber an der Wand aber auch schon wieder das blanke Gegenteil, die exakt ausgeschnittenen und komponierten Linoleumbilder der Anne Sewcz: Himmel, Erde und Segelboote aufgelöst in reine Geometrie. Betritt man den angrenzenden Raum, so grünt es grell vor Augen. Hier hängen die Bilder von Felix Fugenzahn, poppig, grob verwoben zwar auch, jedoch ist jede Figur, jede Fläche schwarz umrandet. Auch ohne Figuren oder Gegenstände zu zeigen, signalisiert diese Malerei Comic-Style. Ausdrücklich kann der Besuch der interessanten, sehenswerten Ausstellung mit ein bisschen Zeit zum gründlichen Grübeln empfohlen werden. Zu Christi Himmelfahrt (25. 5.), elf Uhr, ist Vernissage und Eröffnung, anschließend ist jeweils am Wochenende von 11 – 17 Uhr geöffnet, ebenso Pfingstmontag. Der letzte Ausstellungstag ist der 18.6.

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