Flüchtlinge in MV : Notunterkünfte haben ausgedient

Dargelütz
Dargelütz

Größere Kapazitäten auf Landesebene machen Schließung kleinerer Einrichtungen wie Dargelütz und Hagenow möglich.

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18. November 2015, 17:08 Uhr

Die Flüchtlings-Notunterkunft Dargelütz bei Parchim mit 45 Plätzen wird nicht mehr vom Land genutzt. Aktuell sind dort keine Flüchtlinge mehr untergebracht. Das bestätigte gestern Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums MV. Das betrifft auch die kleineren Notunterkünfte in Heidhof (80 Plätze) und Hagenow (50 Plätze). Die Zahrensdorfer Einrichtung ist bereits rückübergeben worden, bei den anderen steht das bevor. Sie werden wohl dem Landkreis zur Nutzung angeboten. Das habe die aktuelle Entwicklung möglich gemacht.

„Es gehört zu unserem Gesamtkonzept, kleinere Notunterkünfte zu schließen“, erklärt Marion Schlender, „weil wir die Flüchtlinge in größeren Einrichtungen wie Basepohl und Fünfeichen und bis gestern Mühlengeez unterbringen.“ Außerdem seien die Verfahren beschleunigt worden, hier helfe zum Beispiel eine zweite Aufnahmestrecke in Stern Buchholz bei Schwerin. Marion Schlender: „Es war immer klar, dass wir die Notunterkünfte zum frühestmöglichen Zeitpunkt schließen wollen, weil sie als vorübergehende Lösung gedacht waren.“

Das Land wird die Kapazitäten der Erstaufnahme auf insgesamt 4000 Plätze erhöhen. Ziel ist es, Menschen ohne Bleibeperspektive zukünftig nicht mehr auf die Kommunen zu verteilen und abgelehnte Asylbewerber direkt aus Einrichtungen in Landeshoheit zurückzuführen.

Bei der Parchimer Tennishalle mit 80 Plätzen ist die Sache anders. Sie dient nicht dem Land, sondern dem Kreis als Unterkunft. Landrat Rolf Christiansen (SPD): „Die Übergangsunterkunft des Landkreises in der Tennishalle in Parchim wollen wir noch vor Weihnachten durch die Schaffung einer neuen Einrichtung, die dann auch als Puffer vorgehalten werden soll, ablösen.“ Welches die neue Einrichtung sein könnte, darüber gibt es noch keine verbindlichen Aussagen. Der Termin steht aber.

Landrat Rolf Christiansen skizziert die momentane Lage: „Aktuell sind dem Landkreis 1650 Flüchtlinge und Asylbewerber zugewiesen. Davon sind etwa 1180 dezentral, also außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften, untergebracht. Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende 2016 ca. 2000 Hilfesuchende im Landkreis unterbringen müssen.“ Dazu kommen mit Stand Ende Oktober 323 unbegleitete minderjährige Ausländer, die auch weiter in Dargelütz betreut werden.

Die Gemeinschaftsunterkünfte in Parchim (200 Plätze) und Ludwigslust (263 Plätze) sind belegt, der Landkreis hat zurzeit ca. 250 Wohnungen mit über 1220 Plätzen angemietet, hiervon sind ca. 820 Plätze belegt.

Christiansen: „Wir werden laufend weitere Wohnungen anmieten und prüfen die Einrichtung einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft außerhalb der Städte Parchim und Ludwigslust. Wir bekommen nach wie vor Angebote für Wohnraum und gehen jetzt auch selbst auf Akquise.“ Bei einigen Angeboten sei aber von Anfang an deutlich, dass hier jemand schnell einen Euro verdienen wolle. Der Landrat: „Es gibt einen Rahmen in dem wir uns bei Mieten bewegen. Wer also meint, schnell reich werden zu müssen, ist bei uns an der falschen Adresse.“

Mittlerweile ist auch der Verwaltungsstab der Kreisverwaltung Ludwigslust-Parchim unter Leitung von Andreas Scharfschwerdt aufgelöst worden, der sich mit betroffenen Fachdiensten um die Unterbringung der Flüchtlinge gekümmert hat. „Es war eine ungewöhnliche Herausforderung“, sagt Scharfschwerdt, „jetzt übernehmen die Fachdienste die Aufgaben.“ Anfangs mussten die Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit völlig neue Lösungen finden, um dem Ansturm an Flüchtlingen gerecht zu werden. Sie mussten Notunterkünfte verfügbar machen, die medizinische Versorgung inklusive Erstuntersuchung organisieren. Das verläuft jetzt alles in geordneteren Bahnen.

Es bleibt nicht einfach. Aber: „Es kann in den bestehenden Strukturen bearbeitet werden“, so Andreas Scharfschwerdt. Auch sind teils neue Aufgabengebiete geschaffen worden, zum Beispiel ein Fachgebiet Wohnungsmanagement innerhalb des Fachdienstes Soziales. Das große Thema der Zukunft ist für Scharfschwerdt die Integration der Flüchtlinge, die im Landkreis bleiben. Kreis und andere Institutionen seien hier gefordert.

„Wir sind wie bisher unglaublich auf das Ehrenamt angewiesen“, betont Kreissprecher Andreas Bonin.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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