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Renaturierung an der Mittleren Elde : Ökokonto soll Investitionen retten

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Renaturierung der Warnow in Grebbin stockt wegen Genehmigungsverfahren für Windräder

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 10:39 Uhr

Mehr Tempo für Investitionen in naturnahe Bäche im Parchimer Umland: Die Geschäftsführung des Wasser- und Bodenverbands Mittlere Elde schlägt den Gemeinden im Parchimer Umland die Bildung eines Ökokontos vor, um einen Hemmschuh bei der Finanzierung zu beseitigen.

Für jeden Eingriff in die Landschaft müssen Investoren Ausgleichsmaßnahmen erbringen. Das nutzt der in Parchim ansässige Wasser- und Bodenverband bereits heute aus, damit marode Wehre an den Wasserläufen durch ökologisch wertvolle Fischaufstiege ersetzt werden können.

In diesem Jahr ist beispielsweise der Bau von zwei Fischaufstiegen in der Mooster in Suckow und Tessenow geplant, erfährt SVZ von Uwe Zöllner, Geschäftsführer vom Wasser- und Bodenverband. Die neuen Bauwerke sollen zwei Wehre aus den 1960er- und 1970er-Jahren ersetzen.

Der überwiegende Teil der Baukosten wird durch Fördermittel getragen - von der Europäischen Union, vom Bund und vom Land. Die Kommunen müssen jeden zehnten Euro der Bausumme aufbringen. Das ist allerdings angesichts der klammen Gemeindekassen kaum noch möglich. Die Lösung: Der kommunale Eigenanteil für die beiden Fischaufstiege an der Mooster wird von den Investoren des Windparks in Suckow getragen. Dazu wurde ein Vertrag geschlossen.

Geplant ist in diesem Jahr auch der Bau einer Fischtreppe am Roten Bach an der alten Wassermühle in Slate. Hier soll ein defekter Durchlass ersetzt werden. Allerdings gibt es für dieses Projekt Probleme mit der Kofinanzierung. Denn hier sollten Ausgleichsgelder von der Deutschen Bahn kommen - im Gegenzug für Eingriffe in die Natur beim Ausbau der Eisenbahnstrecke Waren-Parchim auf 100 km/h. Statt über Bahnausbau wird bekanntlich derzeit über die Stilllegung der Strecke gesprochen. Damit steht auch der Bau des Fischaufstiegs in der Schwebe. Denn es fehlt der Eigenanteil.

Auch in Grebbin stockt ein Wasserbauprojekt. Hier soll die Warnow, die gleich hinter dem Quellteich in unterirdischen Rohren verschwindet, wieder an die Oberfläche geholt werden und durch das Dorf plätschern. Der von der Gemeinde zu tragende Anteil hängt allerdings an einer anderen großen Investition. Nämlich am Repowering, sprich der Erneuerung und Erweiterung des Windparks in Grebbin. Gegen das Projekt der Investoren gab es Klagen. Es wurden weniger Windkraftanlagen genehmigt. Damit fehlen auch die Ausgleichsgelder für den Eigenanteil der Kommune am Wasserbauprojekt.

Damit geplante Wasserbauten nicht mehr direkt am Genehmigungsverfahren der Investoren von Windrädern und anderen Projekten hängen, schlägt die Geschäftsführung des Wasser- und Bodenverbands Mittlere Elde der Verbandsversammlung, die noch in diesem Monat zusammenkommt, die Einführung des Öko-Kontos vor. Zöllner erklärt zum Vorschlag: Der Verband finanziert den kommunalen Eigenanteil vor und bietet die Ausgleichsmaßnahmen in Form von Öko-Punkten potenziellen Investoren an. Es handele sich um ein Modell, das beispielsweise auch in der Landesforst angewandt wird.

Die Wasserbauprojekte verbessern die Chancen für die Tier- und Pflanzenwelt in und an den Bächen. Der Wasser- und Bodenverband Mittlere Elde erneuert seit dem Jahr 2008 Sperrbauwerke und gewährleistet, dass die Gewässer durchlässig für Fische und andere Wasserlebewesen werden. Gleichzeitig werden die Staue so modernisiert, dass der Wasserrückhalt weiter gewährleistet wird. Wo es möglich ist, werden zudem verrohrte Gewässer geöffnet und naturnah gestaltet. Wobei die Herausforderung darin besteht, den Naturschutz und die Interessen der Landwirte, die die umliegenden Flächen bewirtschaften, in Einklang zu bringen.

Investiert wurde u.a. in eine Sohlgleite im Wockertal in Parchim, im Roten Bach in ein Umgehungsgerinne in Godems und den Rückbau eines Wehrs in Paarsch.

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