Parchim : Neues Jugendzentrum auf Eis?

Als Wärmespender dient ein klappriger Ofen. Fotos: Christiane Großmann
1 von 3
Als Wärmespender dient ein klappriger Ofen. Fotos: Christiane Großmann

Vertreter vom Verein Alternative Jugend wandten sich an Stadtvertreter / Nächste Woche Gespräche mit Bürgermeister und Stadtpräsidentin

svz.de von
19. November 2015, 16:02 Uhr

Kommt das neue alternative Jugendzentrum von Parchim im nächsten Jahr oder nicht? Bis vor kurzem hatte sich der gemeinnützige Verein Alternative Jugend Parchim noch große Hoffnungen auf einen  Ersatzneubau mit Fördermitteln aus dem EFRE-Förderprogramm* gemacht, nachdem die Begegnungsstätte am Schwarzen Weg als eines der ausgewählten Schlüsselprojekte der Stadt Parchim mit dem Realisierungszeitraum 2016 ins Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) aufgenommen wurde. Auch erste Signale vom  Land schürten den  Optimismus. In den zurückliegenden Wochen verdichteten sich jedoch Befürchtungen, dass das Vorhaben ins Stocken geraten könnte.  Seit dem Sommer habe es kein Treffen der Arbeitsgruppe mehr gegeben. Sie besteht aus einem Vorstandsmitglied des Vereins, der Streetworkerin sowie Vertretern der zuständigen Fachbereiche der Stadtverwaltung. Nun macht sich der Verein Sorgen, dass Fristen für die Beantragung der Fördermittel verstreichen könnten.

Wie ist der aktuelle Stand? Mit dieser Frage wandte sich Parchims Alternative Jugend nun an die Stadtvertreter. Außerdem schlägt sich der Verein mit einer existenziellen Sorge herum:  Der Vorstand  hat noch keine Gewissheit, ob die Stadt den bis März 2016 laufenden Pachtvertrag für das Grundstück  weiter verlängert. Wenn nicht: „Was passiert mit unserem Verein und seinen Mitgliedern? Gibt es Alternativen?“, listete Franziska (Sissy) Neubert vom Vorstand  in der Einwohnerfragestunde die brennendsten Fragen auf. Zugleich sprach sie die Einladung an die Stadtvertreter aus, zum Schwarzen Weg zu kommen, „um gemeinsam bei Kaffee und Kuchen miteinander zu kommunizieren.“ Von den Zuschauerreihen stärkten ihr zahlreiche Vereinsmitglieder, die teilweise sogar mit „Kind und Kegel“ angerückt waren, den Rücken. 

Sowohl Bürgermeister Dirk Flörke  als auch  Stadtpräsidentin Ilka Rohr versprachen den Alternativen, dass man auf kurzem Weg einen Termin für ein Gespräch hinbekommen werde. Die Vorsitzende des Finanzausschusses Cordula Hohmann stellte klar, dass die Mittel für das Vorhaben bereits im Haushalt 2016 eingeplant sind.  Verständnis für die Sorgen des Vereins zeigte SPD-Stadtvertreter Carsten Schwarz: „Es gäbe Entwürfe, darauf muss man aufbauen. Jetzt darf die ganze Sache nicht auf die lange Bank geschoben werden“, merkte er an.

Und tatsächlich: Bürgermeister Flörke hat das Anliegen der Alternativen offensichtlich zur Chefsache erklärt und Vertreter des Vereins für kommenden Dienstag zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Seit gestern steht auch ein Termin mit der  Stadtpräsidentin fest, erfuhr SVZ. „Wir sind echt dankbar, dass nun so schnell Bewegung in die Sache kommt und mit uns, statt über uns gesprochen wird“, sagt Sissy.

In dem Verein Alternative Jugend Parchim e. V. haben sich im Jahr 2006 Jugendliche und junge Erwachsene zusammengeschlossen, die überwiegend der Punkerszene angehören. Einige  von ihnen sind mittlerweile junge Eltern. Seit 2007 hat der Verein sein Domizil am Schwarzen Weg, wo er  gemeinsam mit der in der Kreisstadt tätigen Streetworkerin eine von der Stadt zur Verfügung gestellte ehemalige Kfz-Halle sowie andere Räumlichkeiten als Begegnungsstätte etablierte.  „Ich ziehe wirklich den Hut vor den Leuten, was sie in der Vergangenheit alles angepackt haben“, bestätigt die Streetworkerin und ergänzt, dass die Alternative Begegnungsstätte vom Jugendamt sogar als Modellprojekt bezeichnet werde.   Obwohl die Vereinsmitglieder hart schufteten und jede Menge in Eigenleistung stemmten, um ihre Begegnungsstätte einigermaßen wohnlich zu machen, täuscht das nicht darüber hinweg, dass die baufällige Substanz immer nur ein Provisorium sein kann.  Von der Stadt hat die Alternative Jugend eigenen Angaben zufolge noch nie Geld oder Zuschüsse in Anspruch genommen. Allerdings ist der Erhaltungszustand mittlerweile so marode, dass  kaum noch was zu retten ist. Im Gegenteil: Von einer sicheren Begegnungsstätte kann keine Rede mehr sein.  Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept wird statt einer umfassenden Sanierung ein Ersatzneubau empfohlen. Da der etwas abgelegene Standort für den Verein wie geschaffen ist – einmal im Monat findet auf dem Gelände zum Beispiel eine größere Musikveranstaltung mit einem entsprechenden  Lautstärkepegel statt – empfiehlt das ISEK außerdem, den Neubau an gleicher Stelle zu errichten.



* Hinter dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) steht ein EU-Programm zur Förderung der nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Stadt macht sich Hoffnungen, aus diesem Fördertopf bis zum Ende der Förderperiode im Jahr 2020 sechs Millionen Euro zu erhalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen