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Neubau würde bis zu 100 000 Euro kosten : "Nette Toilette" spart Parchim Geld

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Als nette Toilette wird eine von Händlern oder Gastronomen zur kostenlosen öffentlichen Nutzung bereitgestellte Toilette bezeichnet. Dafür erhalten die Inhaber von der Stadtverwaltung eine Aufwandsentschädigung.

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erstellt am 05.Okt.2012 | 10:56 Uhr

Parchim | Vor zwölf Jahren wurde in Aalen - einer 66 000 Einwohner zählenden Stadt im Osten Baden-Württembergs - eine Idee geboren, die inzwischen in 120 Kommunen der Bundesrepublik tüchtig Geld spart. Zusammen mit professionellen Werbestrategen hoben die Stadtväter dort das Projekt "Nette Toilette" aus der Taufe. Als nette Toilette wird eine von Händlern oder Gastronomen zur kostenlosen öffentlichen Nutzung bereitgestellte Toilette bezeichnet. Dafür erhalten die Inhaber von der örtlichen Stadtverwaltung eine Aufwandsentschädigung. Die Stadt spart im Gegenzug die nicht geringen Kosten für eigene öffentliche Toiletten.

Vor mehr als acht Jahren, am 1. September 2006, wurde auch in Parchim der Startschuss für "nette Toiletten" gegeben. Rund 20 Gastronomen und Hoteliers hatten sich zunächst bereit erklärt, ihre vorhandenen Toiletten für eine Entschädigung von bis zu 30 Euro nicht nur den eigenen Gästen, sondern jedermann zur Verfügung zu stellen. Die Stadt hatte seinerzeit versichert, dass sie sich keinesfalls aus der Verantwortung zur Bereitstellung öffentlicher Toiletten entziehen will. Seinerzeit musste die städtische Einrichtung am Neuen Markt aufgrund der technischen und hygienischen Zustände aufgegeben werden. In diesem Jahr wurde nun auch das City-Klo vis-a-vis dem Rathaus aus gleichen Gründen für immer geschlossen. Damit begann die Diskussion über Sinn oder Unsinn eines Neubaus einer öffentlichen Toilettenanlage.

Vor wenigen Tagen stand dieses Thema auf der Tagesordnung im Wirtschaftsausschuss der Stadtvertretung. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass nun nicht mehr ein Ersatzbau für den aufgegebenen Standort am Schuhmarkt, sondern eher am Rande des Großparkplatzes am Burgdamm ins Auge gefasst werden könnte.

"Dies Pläne sind viel zu teuer", meint der Ausschussvorsitzende Nico Skiba (Fraktion CDU). Im Raum standen Kostenschätzungen für den Bau einer öffentlichen Toilettenanlage von bis zu 100 000 Euro. Angesichts der angespannten Finanzsituation in der Haushaltskasse der Stadt sei das nicht zu vermitteln.

Im Ausschuss war man sich schnell einig, dass eine Alternative gefunden werden muss. Und die Stadtvertreter und sachkundigen Bürger sind sich mit der Verwaltung einig, dass die Aktion "Nette Toilette" eine zeitgemäße Möglichkeit ist, die Wünsche der Bürger und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Stadt unter einen Hut zu bringen.

"Das Projekt hat sich durchaus bewährt", meint der zuständige Fachbereichsleiter Holger Geick. Der Betrag, den die teilnehmenden Gastronomen oder Hoteliers erhalten, diene nicht der Kostendeckung, sondern sei eher ein "symbolischer Beitrag". Aus Sicht von Holger Geick ist dies eine gute Möglichkeit, Gäste vom Service zu überzeugen.

Die Stadt will weiterhin Toiletten am Busbahnhof und am Fischerdamm-Hafen anbieten und beteiligt sich auch selbst im historischen Rathaus und im Stadthaus an der Aktion "Nette Toilette". Entsprechende Logos sind Eingang zu finden und die Angebote werden auch rege genutzt.

In den kommenden Wochen soll mehr unternommen werden, um die Aktion "Nette Toilette" bekannter zu machen. Vor sechs Jahren war schon einmal ein Flyer produziert worden, der an vielen Stellen auslag. Inzwischen hat sich einiges verändert und die Zahl der Teilnehmer ist erfreulicherweise auch angestiegen. Eine Aktualisierung ist längst überfällig.

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