Praxen schließen : Not mit den Hausärzten in Parchim

Wer verschreibt die Medizin?  Die Suche nach einem Hausarzt wird schwieriger.
Wer verschreibt die Medizin? Die Suche nach einem Hausarzt wird schwieriger.

Eine weitere Praxis in der Kreisstadt schließt: Für Patienten wird es immer schwieriger, einen Hausarzt zu finden

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18. März 2016, 06:30 Uhr

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits einige Allgemeinmediziner ihre Praxis ohne Nachfolger aufgegeben hatten, wird die Suche nach dem Arzt jetzt noch schwieriger.

Zum 31. März beendet wieder eine Hausärztin ihr Arbeitsleben in Parchim. Leider reiche ihre Kraft nicht mehr, schreibt sie in einem Brief an ihre Patienten. Es sei ihr nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden. „Ich habe meine ärztlichen Kollegen wegen Ihrer Weiterbehandlung um Zusammenarbeit gebeten“, schreibt die Ärztin an die Patienten. „Ich weiß aber auch, dass jeder von ihnen bereits viel zu tun hat.“

Das bekam eine SVZ-Leserin zu spüren. Mit einer Liste von Allgemeinmedizinern suchte sie einen neuen Arzt. Bisher vergeblich. Bei drei Ärzten erhielt sie die gleiche Antwort: Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Bei einem vierten verkündete schon ein Schild, dass die Praxis in ihrer Kapazität erschöpft ist. Der Frau wird Angst und Bange. „Ich brauche dringend Medikamente. Ich nehme Betäubungsmittel.“ Wer schreibt ihr ab April die Rezepte aus?


Die Lage hat sich verschäft


Sabine Piesker, Leiterin der Caritas-Sozialstation in Parchim, kennt das Dilemma durch die jüngste Praxisschließung auch von etlichen Menschen, die dieser Pflegedienst betreut. „Wir sind beim Rudern, dass wir unsere Patienten unterbringen.“ Die Situation habe sich in Parchim verschärft, da in den vergangenen Jahren mehrere Praxen keinen Nachfolger gefunden haben. „Es ist eine Katastrophe“, meint sie.

Unsere Leserin hatte sich auch an ihre Krankenkasse gewandt, ob die ihr einen Arzt vermitteln kann. Keine Chance. Sie war auch nicht die einzige, die von vergeblicher Arztsuche berichtete.

Hans-Werner Beck von der Barmer in Parchim spricht von einem generellen Problem, da es zu wenig Ärzte gibt. Sobald eine Praxis ihren Dienst beendet, tritt das Dilemma neu zu Tage. Dabei weiß er, dass gerade viele ältere Leute extra nach Parchim gezogen sind, um nahe am Arzt zu sein. Die Krankenkasse habe auf das Niederlassungs- und Zulassungsverfahren von Ärzten keinen Einfluss, erklärt Beck.

Hier ist die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) gefragt. „Zu unser aller Sorge macht der demografische Wandel auch vor den Ärztinnen und Ärzten nicht Halt“, erklärt KVMV-Sprecherin Kerstin Alwardt. Betroffen davon sei auch die Fachgruppe der Hausärzte. Deshalb werbe die Kassenärztliche Vereinigung M-V seit Jahren verstärkt um den hausärztlichen Nachwuchs mit einem ganzen Paket von Maßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin. Beispielsweise mit der Gewährung von Investitionskostenzuschüssen bei einer Praxisgründung oder finanziellen Förderungen von Ärzten in Weiterbildung für Allgemeinmedizin. Finanzielle Unterstützung kann es auch für Studierende geben. Die Einrichtung einer Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin an der Universität Rostock durch die KVMV sowie die enge Kooperation zum zweiten Lehrstuhl für Allgemeinmedizin im Land an der Universität Greifswald sollen junge Allgemeinmediziner für M-V gewinnen. „Beide Lehrstuhlinhaber begeistern mit großem Engagement die Studierenden für den Beruf des Hausarztes“, so Kerstin Alwardt. Dazu hätten viele Kliniken zusätzliche Stellen eigens für Ärzte in Weiterbildung für Allgemeinmedizin geschaffen. Mit allen großen Krankenhäusern im Land habe die KVMV Verträge zur Zusammenarbeit bei der allgemeinmedizinischen Weiterbildung. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner sollen Investitionszuschüsse bis zu 75 000 Euro sowie Honorarumsätze, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liege,n die jungen Hausärzte ins Land locken, erklärt die Sprecherin.


Zuschüsse für neue Arztpraxen


Im Altkreis Parchim seien bislang elf Investitionskostenzuschüsse über 50 000 Euro ausgezahlt, davon konnten drei Hausärzte direkt in Parchim profitieren. Weiterhin konnten drei ärztliche Anstellungen, eine Zweigpraxis und der Umzug eines Hausarztes gefördert werden. Die KVMV werde weiterhin für eine hausärztliche Niederlassung in Parchim werben, heißt es von Seiten der Vereinigung. In Parchim praktizieren derzeit weitere 13 Allgemeinmediziner und Allgemeinmedizinerinnen.

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