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SVZ-Serie zur Herkunft unserer Lebensmittel : Nur 13 Cent pro Weizenbrot für Bauern

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"Hier kann man 80 Doppelzentner erwarten". Der Weizen steht gut auf dem Feld der Löbel KG am Ortsrand von Mustin. Auf 260 Hektar des Mustiner Landwirtschaftsbetriebes wächst der Rohstoff für Brot und Brötchen heran.

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erstellt am 10.Jul.2013 | 07:13 Uhr

Mustin | "Hier kann man 80 Doppelzentner erwarten", sagt Berthold Löbel. Der Weizen steht gut auf dem Feld der Löbel KG am Ortsrand von Mustin. Auf 260 Hektar des Mustiner Landwirtschaftsbetriebes wächst der Rohstoff für Brot und Brötchen heran. Bis zur Ernte im August sind es nur noch ein paar Tage. Dann gibt es die Belohnung für die Arbeit von vielen Monaten.

Löbel baut Winterweizen an. Der braucht fast ein Jahr von der Aussaat im September bis zur Ernte im August. Und passt in die Fruchtfolge in dem Betrieb. Auf den Feldern, wo jetzt der Weizen reift, wuchs im Vorjahr Raps. Wenn der Weizen abgeerntet ist, kommt hier Gerste in den Boden. Zwischendurch ist die Bodenbearbeitung entscheidend. Nach dem Dreschen und Bergen des Strohs werden die Stoppel mit der Scheibenegge umgebrochen und so mit Boden überhäuft. So können die Körner, die bei der Ernte herunterfallen, sowie Unkräuter auflaufen. Erst danach wird der Boden für die neuen Kulturen hergerichtet. So wird das frisch bestellte Feld nicht gleich wieder von Unkraut überzogen. Diese Arbeitsweise spart Pflanzenschutzmittel.

Der Landwirt ist daran interessiert, die Saat möglichst früh in den Boden zu bringen. Mit dem Drillen des Winterweizens begann Berthold Löbel im Vorjahr Anfang September. Der Vorteil der frühen Aussaat ist, dass sich die Wurzeln besser verzweigen können und so meist weniger Samen gedrillt werden müssen. Im Herbst gibt es auch die erste Gabe Pflanzenschutzmittel. Um Schädlinge und Pilze abzuwehren, wird der Weizen drei- bis viermal im Jahr mit Herbiziden oder Fungiziden behandelt.

"Es war ein vernünftiges Jahr", blickt Löbel zurück. Der Winter konnte dem Getreide auf den Mustiner Feldern in diesem Jahr nichts anhaben. Bis 20 Grad Minus kann der Weizen vertragen. Gibt es dagegen Kahlfröste von minus 25 Grad, müssen zuweilen Bestände umgebrochen werden. "Liegt Schnee drauf, ist die große Gefahr vorbei", sagt Löbel. Und den gab es im letzten Winter genug. Einzige gefährliche Periode war das frühlingshafte Wetter Ende Februar, als der Boden antaute. Danach gab es bekanntlich noch einmal eine lange Kälteperiode. "Die Bestände sehen gut aus", sagt Löbel heute. "Obwohl die Vegetation spät in Gange kam. Man kann mit einer guten Ernte rechnen." Nur einen kleinen Makel gab es: "Es hätte wärmer sein können", so der Landwirt.

Eine längere relativ kühle Phase hat auch zu Verzögerungen bei der Entwicklung der Getreidesorte geführt, die traditionell vor dem Weizen gedroschen wird: bei der Gerste. In normalen Jahren wird sie etwa ab dem 15. Juli geerntet, erklärt Löbel. In diesem Jahr rechnet er damit ab dem 25. Juli. "Dadurch ist Hektik vorprogrammiert", weiß der Mustiner Landwirt. Denn durch diese zehn Tage Verzögerung müssen bei verschieden Kulturen mehrere Arbeiten gleichzeitig erledigt werden. Einschließlich Bestellung. Spätestens zum 15. bis 20. August soll schon wieder der neue Raps in den Boden.

Vor der Ernte des Getreides kommen die derzeit herrschenden sommerlichen Temperaturen den Bauern gerade recht. Auch wenn Ähren schon gelblich sind, sei der Stängel noch grün, so Löbel: "Wir brauchen Wärme, damit das Stroh reif wird." Das hat mehrere Gründe: Trockene Halme schneiden sich besser. Außerdem werden die Halme beim Dreschen mit zerquetscht. Wenn sie zu nass sind, wirkt sich das auch auf die Feuchtigkeit der Körner aus. Und schließlich will Löbel das Stroh auch einlagern - als Futter und zum Einstreuen für die 750 Rinder im Betrieb.

Damit der Weizen in die Nahrungsmittelkette kommen darf und der Bauer ihn am Ende nicht nur als billigeres Futter los wird, ist Trockenheit wichtig. Die Feuchte darf höchstens 14,5 Prozent betragen, sagt Löbel. Weitere entscheidende Parameter: Der Proteingehalt muss bei diesem Brotgetreide bei 13 Prozent (A-Weizen) bzw. zwölf Prozent (B-Weizen) liegen. Wichtig ist zudem, dass wenig Unkräuter sich zwischen den Weizen verirrt haben und dass auch nur ein geringer Teil der Körner gebrochen werden. "Ich muss Qualität liefern", sagt Löbel. Sonst muss er mit Abschlägen rechnen: Statt 16 Euro vielleicht nur 13 Euro pro Doppelzentner. Nach einem besonders schlechten Jahr, wo sich der Weizen nur verfüttern lässt, kann der Preis bis auf zehn Euro sinken. Dabei hat Löbel, so wie andere Landwirte auch, bereits jetzt einen Teil der künftigen Ernte verkauft - ca. ein Drittel sind es beim Weizen.

Was die Landwirte bekommen, spielt für den Brotpreis indes kaum eine Rolle. Löbel rechnet vor: Etwas mehr als 300 Körner werden pro Quadratmeter gedrillt. Das sind weniger als 15 Gramm. Dazu kommen im Jahresverlauf 43 Gramm Dünger und 0,18 Gramm Pflanzenschutzmittel. Daraus wachsen 800 Gramm Weizen heran - genug für ein Kilogramm Brot. 13 Cent erhält der Bauer für dieses Korn, 2,50 Euro kostet das fertige Brot im Geschäft.

Wobei das Mehl aus diesem Mustiner Getreide kaum in Mecklenburger Bäckereien zu finden ist, sondern teils per Schiff auf weite Reise geht - zum Beispiel nach Nordafrika. Denn wie andere Landwirte auch verkauft Löbel seinen Weizen an Getreidehändler. "Wenn es vom Hof ist, macht der Händler, was er will", erklärt Löbel. Alles komme letztlich auf einen großen Haufen. Es sei unmöglich herauszufinden, wo das Korn herkommt.

Vor Jahren gab es noch in Parchim eine Mühle, in der Getreide aus der Region vermahlen wurde, sagt Heike Kasten vom Kreisbauernverband Parchim. Bis dahin konnte man noch - anders als heute - Mehl aus der Region erwerben.

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