Parchim : Neuer Platz für die ewige Ruhe

Diese Stele schuf Steinmetzmeister Thomas Mahnke aus Ludwigslust für den Baumhain auf dem Neuen Friedhof in Parchim.
Diese Stele schuf Steinmetzmeister Thomas Mahnke aus Ludwigslust für den Baumhain auf dem Neuen Friedhof in Parchim.

Baumhain auf dem Parchimer Friedhof angelegt. Wunsch nach pflegeleichten Gräbern wächst. Immer mehr Urnenbestattungen.

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18. November 2017, 05:00 Uhr

Kurz vor dem Volkstrauertag und dem Totensonntag wurde auf dem Neuen Friedhof in Parchim der sogenannte „Baumhain“ fertiggestellt. Auf der jüngsten Bestattungsanlage unter alten sowie frisch gepflanzten Bäumen sind voraussichtlich ab Frühjahr 2018 die ersten Beisetzungen von Särgen und Urnen möglich, erfuhr unsere Zeitung von Karola Kimmen, Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung Parchim. Die Pflege der Anlage erfolgt durch die Stadt. Die Namen der Verstorbenen sollen auf Bronzeblättern verewigt werden. Für die Trauernden wird es hier auch möglich sein, Blumen abzulegen.

Der Baumhain steht für einen Trend, der sich in den vergangenen Jahren auch in Parchim verstärkt: Die meisten Hinterbliebenen wollen heute Gräber, bei denen sie mit der Pflege nichts zu tun haben, weiß Karola Kimmen. Kinder und Enkel gehen in die Welt hinaus, Eltern und Großeltern wollen aber zu Hause bestattet werden. Natürlich können die Hinterbliebenen die Grabpflege auch in Auftrag geben. Immer mehr indes wählen eine Grabanlage, bei der sie die Pflege für die ganze Ruhezeit gleich mitbezahlen.

Auffällig auch ein weiterer Trend: Seit den 1980er-Jahren entscheiden sich immer mehr Hinterbliebene für Feuerbestattungen. 1995 lag in Parchim der Anteil der Urnenbeisetzungen bereits bei 50 Prozent, mittlerweile sind es sogar schon über 80 Prozent.

Mitte der 1990er-Jahre wurde in Parchim die erste Gemeinschaftsanlage für anonyme Urnenbestattungen eingeweiht. Jahrelang gab es eine sehr hohe Nachfrage, so Karola Kimmen. Inzwischen sei die durch neue Bestattungsangebote etwas zurückgegangen. Aber die Nachfrage sei noch da, so dass in Parchim neben der ersten nahezu vollen Anlage eine zweite für anonyme Urnenbestattungen entstehen soll.

Manche Angehörige hätten sich im Nachhinein einen anderen Platz für die ewige Ruhe der Verstorbenen gewünscht, weiß Karola Kimmen. Doch bei anonymen Bestattungen sind keine Umbettungen möglich. Die Angehörigen müssen sich vorher alle Umstände durch den Kopf gehen lassen. Bei anonymen Anlagen gibt es keine Namensnennung der Verstorbenen. Die Angehörigen erfahren nicht, wo genau ihre Lieben bestattet sind. Sie werden erst im Nachhinein informiert, wenn die Urne beigesetzt ist.

Die Kreisstadt hat auf den bundesweiten Trend zu gepflegten bzw. pflegeleichten Gräbern reagiert. 1999 wurden die ersten Rasenreihengräber und 2012 Urnenrasenreihengräber angelegt. Wahlgräber für Särge und Urnen, wie sie vor Jahrzehnten noch das Gros ausmachten, wird es auch weiterhin geben, erfuhr SVZ. Es gibt aber beispielsweise auch Wünsche nach Stätten, wo die Angehörigen zwar keine Pflege übernehmen müssen, aber trotzdem einen individuellen Grabstein aufstellen können. Das könnte sich Karola Kimmen künftig im Bereich um die Kapelle vorstellen, wo historische Strukturen erhalten werden sollen. In Planung ist, die Anlage mit den Kindergräbern aufzuwerten, sagt Karola Kimmen.

Für den neuen Baumhain hat übrigens der Steinmetzmeister Thomas Mahnke aus Ludwigslust eine ansprechende Stele geschaffen. Auf dem bauseitig fertiggestellten Areal ist zunächst die Bestattung von 14 Särgen und 112 Urnen auf Einzel- oder Zweierplätzen möglich. Erweiterungen sind vorgesehen.

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