Schnuppertag in Parchim : Neue Gymnasiasten willkommen

Omar und Mahmoud aus der zehnten Klasse neben der stellvertretenden Schulleiterin Michaela Lüders und Schulleiter Volkhard Merzsch
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Omar und Mahmoud aus der zehnten Klasse neben der stellvertretenden Schulleiterin Michaela Lüders und Schulleiter Volkhard Merzsch

Tag der offenen Tür am Friedrich-Franz-Gymnasium mit Unterrichtsproben für Interessierte

svz.de von
08. Januar 2018, 05:00 Uhr

Was wohl Friedrich Franz dazu gesagt hätte? Immerhin war er vor den Franzosen in das damals noch dänische Altona geflohen und so schlotterten ihm die Knie vor Napoleon, während seine drei Söhne später selbst gegen den zweiten Erzfeind Russland ins Feld zogen. Doch das ist über zweihundert Jahre her und heutzutage wird sich bei der Wahl zwischen zwei der insgesamt vier Fremdsprachen am Friedrich-Franz-Gymnasium wohl weniger über geschichtliche Bedeutung, als über die eigene Zukunft bzw. die des Sprösslings Gedanken gemacht.

Der Tag der offenen Tür vergangenen Samstag bot somit die Gelegenheit, gerade den Orientierungsstufen den eventuellen Aufenthalt ab der siebten Klasse am Gymnasium schmackhaft zu machen. Und da fällt die Qual der Wahl zwischen den Fächern Religion und Philosophie bzw. Französisch und Russisch.

Letztere Sprache ist in den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns schon lange nicht mehr in jedem Lehrplan fest gesetzt. Kein Problem für das leitende Duo des Gymnasiums. „Es schärft unser Profilbild im sprachlichen Bereich“, ist sich Schulleiter Volkhard Merzsch sicher und Michaela Lüders, stellvertretende Schulleiterin, sieht die wirtschaftliche Entwicklung im Vordergrund: „Wir müssen in Richtung Osten schauen.“ Aus dieser Himmelsrichtung hatten es auch Mahmoud und Omar nach Parchim geschafft. Die beiden jungen Männer besuchen die zehnte Klasse des Friedrich-Franz-Gymnasiums und stehen, wie auch die Neuntklässlerinnen Farah und Joudi, für die Schüler- und Schülerinnen mit Migrationshintergrund, welche die 500 Mann starke Schülerschaft bereichern. „Wir integrieren sehr stark!“, so Volkhard Merzsch.

Als Botschafterin anderer Kulturen und Religionen sieht sich im weiteren Sinne auch Religionslehrerin Diana Schlüter-Beck, die engagiert für ihr Fach wirbt. „Während der Projekttage fahren wir oft in eine buddhistische Klosterschule.“ Es sei wichtig, die Schüler immer neugierig und vor allem mit aktuellen Themen vertraut zu machen. Nicht umsonst wurde im jährlich stattfindenden Schulwettbewerb zur politischen Bildung im Jahr 2013 der erste Platz gemacht – und eine Prämie von 1500 Euro gewonnen! Doch auch abseits von Buddha und Geldsegen fanden sich kleine Schätze der Welt – wenn auch wieder sprachlicher Natur. In einer Unterrichtssequenz, die an diesem Tag in verschiedenen Fächern stattfand und eine Art Schnupperstunde für Neugierige darstellte, leitete der 13-jährige Marten zusammen mit weiteren Siebtklässlern den Russisch-Unterricht in Kurzfassung. „Wir begrüßen unsere Gäste mit einem feierlichen Guten Tag!“ Manch einer fühlte sich in seine eigene Schulzeit zurückversetzt und konnte bei Brot und Milch noch folgen; doch spätestens als die Elftklässler mit ihrem Dialog loslegten, trat die eigene Unkenntnis oder besser, die eigene Vergesslichkeit wieder zu Tage. Von diesen Erfahrungen ist die 11-Jährige Emily aber noch Lichtjahre entfernt. Mit Blick auf die kyrillischen Buchstaben an der Tafel ist sie sich sicher: „Ich würde lieber Französisch machen.“


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