Parchim : Neue Bürgerwiese: "Nein danke!"

<fettakgl>Die Bewohner der Siedlung Rabensoll</fettakgl> sind mit ihrer Lebenssituation weitgehend zufrieden. <GrafikRechtsex><GrafikRechtsex /></GrafikRechtsex><grafik>Grafik: Stadtverwaltung</grafik>
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Die Bewohner der Siedlung Rabensoll sind mit ihrer Lebenssituation weitgehend zufrieden. Grafik: Stadtverwaltung

Das hat es bislang in der Kreisstadt noch nicht gegeben: Ein Stadtteil soll mit einem aufwändigen Projekt aufgewertet werden, aber die künftigen Nutznießer haben kein Interesse. Die Stadt verwirft daraufhin die Planung.

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30. Juni 2012, 04:25 Uhr

Parchim | Das hat es bislang in der Kreisstadt auch noch nicht gegeben: Ein Stadtteil soll mit einem aufwändigen Projekt aufgewertet werden, aber die künftigen Nutznießer haben kein Interesse. Stadtplaner Norbert Kreft zieht ein ernüchterndes Fazit: "Viele Bewohner am Rabelsoll wollen offenbar, dass im Wesentlichen alles so bleibt wie es ist. Wir werden die Idee einer Bürgerwiese nicht weiter verfolgen".

Damit hatte der Chefplaner der Stadt vor Beginn eines Arbeitsforums, zu dem er in dieser Woche in die Stadthalle eingeladen hatte, wohl auch nicht gerechnet. Nachdem mit einem Flyer zuvor dafür geworben wurde, dass insbesondere Bewohner der Siedlung am Rabensoll die Möglichkeit bekommen, "selbst Ideen und Projekte in einer offenen Diskussion zu entwickeln" hatten sich mehr als 30 Interessenten eingefunden. "Obwohl wir auch auf mehr Teilnehmer eingestellt waren, geht die Resonanz in Ordnung. In einer sehr sachlichen Atmosphäre wurden schließlich die unterschiedlichen Standpunkte ausgetauscht", sagt Kreft.

Anlass für das Vorhaben "Bürgerwiese" ist die geplante Abgrenzung der Siedlung "Rabensoll" von der freien Landschaft. Dort befindet sich der seit Monaten umstrittene "Windeignungsraum Parchim-Ost". Derzeit werden mit der von den Stadtvertretern mehrheitlich beschlossenen Aufstellung des Bebauungsplanes 44 die Weichen für einen Windpark mit bis zu 185 Metern hohen Windrädern gestellt. Die "Bürgerwiese" sollte einerseits den Siedlungsrand städtebaulich markieren und eine deutliche Distanz zum künftigen Windpark schaffen. Die Planer haben ihre Anfangsideen formuliert. Diese sahen unter anderem neue Spielangebote für Kinder und Jugendliche sowie einen Rundweg in der Natur betonten Landschaft vor. Wichtig war den Experten, dass hier keinesfalls ein neuer Stadtpark, sondern eine Kulturlandschaft entsteht, die künftig geringen Pflegeaufwand erfordert und den Rabensoll mit der angrenzenden Natur verbindet.

Doch auf die Bewohner am Rabensoll, die sich ihre Grundstücke in jahrelanger Arbeit liebevoll gestaltet haben und die Idylle nun in vollen Zügen genießen wollen, sprang der Funke nicht über. Sie sind mit ihrer Lebenssituation überwiegend zufrieden, wollen sich mit geplanten Windgiganten nicht abfinden und halten deshalb wohl auch "Ausgleichsmaßnahmen" mit dem wohlklingenden Namen "Bürgerwiese" für nicht notwendig. "Dies ist erst einmal zu akzeptieren. Nun wissen auch die Landschaftsplanungsbüros, dass sie aus den Leitmotiven keine konkreten Pläne entwickeln können", meint Norbert Kreft.

Für Teilnehmer des Arbeitsforums, die sich diesmal zu Wort gemeldet haben, gibt es trotz der Ablehnung einer "Bürgerwiese" in der Kreisstadt durchaus Handlungsbedarf. Der zunehmende Verkehrslärm, der auf dem viel befahrenen Lübzer Chaussee unmittelbar vor ihrer Haustür entsteht, nervt einige Bewohner sehr. Auch der kleine und durchaus intakte Spielplatz am Rabensoll könnte durchaus phantasievoller gestaltet werden. Der eine oder andere Bewohner der Siedlung kann sich noch gut an die frühere Badestelle am Eichberg erinnern und würde sich freuen, wenn die Stadt dieses Ufer des Wockersees wieder zum Baden herrichten würde. "Diese Anregungen haben wir aufgegriffen. Ob sie umzusetzen sind, kann derzeit noch niemand sagen", gibt der Stadtplaner zu bedenken.

Dass es nun keine "Bürgerwiese" auf dem Rabensoll geben wird, ist für viele Bewohner vor Ort nur ein Teilerfolg. Noch haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch der Windpark als Plan in der Schublade endet.

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