Rote Liste : Nicht nur der Fischotter ist bedroht

Ranger Johannes-Paul Neumann und das Präparat eines Fischotters vor dem Biosphärenreservatsamt in Zarrentin
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Ranger Johannes-Paul Neumann und das Präparat eines Fischotters vor dem Biosphärenreservatsamt in Zarrentin

Naturschützer weist auf Tiere und Pflanzen hin, die in der Region bald nicht mehr zu finden sein könnten und schon erheblich zurückgegangen sind

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27. Januar 2018, 16:00 Uhr

Jährlich taucht sie immer wieder in den Medien auf – die Rote Liste. Weltweit wird darauf hingewiesen, welche Arten vom Aussterben bedroht sind. Doch schon lange dreht es sich nicht nur um exotische Raubtiere oder Tiefsee-Fische. Auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind die Natur- und Umweltschützer in Sorge und machen auf Tiere und Pflanzen aufmerksam, die es ohne entsprechende Maßnahmen bald nicht mehr geben könnte. SVZ-Redakteur Mario Kuska sprach mit Jochen Krippenstapel, dem Leiter des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz des Landkreises Ludwigslust-Parchim.

Herr Krippenstapel, welche Tiere und Pflanzen sind auch in unserem Landkreis vom Aussterben bedroht?
Krippenstapel: „Vom Aussterben bedroht“ sind die der Gefährdungskategorie 1 in den Roten Listen der gefährdeten Pflanzen und Tiere zugeordneten Arten. Hier sind zum Beispiel 14,5 Prozent der gefährdeten Pflanzensippen in diese Kategorie eingeordnet. Bei den Brutvogelarten gelten 10,8 Prozent als vom Aussterben bedroht. Wegen der starken Gefährdung wurden hier die Bekassine, die Brandseeschwalbe und der Steinschmätzer neu eingestuft. Verbessert hat sich die Situation vom Austernfischer, der Zwergseeschwalbe und dem Wiedehopf. Diese wurden mit geringerer Gefährdung in die Kategorie 2 abgestuft.

Das klingt allemal bedrohlich. Was wird denn bereits unternommen, um diese Exemplare zu schützen?
Mit Einstufung als „Vom Aussterben bedroht“ sind geeignete Schutz- und Hilfsmaßnahmen vorzusehen, um das Überleben der Arten zu sichern. Diese Arten sind in die spezielle Prüfung einbezogen, die vor der Genehmigung von Bauvorhaben und vor Planaufstellungen gesetzlich vorgegeben ist. Im Ergebnis der Prüfung kann ein vorgezogener Ausgleich oder Ersatz der Lebensstätte notwendig sein. Erst danach darf mit dem Bauvorhaben begonnen werden.

Wer hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Rote Liste nicht nur statistisch zu „füttern“, sondern tut auch tatsächlich etwas, die bedrohten Arten zu erhalten?
Die Aktualisierung der Roten-Listen und Zuordnung der Gefährdungskategorien
0 – Ausgestorben
1 – Vom Aussterben bedroht
2 – Stark gefährdet
3 – Gefährdet
R – Extrem selten
V – Vorwarnliste (u. a.)
erfolgt über die Naturschutzbehörden des Landes. Im Rahmen der behördlichen Artenschutzaufgaben der Unteren Naturschutzbehörden werden die in den gesetzlichen Schutz übernommenen gefährdeten Arten der Roten-Listen berücksichtigt. Auch bei der Erfassung von gesetzlich geschützten Biotopen wird als ein Hauptmerkmal für die Schutzwürdigkeit das Vorhandensein der Rote-Liste-Arten gesehen. Eine wichtige Aufgabe übernehmen die anerkannten Naturschutzvereine BUND, NABU, Landesanglerverband, Landesjagdverband und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Diese werden bei Vorhaben in Alleen, Biotopen, Schutzgebieten usw. und bei der Erteilung von Befreiungen beteiligt und können Rechtsbehelfe einlegen. Weiter werden von den Vereinen Aktivitäten wie z. B. Biotoppflege, Stunde der Gartenvögel, Betreuung von Pflegestationen durchgeführt.

Welche Ansätze gibt es , dass auch der Otto-Normalverbraucher sich am Artenschutz beteiligen kann?
Das hängt von den individuellen Interessen ab. Grundsätzlich sollten die im häuslichen Bereich und Garten vorkommenden gefährdeten Arten geduldet werden bzw. unterstützt werden. Das Belassen ungestörter kleinerer Naturnischen und die Reduzierung bzw. der Verzicht auf chemische Mittel kann hier schon viel bewirken.

Biosphärenreservate, Fisch- und Forstwirtschaft, Jäger und Bauern – wo laufen im Landkreis die Fäden zusammen, um nachhaltige Konzepte zu entwickeln?
Von den Biosphärenreservaten werden aufgrund der auch international bedeutsamen Gebietsflächen wesentliche konzeptionelle Aufgaben getragen. Für alle europäisch geschützten Gebiete wird das Gebietsmanagement durch die Staatlichen Ämter wahrgenommen. Die Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte sind zum Beispiel in die Lenkungsgruppe der Naturparke, Arbeitsgruppen Artenschutz und der begleitenden AG zum Management der EU-Gebiete einbezogen. Die konzeptionelle Umsetzung der bundesrechtlichen Vorschriften nach dem Bundesnaturschutzgesetz und die Aufgabenzuordnung obliegen vorrangig den Landesbehörden.

Welche Tiere und Pflanzen sind in den vergangenen zehn Jahren aus unserer Region schon von der Bildfläche verschwunden, die man früher noch gut kannte?
'Leider sind die derzeit zur Verfügung stehenden 23 Roten Listen zum Teil bereits vor 25 Jahren erstellt worden. Aktuelle Fassungen liegen erfreulicherweise für Brutvögel und die nicht so bekannten aber planungsrelevanten Artengruppen Armleuchteralgen (2015), Eintags-, Stein- und Köcherfliegen (2016), Blatthornkäfer, Hirschkäfer (2013), Spinnen (2012) sowie Egel und Krebsegel (2013) vor. Von den Brutvogelarten können in den vergangenen zehn Jahren keine Verluste gemeldet werden. Die letzte Verlusteintragung in der Roten-Liste betrifft eine Feststellung von 1997 - betreffend den Seggenrohrsänger. Bei den Pflanzen liegt der prozentuale Verlust in 2005 bei ca. 13,7 Prozent, vorwiegend verursacht durch Nährstoffeinträge, Änderung des Wasserstandes bzw. der Nutzungsform. Im Vergleich werden in der Roten Liste 1978 15,7 Prozent und 1985 12,5 Prozent angegeben. Die Betroffenheit liegt gegenwärtig bei einem teilweise erheblichen Rückgang der Individuenzahlen, weniger bei einem Verlust an Arten.

Otter sind ein Qualitätsnachweis

Der Fischotter ist anspruchsvoller Bewohner der Biosphärenreservate: Aufgrund ihrer Lebensraumansprüche gelten die geschützten Tiere als Leitart für intakte Gewässerlandschaften. Viermal jährlich wird der Bestand von den Rangern des Biosphärenreservatamts Schaalsee-Elbe durch verschiedene Monitoring-Maßnahmen überprüft: „Meistens trifft man die Tiere allerdings nicht persönlich an - und muss sich auf Spurensuche begeben“, weiß Ranger Johannes-Paul Neumann aus Erfahrung.

An über 30 Kontrollpunkten wurden in den letzten Jahren Spuren der Tiere gesichtet. So konnte die weitere Verbreitung der Tiere seit 1990 nachgewiesen werden.

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