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Gesundes Misstrauen angebracht : Neue Tricks der Telefon-Abzocker

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Enkeltrick und Gewinnspielbetrug seit einem Jahrzehnt im Vorlauf. Professionelle Täter erfinden immer neue Strategien zum Telefonbetrug

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2016 | 22:00 Uhr

Statt zur Bank, brachte der schlaue Taxifahrer die 75-jährige Rentnerin aus Dömitz gleich zur Polizei. Im April hatte die Frau Glück im Unglück, dass sie mit fast fünftausend Euro Bargeld in das Auto des besonnenen Fahrers stieg. Die ältere Dame hatte es an disem Tag eilig, denn zuvor rief sie eine Unbekannte an, um ihr einen hohen Gewinn zu verkünden. Allerdings hätte sie für den Erhalt des Preisgeldes eine „Transfergebühr“ zu leisten gehabt. Glücklicherweise erzählte die redselige Dame die Geschichte dem Taxifahrer und der schöpfte sofort Verdacht. Sein schnelles Handeln rettete die Seniorin vorm Verlust ihrer Ersparnisse.

Beinah minütlich betrügen Kriminelle ältere Menschen am Telefon um ihr Hab und Gut. Es gibt über eine Million Geschädigte, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Bekanntlich geben sich die Betrüger als Enkel mit Geldsorgen aus, mittlerweile kursieren neue Strategien auf dem kriminellen Markt. So melden sich heute falsche Rechtsanwälte, Polizisten, Steuerbeamte und Gewinnspielanbieter am anderen Ende. Ihre Opfer finden die Betrüger im Telefonbuch, hier suchen sie nach altdeutschen Vornamen.

Das Grundprinzip der Telefonabzocke: psychisch Druck aufbauen , ein schlechtes Gewissen einreden, bis die Betroffenen eine sofortige Überweisung in Gang setzen. „Die Maschen sind facettenreich und komplex. Wenn sich die Betrüger als Rechtsanwälte oder Polizisten ausgeben, wirken sie seriös und fordernd. Das sind rhetorisch geschulte Täter, sie machen ihre Forderungen so glaubhaft wie möglich. Sie setzen die Leute unter enormen Druck“, berichtet Klaus Wiechmann, Polizeisprecher des Ludwigsluster Landkreises. Hinter dem seit einem Jahrzehnt bekannten Phänomen des Trickbetrugs stecken kriminelle Netzwerke, teilweise international verflochten, denen die Ideen nicht ausgehen.

Es gibt Fälle bei denen die Täter vermeintlich seriöse Anrufe simulieren und sogar die Displayanzeige des Telefons manipulieren. Gewinnspielbetrug, hinter dem häufig dubiose Call-Center stecken, kam zuletzt im Landkreis Ludwigslust-Parchim mehrmals auf. Der Enkeltrick hingegen sei wegen der Präventivmaßnahmen erfolgloser geworden, weiß Wiechmann. „Die Menschen hierzulande sind weitgehend aufgeklärt. Sie kennen die Enkelmasche bereits. Die Polizei betreibt stets Aufklärungskampagnen und daher durchschauen Betroffene vielmals den Betrugsversuch“, erklärt der Polizeisprecher. Trotzdem ruft Wiechmann zur Achtsamkeit auf: „Man sollte niemals einem Fremden einfach so Geld geben. Wenn man den Anrufer nicht kennt, sollte man seinen Verdacht der Familie und Polizei mitteilen. Das allerwichtigste ist, dass das Thema oftmals innerhalb der Familiensituation besprochen wird“.

 

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