Parchim : Obdachlos, aber nicht einsam

Eine ganz eigene Sicht auf das Gorki-Drama „Nachtasyl“: Arbeitslose schrieben das Stück um und führten es jetzt auf. Fotos: Michael-Günther bölsche
Eine ganz eigene Sicht auf das Gorki-Drama „Nachtasyl“: Arbeitslose schrieben das Stück um und führten es jetzt auf. Fotos: Michael-Günther bölsche

Arbeitslose bringen ihre Version von Gorkis „Nachtasyl“ auf die Bühne

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23. Februar 2018, 20:30 Uhr

„Alle für einen,
jeder für sich“ heißt die neueste Inszenierung der Projektfabrik aus Witten, die vor ausverkauftem Hause in der Parchimer Tanzschule von Andreas Röber Premiere feierte. Der Clou: Arbeitslose studierten das anspruchsvolle Drama „Nachtasyl“ frei nach Maxim Gorki ein.

„Das ist ein Experimentierfeld mit sehr gutem Ausgang“, sagte Martin Kreidt, der künstlerische Leiter der Projektfabrik Witten bei der Begrüßung der vielen Besucher anlässlich der Premiere im Tanzcenter am Bahnhof. Gemeinsam mit dem Jobcenter und der Deutschen Angestelltenakademie probten die Teilnehmer seit September vorigen Jahres, erarbeiten Texte und studierten sie ein. Ausgangspunkt war Maxim Gorkis „Nachtasyl“ – jedoch in einer ganz eigenen, sehr freien Fassung.

Die Regie führte Sigrid Maria Schnückel. „Die Laiendarsteller sind aktiv an der Erarbeitung der neuen Texte und Handlungen beteiligt“, sagt die Regisseurin. Doch was sich jetzt so leicht liest, war anfangs gar nicht so einfach.

„Es bedeutet für einige Teilnehmer, eine Schallmauer zu durchbrechen, es braucht viel Mut des Einzelnen“, sagt Martin Kreidt von der Projektfabrik und fragt in die Zuschauerrunde, ob sich von ihnen welche trauen würden, auf die Bühne zu gehen. Die Antwort war lachendes Kopfschütteln…

Viele Lacher und dazu immer wieder Szenenapplaus: „Nachtasyl“ kam ohne Frage beim Premierenpublikum gut an, die Leistungen der Darsteller beeindruckten. Trotz der ernsthaften Problematik des Klassikers kam der Humor in dieser Parchimer Fassung nicht zu kurz. Die Geschichte spielt wie im Original in einem Obdachlosenheim. Dort kommt es zu Streitereien, jeder beansprucht seinen Platz in der Gruppe. Dabei war keine der auftretenden Personen im früheren Leben „etwas Besseres“.

Selbstständige Handwerker sind neben anderen aus den unterschiedlichsten Gründen jetzt im Obdachlosenheim gelandet. Aber ihre Träume haben sie nicht aufgegeben. Ganz nach dem Motto „Alle gemeinsam, jeder für sich“ halten sie doch zusammen und hoffen auf bessere Zeiten.

„Hier in Parchim finden wir seit Jahren ideale Bedingungen vor, das Umfeld stimmt und es gibt ein tolles Team“, lobt der künstlerische Leiter der Projektfabrik. Besondere Unterstützung leistet nach seinen Worten das Jobcenter Ludwigslust-Parchim. Die gemeinnützige Projektfabrik aus Witten hat neben Parchim noch in Itzehoe, Welsheim und in Berlin- Kreuzberg derartige Projekte gestartet.

In den kommenden Wochen folgen nun Praktika der Laiendarsteller in verschiedenen Einrichtungen. Sie werden die neuen Herausforderungen sicherlich dank der gemachten Erfahrungen bei diesem Projekt selbstbewusster angehen und meistern.

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