Parchim : Nur eine Bahnhofstraße bleibt

Zieslübbe: Diese Straße soll auch weiterhin Bahnhofstraße heißen.
Foto:
1 von 2
Zieslübbe: Diese Straße soll auch weiterhin Bahnhofstraße heißen.

Post drängt Gemeinden, doppelte Straßennamen zu ersetzen. Drei Gemeinden im Parchimer Umland stimmen dafür, drei sind dagegen.

von
17. Juni 2016, 05:00 Uhr

Viele Familien im Parchimer Umland sollen eine neue Adresse bekommen, weil es den Namen ihrer Straße zweimal in der Kommune gibt. Die Gemeinden Obere Warnow, Spornitz und Domsühl haben bereits Straßenumbenennungen beschlossen – vor allem auf Drängen der Post und auf Anraten der Kommunalaufsicht des Kreises. Andere Gemeinden machen dagegen Front.

„Wir lassen uns nicht erpressen“, sagt Dr. Volker Toparkus, Bürgermeister von Rom. Die Gemeindevertretung Rom hat wie auch Stolpe und Karrenzin eine Beschlussvorlage zur Straßenumbenennung abgelehnt. In der Gemeinde Rom kommt der Name „Ausbau“ dreimal vor – in Lancken, Stralendorf und Darze. Es gibt zwei Hauptstraßen - in Lancken und Stralendorf. Jedes Navi-System finde diese Adressen, so Toparkus. Anlieger fragten nach Konsequenzen durch Umbenennungen: Wer zahlt für den Aufwand der Bürger?

Die Domsühler Gemeindevertreter haben sich für die Abschaffung doppelter Straßennamen ausgesprochen. Es gibt künftig u.a. keine zwei Bahnhofstraßen mehr. In Zieslübbe bleibt der Name, in Domsühl wohnen die Bürger bald in der Alten Bahnhofstraße. Man wolle nicht riskieren, dass im Notfall ein Rettungswagen, der zur Bahnhofstraße in Zieslübbe gerufen wird, in gleichnamiger Straße in Domsühl landet, so Bürgermeister Hans-Werner Beck. Er weiß auch von Einzelfällen, dass Postsendungen wegen gleicher Straßennamen an der falschen Adresse gelandet sind.

Die Post brachte offenbar auch den Stein ins Rollen. Eine Information des Amtes Parchimer Umland an das Unternehmen, dass sich Klinken, Raduhn und Matzlow-Garwitz zur Gemeinde Lewitzrand zusammengeschlossen haben, machte die Deutsche Post hellhörig. Gab es doch jetzt in der größeren Gemeinde gleiche Straßennamen. Die Post forderte Veränderungen.

Martin Grundler, Sprecher des Unternehmens, erklärte: Hier werde postalisch nur das nachvollzogen, was die Politik beschlossen hat. In den Post-Datenbanken werde mit Gemeindenamen, nicht mit den Ortsteilen gearbeitet. Ein einheitlicher Standard sei wichtig, um große Mengen Briefe und Pakete schnell ans Ziel zu bringen.

„Die Post ließ nicht mit sich reden“, sagt Christiane Schirdewahn, Hauptamtsleiterin im Parchimer Umland. „Wir sind selbst damit nicht glücklich.“ In der Begründung der Beschlussvorlagen für die Gemeinden ist auch zu lesen: Die Rechts- und Kommunalaufsicht des Landkreises mache darauf aufmerksam, dass aufgrund von doppelten Straßennamen in einem Schadensfalls der Haftpflichtdeckungsschutz ausgeschlossen sein kann. Das bestätige der Versicherer der Gemeinden.

Gibt es etwa durch gleiche Straßennamen Probleme für Rettungswagen? Christiane Schirdewahn erkundigte sich in der Leitstelle. Antwort: Rettungsfahrzeuge erreichen zuverlässig ihr Ziel. Dennoch schätze man dort ein, dass zukünftig bei gleich lautenden Straßennamen in größeren Gemeinden Umbenennungen nicht zu vermeiden seien.

(Einzelheiten zu bereits beschlossenen Umbenennungen von Straßen in der Parchimer Region finden Sie in der Printausgabe und im E-Paper)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen