Mit der Autobahnstreife unterwegs : Nicht nur die Autobahnen fest im Griff

Josefin Kurz kontrolliert die Papiere eines finnischen Lkw.
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Josefin Kurz kontrolliert die Papiere eines finnischen Lkw.

Damit Urlauber, Pendler und Berufskraftfahrer sicher ans Ziel kommen, sind Polizeibeamten des Stolper Reviers rund um die Autobahnen im Einsatz

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25. Juni 2016, 07:00 Uhr

Ab heute wird es voller auf Deutschlands Autobahnen, in Bremen und Niedersachsen haben am Donnerstag die Sommerferien begonnen. Etliche Urlauber rauschen zwischen dicken 40-Tonnern auf der A 24 an der Raststätte Stolpe vorbei. Der unscheinbare Plattenbau dahinter ist der Sitz eines der fünf Autobahn- und Verkehrspolizeireviere in MV, es gehört zur Polizeiinspektion Ludwigslust.

Von hier haben 61 Frauen und Männer ihre 143 Kilometer Autobahnen A 24 und A 14 im Griff – und darüber hinaus auch Landwege in der Region. „Wir sind keine Einbahnstraßen-Polizei“, sagt Polizeihauptkommissar Mathias Elert, der stellvertretende Leiter des Stolper Reviers. Seine Beamten sind auch mal auf Landwegen wie in Goldenbow unterwegs, wo sie vor einigen Tagen ein völlig fahruntüchtiges Treckergespann aus dem Verkehr zogen. Aber sie sollen eben im Schichtdienst die „Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf den Bundesautobahnen“ gewährleisten, wie es bei der Landespolizei heißt. Wie tun sie das?

Wir durften zwei der Stolper Kollegen auf einer ganz normalen Streifenfahrt an einem Vormittag begleiten. Polizeimeisterin Josefin Kurz (23) und Polizeikommissar Rico Boldt (25) rollen mit dem VW-Transporter T5 auf die Nordseite der Raststätte Stolpe. Ruhiger Verkehr auf der A 24, Container-Lkw und Reisebusse teilen sich die Autobahn, weiße Haufenwolken ziehen vor blauem Himmel. Direkt an der Ausfädelung hält ein schwedischer Saab. Zwei Kinder spielen am Grünstreifen. „Oh, das ist gefährlich“, sagt Josefin Kurz. Ihr Kollege hat einen umgestürzten Leitpfosten entdeckt. Er sprintet auf den Grünstreifen, richtet das Teil wieder auf. Josefin Kurz fragt nach freundlichem Gruß die Urlauberfamilie, warum sie nicht auf dem Parkplatz stehe. Hier sei es für die Kinder doch viel zu gefährlich. Der anfangs wohl ob des Polizeiautos verunsicherte Fahrer versteht. Das Auto sei kaputt, aber die paar Meter zum Parkplatz schaffe man noch.

Rico Boldt fährt jetzt langsam die Parkflächen ab. „Wir schauen nach Auffälligkeiten“, sagt Josefin Kurz, „mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür. Wie parken die Leute, sind sie hektisch? Das können Hinweise sein.“ Manchmal auch kuriose, wie jener Wohnwagenanhänger, der auf den Bremsscheiben fuhr und natürlich stillgelegt wurde. Streifenfahrt ist Teamarbeit. Keine großen Worte, im Ernstfall muss es schnell gehen und sind Gefahren nicht zu unterschätzen, besonders wenn große Fische ins Netz gehen.

Rico Boldt steuert den Polizei-T5 wieder auf die Autobahn, gibt Gas. Seine Kollegin mustert die überholten Brummikapitäne. Konzentrieren sie sich aufs Fahren, sind sie abgelenkt? „Man bekommt schon eine Art Scanner-Blick“, beschreibt die junge Beamtin, die seit Oktober 2015 in Stolpe stationiert ist, die Prozedur. „Container-Lkw sind manchmal zu hoch. Dann dürfen sie nur bestimmte Routen fahren“, sagt Rico Boldt. Auch das einer der Erfahrungswerte der Beamten, damit es mit der Sicherheit und Leichtigkeit klappt.

Jetzt gerät ein Pritschen-Transporter in den Fokus der Streifenwagenbesatzung. Auf den ersten Blick sieht das Gefährt aus dem Oberhavel-Kreis abenteuerlich aus, ein Fahrradanhänger liegt auf der Ladefläche. Josefin Kurz greift zur Fernbedienung. Damit steuert sie die Leuchtschrift „Bitte folgen“ im Heck des T5. Abfahrt Neustadt-Glewe. Wieder freundliche Ansprache, das bremst Heißsporne aus. Hier ist es aber eine ganz entspannte Familie auf dem Weg nach Boltenhagen. „Ich arbeite dort, meine Frau macht mit der Enkelin Urlaub“, sagt der Fahrer. Die Polizeibeamten prüfen die Ladung. Keine Beanstandungen, der Spanngurt sitzt fest, nichts kann wegfliegen. Also: „Schönen Urlaub und gute Fahrt!“

Bis zu 600 Kilometer schrubbt eine Streifenwagenbesatzung in einer Schicht. In Wöbbelin kommt jetzt über Funk ein Notruf an. In der Leitstelle hat ein Autofahrer angerufen. Ein finnischer Sattelzug soll mit einem fetten Riss in der Frontscheibe auf der A 14 in Schwerin Richtung Süden unterwegs sein. Ein Fall für unsere Streife. Nur welchen Weg nimmt der Brummi, den der Anrufer samt Kennzeichen beschrieben hat? Josefin Kurz und Rico Boldt mustern alle Lastwagen, als sich die Leitstelle erneut meldet. Der Anrufer berichte, dass der Lkw das Autobahnkreuz Schwerin Richtung Berlin verlassen habe. „Da ist er“, ruft Josefin Kurz. In Stolpe winken die Polizisten den Sattelzug auf die Raststätte. Der Riss entpuppt sich allerdings als eher klein, er liegt auch nicht im Blickfeld. Dennoch: Der russische Fahrer muss die Papiere vorzeigen. Josefin Kurz springt auf den geöffneten Auflieger, prüft die Ladungssicherung. Alles in Ordnung, der Fahrer will nach München. So rauscht die große weite Welt vor dem Stolper Revier vorbei, aber die Kollegen kennen eben auch die kleinen Dörfer in der Region. Der stellvertretende Revierleiter Mathias Elert: „Wir unterstützen genauso in der Fläche. Wenn wir schneller vor Ort sind, greifen wir im Einsatzfall auch in Wittenburg und Bresegard ein.“ Was der „Scanner-Blick“ der 61 erfahrenen Kollegen allein in den letzten Wochen alles ans Tageslicht brachte, ist erstaunlich. Mathias Elert listet zum Beispiel den Fund von 49 Kilo Drogen auf, die 250 000-Euro-Ladung lag lose in einem Transporter. Ins Netz ging auch ein Pkw voller Werkzeug. Das war zuvor in Dänemark gestohlen worden. Aber auch tierische Erlebnisse gibt es: Ein Schäferhund war bei einer Pause seines „Frauchens“ entlaufen. Einen Tag später entdeckten Stolper Polizisten das Tier und lockten es mit Bockwurst an.

Zum Schluss wollen wir noch eines wissen: Ist das ein schöner Beruf? Josefin Kurz und Rico Boldt zögern keine Sekunde: „Ja!“ 

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